Selten so gelacht

Ist das wirklich schon fünfundzwanzig Jahre her, dass ich so laut gelacht habe? Als ich in meinem schäbigen Büro am hinteren Ende einer grauen Plattenbausiedlung am Rande von Berlin saß, in einem Raum mit beigebraunen Pressholzmöbeln im oberen Stockwerk eines in die Gegend geworfenen Einkaufszentrums in Weiß und Rot, so wie sie nach der Wende zu Hunderten hochgezogen wurden, in dieser Behörde, die genau an der letzten Haltestelle der Berliner U-Bahn, aber eben genau 50 Meter von der Stadtgrenze entfernt auf dem Gebiet von Brandenburg untergebracht worden war, wie es der Einigungsvertrag vorschrieb? In diesem zusammengewürfelten Laden, in dem die Chefs alte Männer aus Bayern waren, die ihre Muschkoten abteilungsweise aus den abgewickelten DDR-Ministerien rekrutierten. Doktores, Ingenieure und Beststudentinnen, die jetzt Stück für Stück alte Sozialakten auseinanderrissen, in denen Arbeiter- und Bauernschicksale auf blütenblattdünnem Durchschlagpapier eingeprägt waren: Hitzschläge in unbelüfteten Mähdrescherkabinen, Mopedunfälle mit unbeleuchteten Sowjetpanzern und  immer, immer wieder Allergien an ungecremten Melkerinnenhänden. Zerrissen in drei Teile, damit sie in das bundesdeutsche Sozialsystem passten, und ergänzt durch ungeschickt getippte Eingaben und von groben, von lärmenden Schreibrad-Druckern ausgespuckten Textbausteinen, die meist nur ein Ergebnis kannten: Ablehnung!

In dieser stumpfen Hölle der Bürokratie, in der ich meinen ersten Job nach dem Studium gefunden hatte, flatterte mir schon nach ein paar Tagen ein Brief auf den Tisch. Amtlich, mit meinem Namen, adressiert mit „im Hause“. Und dieser Brief aus der Personalabteilung ließ mich so laut  lachen, dass es auf den traurigen Fluren über den grauen Nadelfilz hallte. Ein Brief wie von einem besonders guten Komiker geschrieben. Vielleicht einer von der Zeitschrift „Titanic“, die bis dahin neben den Gesetzeskommentaren meine Pflichtlektüre war. „Hiermit wird ihre Jubiläumsdienstzeit gemäß Jubiläumsdienstverordnung wie folgt festgesetzt…“ Und akribisch wurde dann genau der Tag festgelegt, an dem man mich zu meinem 25. und mein 40. Dienstjubiläum beglückwünschen würde. „Here is you goldwatch and shackles for your chain. Set your sign on the dottet line and work for 50 years.“ Ich wollte nicht wahrhaben, dass mich diese längst totgeglaubte Welt, die ich aus den Protestongs der 68er kannte, gefangen hatte. Ich zeigte den Brief abends meiner hochschwangeren Freundin, und sie sagte mir anerkennend, dass sie es zu schätzen wisse, welchen Wahnsinn ich auf mich nähme, um unsere junge Familie bald ernähren zu können.

Nun, der Wahnsinn hatte gerade erst angefangen. Wenige Wochen später lehnte der bayerische Direktor meinen Antrag auf Sonderurlaub für die Geburt ab, mit der Begründung, ich sei ja mit der Mutter nicht verheiratet. Und Sonderurlaub bekämen nur Ehegatten. Das führte dazu, dass ich, nachdem ich mit meiner Freundin in den ersten Wehen die Nacht in der Klinik verbracht hatte, mich morgens auf zur Arbeit machte. Ich war in der Probezeit und meine Freundin noch in der Ausbildung. Ich durfte den Job nicht verlieren. Ständig rief ich vom Büro aus in der Klinik an. Handys gab’s ja noch keine. Aber die Schwestern beteuerten immer, dass es noch nicht so weit sei. Und als ich dann endlich den Mut hatte, mein Büro zu verlassen, war meine Tochter schon halb im Krankenhausfahrstuhl zur Welt gekommen. Gottseidank war alles gut gegangen. Aber das wussten wir erst ein banges halbes Jahr später.

Aus Rache beantragte ich, sobald ich konnte das, was damals „Erziehungsurlaub“ hieß. Und mein Direktor sagte mir ins Gesicht, dass ich, wenn ich das täte, nicht wiederkommen brauchte. Das war nicht im Mittelalter sondern Mitte der Neunziger Jahre. Ich nahm ihn beim Wort, suchte mir, während ich mit der Tochter am Sandkasten saß eine Stelle bei  der Zeitung und glaubte, dass sich das mit dem Dienstjubiläum ein für alle mal erledigt hätte.

