Unser täglich Brot

Halb Drei nachmittags, im Rewe irgendwo im Speckgürtel von Berlin, beim „Brotmeister“ Kamps. Der Verkäufer hat seine dünner werdende Mähne mit Gel festgeklatscht, damit man die Geheimratsecken nicht sieht. Den dünnen Backenbart trägt er nach der Facon des glücklosen ab heute ehemaligen Trainers der DFB Herren-Elf.

Was darf es sein?

Ein Hausbrot bitte.

Ein ganzes?

Ja, geschnitten bitte.

Normale Stärke?

Ja

Sonst noch was?

Meine hungrigen Augen bleiben an dem bauchigen schwarzen Kessel mit der Aufschrift „Kesselgulasch“ hängen.

Einmal die Tagessuppe für hier.

Einmal die Möhrensuppe?

Nein, das Kesselgulasch.

Heute ist Möhresuppe

Da steht aber Kesselgulasch drauf.

Das ist der Name von dem Topf.

Ah

Also was solls sein?

Ok, Möhrensuppe, aber mit einer Wiener. Und ein Brötchen.

Mit Ketchup oder Majo?

Mir Senf

Ah, stimmt, steht ja auch hier.

Ein Brötchen dazu?

Ja, sagt ich schon.

Er legt die Wurst und ein Päckchen Senf auf einen Teller und hebt den Deckel vom Topf.

Es sieht so aus als hätten meine Kolleginnen vergessen, heute die Suppe zu machen. Aber ich kann ihnen was wärmen, wenn sie einen Augenblick Zeit haben.

Hab ich. Geben sie mir schon mal die Wiener und das Brot

Er tuschelt mit seiner Kollegin, die ein Metallregal putzt. Sie schüttelt den Kopf .

Tut mir leid. Das mit dem Warmmachen geht nich. Das ist nicht erlaubt.

Dann geben sie mir jetzt das Brot und die Wiener.

Das Brot zu hier oder zum Mitnehmen?

Kein Wunder, dass wir nicht Weltmeister geworden sind.

Ein Gedanke zu “Unser täglich Brot

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