Doch als Kafka-Jünger hätte ich wissen müssen: Die Mühlen der Bürokratie lassen niemanden aus ihren Klauen. Irgendwie hat mich der Wind des Lebens doch wieder in an die sicheren Strände der Jubiläumsdienstverordnung geweht. Ich war nicht mehr jung und ich brauchte das Geld. Schließlich habe ich mittlerweile vier hungrige Mäuler zu füttern. Und weil sich die Zeiten und die Gesetze geändert haben, konnte ich bei allen weiteren Geburten dabei sein. Aber alles hat seinen Preis. Und so ist gestern passiert, was ich in jugendlichem Übermut niemals geglaubt hätte: Zwischen Fahnen aufgestellt, mittlerweile mit grauem Bart, erhielt ich von meiner Abteilungsleiterin eine Urkunde zum 25. Dienstjubiläum, in der mir allen Ernstes „für die dem deutschen Volke geleisteten treuen Dienste“ gedankt wird. Und ich dachte, ich hätte für Geld und meinen Chef gearbeitet.

Meine Tochter habe ich zum meinem Jubeltag  morgen ins Theater eingeladen. Sie hat sich „Onkel Wanja“ im Deutschen Theater ausgesucht. Tschechow finde ich zwar ein bisschen langweilig, weil die Figuren da immer rumstehn und jammern, dass sie nichts tun können. Aber die Moral des Stückes, die die Dramaturgen auf den Programmflyer gedruckt haben, ist für mich hochbrisant. „… und so erkennen beide (Sonja und Onkel Wanja), dass sie 25 Jahre einem Irrtum gedient haben.“ Na, mal schauen.

Erwachsen werden

In der leeren Küche steht auf dem abgewischten Tisch ein übriggebliebenes, rotes Halma-Männchen. Schwer vorzustellen, dass dieses Männchen und seine bunten Freunde noch vor ein paar Stunden der Grund für ein existenzielles Drama unter Brüdern waren. Tränen, Geschrei, Schläge, Türenknallen, Anschuldigungen, Betrug, Schmollen, Decke über den Kopf ziehen und theatralische Abgänge. Das Spiel, das gegeben wurde hieß „Mensch ärgere dich nicht“ und sowohl die Söhne als auch der Vater sind noch weit entfernt davon, den gut gemeinten Befehl des Spieleerfinders zu befolgen und Gelassenheit walten zu lassen. Es fochten Bruder gegen Bruder, Vater gegen die Söhne (in abwechselnder Folge), Söhne gegen den Vater. Es wurde an der falschen Stelle gelacht und mit Häme über das Mißgeschick des anderen nicht gespart. Wer die Szenen von außen betrachtet hätte, hätte meinen können, es ginge um das Verteilen des väterlichen Erbes oder ähnlich schicksalsbsestimmende Entscheidungen. Und irgendwie hätte er auch recht gehabt.
Dann war alles still. Von einem Augenblick auf den anderen verlor das Spiel seine Bedeutung. Das war, als ich auf die Uhr schaute und sagte: Zieht euch an, in 10 Minuten kommt Mama. In der üblichen Hektik wurden Sachen in Taschen gestopft, Socken gesucht, und die Medikamente nicht vergessen. Aber irgendwas fehlt immer.
Zurück in meiner nun ruhigen Wohnung stehen verlassene Spielautos in Ecken, liegen Vorlesebücher auf dem Bett und der Sonnenhut, der eben nicht zu finden war, findet sich in der Lego-Kiste, in die die Jungs auch ihre bewundernswerten Bauwerke versteckt haben. Bis zum nächsten Mal.
Ich werfe alles was ich finde ins Kinderzimmer und mache die Tür zu. So mache ich das jedesmal, wenn die Kinder weg sind. Es dauert immer eine Weile, bis ich den Anblick des leeren Zimmers ertrage. Den Halma- Mann hatte ich übersehen. Und er macht mich traurig. Wie oft werde ich noch mit ihnen spielen, bis sie in ihren eigenen Spielen verschwinden, zu denen ich keinen Zugang mehr habe?
Im sonnenheißen Garten wartet noch das halb aufgeblasene Planschbecken von gestern darauf, wieder im Keller zu verschwinden und auch die Picknickdecke, die die Kinder seltsamerweise zwischen den Müllcontainern für das Abendessen aufgeschlagen hatten. Kurz überlege ich, ob ich das nasse Plastikbecken einfach in meinen Keller schmeiße, zu dem anderen Gerümpel aus meinem Leben und auch da einfach die Tür zu mache. Das Verweigern von Ordnung war schon immer meine Art, mich unangenehmem Druck zu verweigern. Die Dinge mussten darunter leiden. Doch ich bin keine 16 mehr. So langsam habe ich den Unterschied zwischen elterlichem Ordnungswahn und vernüftigem Umgang mit empfindlichen Dingen gelernt. Vorsichtig drücke ich die Luft aus den dicken Wülsten, lasse die PVC-Haut eine Weile in der Sonne trocknen und wische dann mit einem Stück alten Betttuchs Sand und Wasser aus den Nähten. Es soll ja noch ein paar Sommer mit den Jungs aushalten.

 

Schon vorbei?

Sonntagabend dachte ich: Endlich Sommer! Nachts um 11 lief ich von der Straßenbahn nach Hause – einfach weil es noch so angenehm warm war. Und weil  ich mir die letzte Strecke Geisterbahnfahrt mit den Schreckgestalten in der U6 ersparen wollte. Und weil es im Wedding auf einmal wie Urlaub war, wie in der Türkei oder in Italien.
Entlang der Müllerstraße war ein Summen von Stimmen in der Luft, saßen Menschen vor den Köfte-, Gözleme- und Dönerläden, vor dem Asia-Imbiss und vor dem türkischen Eiscafé. Manche mit, manche ohne Kopftuch, viele Kinder dazwischen, von denen ich nicht wissen wollte, wie sie es am nächsten Tag in die Schule schaffen würden. Denn die Ferien sind vorbei. Um die Ecke die Afrikaner mit eigenem Restaurant. Und auch hier: alles brechend voll und viel Geschnatter. Als hätten meine Nachbarn geahnt, dass das so schnell nicht wieder kommt. Jetzt ist es morgens schon wieder ein bisschen frisch und so lange hell ist auch nicht mehr. Die Herbstferien müssen geplant werden.
War’s das mit Sommer? Die Woche mit den Kindern in der Uckermark und dann noch eine mit ihnen in Berlin als Alleinunterhalter. Das Japsen im 40 Grad heißen Büro und die kurzen Ausflüge nach Brandenburg? Fühlte sich das früher nicht viel entspannter an? Wo sind diese „ewigen Sommer“ geblieben, die ich irgendwo noch in den Stammzellen abgespeichert habe? Mit Ferien, die nicht enden wollten. Mit langen Tagen im Freibad, denen lange Tage im Freibad folgten. Später dann das Gleiche in dänischen Ferienhäusern oder auf Usedom. Sommerferien, die so lang waren, dass man alle Zügel schleifen ließ und irgendwann sogar ihr Ende herbeisehnte, um der Langeweile zu entkommen.

Dass ich mit meiner biologischen Uhr etwas durcheinander bin, kann ja auch daran liegen, dass dieses Jahr Ostern viel zu spät war, sodass der Frühling noch gar nicht richtig angefangen hatte, als schon die frühen Berliner Sommerferien losgingen. Die Berliner müssen ja überall immer die Ersten sein.
Jetzt sind die Ferien vorbei und es ist noch so viel Sommer übrig, mit dem ich gar nichts anfangen kann oder will.  Hinzu kommt, dass ich die schönsten Sommer immer in Gruppen verbracht habe. Im Park mit meiner Tochter, ihren Freunden, den Nachbarn und den Frauen unserer „Kindergarten-Mafia“. Tempi passati? Ich vermisse das, auch wenn es mir damals oft auf die Nerven gegangen ist.

Na, wenigstens eine unverzichtbare Zutat zu einem gelungenen Sommer werde ich noch genießen können: Una fiesta sui brati, ein richtiges dickes Sommerfest. Ein guter alter Freund feiert Silberhochzeit. Ich war damals sein Trauzeuge, Best Man, wie er mich heute noch nennt. Das Hochzeitsfest feierten wir in der alten, verfallenen Landvilla mit dem großen Garten, in der er damals mit seiner Frau und ein paar wechselnden Gefährten wohnte. Es war so leicht und wundervoll, wir alle waren so jung und gutaussehend (wenn ich mir die Fotos anschaue), dass ich noch heute oft daran denke. Dass wir 25 Jahre später in seinem Schrebergarten neben der neugebauten Sozialsiedlung feiern, in der sie ihre Kinder großgezogen haben, ist mir egal. Es wird der Höhepunkt dieses Sommers.

 

 

Völlig losgelöst

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Das Schöne an diesem Sommer ist, dass jeder, der Mitte Fünfzig ist erzählen darf, wie er die Übertragung der Mondlandung erlebt hat, ohne dass jemand der Zuhörer die Augen verdreht.
Also bei mir war es morgens vor der Schule im Sonnenschein auf dem Rasen. Die Gemeinde hatte direkt vor der neuerbauten, hellen und modernen Grundschule Pavillions gesetzt, in denen die Lehrer wohnten. Und auf den Rasen vor diesem Pavillion hatte der einbeinige Schuldirektor, der sonst immer nur von Krieg und Gefangenschaft erzählte, seinen Fernseher geschleppt und uns Kinder drumerum postiert. Die Einheit von Leben und Arbeit. Damals hatte man noch Visionen – und Sendungsbewußtsein.
Bei mir scheinen nicht nur die Backpfeifen und Kopfnüsse, die der Direktor an den anderen Tagen verteilte, sondern auch der Funke der Mondlandung tiefe Spuren hinterlassen zu haben, denn auf dem Foto von Weihnachten ’69 stehe ich in einem hellblauen kunstseiden glänzenden Schlafanzug und einem weißen Raumfahrerhelm unter dem Arm. Und wenn ich mich recht erinnere, lief ich mit Schlafanzug und Helm auch noch auf dem Karnevalsumzug im folgenden Jahr herum, bis das billige, dünne Plastik zerbrach wie eine Eierschale.

Das andere Schöne an diesem Sommer ist, dass ich verstanden habe, wie ein „Narrativ“ funktioniert. Als man Ursula von der Leyen nach Brüssel schickte und die Medien nicht müde wurden zu erzählen, dass sie ja in Brüssel geboren sei, sodass es, nach heutiger Sicht ja irgendwie der Sinn ihres Lebens und all ihres Streben gewesen sein musste, nach Brüssel zurück zu kehren, wies ein kluger Journalist darauf hin, dass diese zwei Sachen, genau genommen,  nichts miteinander zu tun haben. Die pfiffigen PR-Leute der Kommissarin hatten die Verbindung hergestellt, damit aus der mit Vernunft nicht zu begründenden Entscheidung eine bewegende Geschichte wird.
Das kann ich auch.

Nehmen wir einmal an, dass der Kern meiner frühen Raumfahrtbegeisterung die Faszination über die neue Macht des Menschen war, die Schwerkraft zu überwinden. Und nehmen wir einmal an, der Wunsch, diese Kraft in neue Bahnen zu lenken, hätte mein weiteres Leben bestimmt. Dann könnte man die drei Radtouren, die ich in diesem Sommer mit meinen Freunden und meinem neuen, wundervollen, taubenblauen, chromblitzenden Fahrrad nach Brandenburg unternommen habe, als eine Reihe von planvollen Exprerimenten zur Überwindung großstädtischer Gravitation darstellen.
Und das geht so:

Jeder, der im Physikunterricht aufgepasst hat, weiß, dass die Schwerkraft oder Gravitation der Erde die Kraft ist, die alles an seinem Platz hält. Und weil die Gravitation allen Dingen innewohnt und mit der Größe der Dinge zunimmt, muss auch die große  Stadt Berlin eine große Gravitationskraft haben. Sie ist sogar so stark, dass sie Menschen aus der ganzen Welt anzieht, und sie ist so kräftig, dass die Neulinge, in Berlin angekommen, nicht mehr stehen können. Dazu braucht es kein Experiment, das kann man zur Zeit auf allen Berliner Bordsteinen beobachten. Die Anziehungskraft Berlins muss also größer sein als die der Erde, weil ja sonst die Menschen zu Hause bleiben würden. Deshalb widerum ist es für mich, einmal in Berlin sesshaft geworden, auch so schwer die Stadt wieder zu verlassen, und sei es auch nur in das nahegelegene Brandenburg. Die Schubkraft, die man dafür braucht, ist größer als die einer Apollo-Rakete.

Und jetzt behaupte ich einfach, dass ich nur deshalb nach Berlin gekommen bin, um dieses Problem rational lösen, und dass ich mich dafür einer Reihe von Experimenten unterwerfe, die auch in der Raumfahrt der 60er-Jahre zum Erfolg geführt haben.

Tierexperimente
Zuerst widerspreche ich allen Vermutungen, dass der Sturz der Nachbarskatze vom Balkon im dritten Stock in unseren Garten irgendetwas mit meiner Versuchsreihe zu tun hat. Ich habe schon als Kind das tragische Schicksal der Hündin „Laika“ in der sowjetischen Raumkapsel heftig beweint. Trotzdem hat es meine Forschung weiter gebracht. Es war wie die Sache mit Newton und dem Apfel. Als die Katze fiel und von der schreienden Besitzerin unversehrt aus den Blumenbeeten gerettet wurde, wurde mir klar, welch tückische Kraft die Gravitation ist und wie vorsichtig ich vorgehen musste.

Vordringen in die Statosphäre
Da hinter der Stadtgrenze Berlins bekanntlich das Nichts beginnt, war es wichtig, erste Erfahrungen in diesen Grenzregionen zu sammeln, um auf die zunehmede Reizlosigkeit und den Nahrungmittelmangel (Nimm Essen mit, du fährst nach Brandenburg) vorbereitet zu sein. Mit meinem Freund Michael tastete ich mich an der nördlichen Havel entlang bis nach Hennigsdorf vor. Dort wagten wir eine Strecke, die vom Radweg entlang der unnötigerweise verschwundenen Berliner Mauer in ein unbekanntes Waldgebiet führte. Zu unserem Erstaunen entdeckten wir eine Waldschänke in der es Bier und Wurst gab. Sollten unsere Annahmen über die Beschaffenheit des Raumes jenseits der Mauer falsch sein? Schnell versuchten wir den S-Bahnhof zu erreichen, unsere einzige Verbindung mit der Heimat, von dem wir den kontrollierten Rücksturz zur Erde versuchen wollten. Aber es schien in Brandenburg eine Kraft zu geben, die der natürlichen Bewegung ins Zentrum der Hauptstadt entgegenwirkt. Sie heißt „Schienenersatzverkehr“. Wahrscheinlich wurde sie von der Brandenburger Regierung erfunden, um die Menschen an der Rückkehr nach Berlin zu hindern und die ausgebluteten unendlichen Weiten wieder zu bevölkern. Unter Aufbietung unserer letzten Energie radelten wir entlang der S-Bahn-Trasse in die Stadt zurück. Das nächste Mal müssen wir vorbereitet sein.

Parabelflug
Wie hatte es Wernher von Braun gemacht? Einfach eine Rakete über die Ostsee geschossen und geschaut, wie die Schwerkraft sie wieder runter holt. In Form einer perfekten Parabel. So wollten wir es auch versuchen. Früh morgens schossen wir uns mir dem Regionalexpress nach Rheinsberg (ja, das von Tucholsky) um von dort langsam in einem schönen Bogen zurück nach Berlin zu gleiten. Das lief auch Anfangs ganz gut und wir flogen mit Leichtigkeit durch den jungen Morgen. Doch wir hatten vergessen, dass die Verbindung nach Berlin immer nur über geschütze Korridore funktioniert hat: Transitautobahnen, Luftkorridore, Fernradwege. Radfahrer, die die Fernradwege verlassen, werden von Vogonen gejagt, die einen mit mehr als 100 km/h von hinten anpeilen und knapp vorbeiziehen (wie man aus dem „Hitchhiker’s Guide to Galaxy“ weiß, schießen Vogonen gottseidank immer daneben.) Wenn wir gedacht hatten, dass es in Brandenburg nach 30 Jahren EU-Förderung keine Straße ohne Radweg mehr gibt, hatten wir uns auch da getäuscht. Das Geld ist für die glatt asphaltierten Bundesstraßen und die überdimensionierten Feuerwachen in jedem Dorf draufgegangen. Verzweifelt versuchten wir auf unserer Karte einen Ausweg zu finden. Aber die aktuellste Fahrradkarte für das Ruppiner Land ist von 2011, was uns eine Warnung hätte sein sollen. Sie zeigte uns einen Weg über die Felder, der erst zu einem Panzerplattenweg wurde und dann vor einem Golfclub endete, den die Karte noch nicht kannte. Da sag einer, die Östlichen Länder hätten den Aufschwung nicht geschafft. Da die Schwerkraft kein Zurück kennt, fuhren wir einfach querfeldein weiter auf einen naheliegenden Bahnübergang hin. Aber hier kam uns die Relativitätstheorie in die Quere. Wer sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, für den wird der Raum immer kürzer. Wer sich aber, wie wir, nahe dem absoluten Stillstand herumkrebst, für den wird selbst das naheliegendste Ziel unerreichbar. Fluchend rumpelten wir in schwüler Hitze durch die schattenlose Agrarsteppe, unsere Köpfe glühend wie zwei Supernovas kurz vor der Explosion. Die Gaststätte im nächsten Dorf hatte den Betrieb eingestellt. Nimm Wasser mit, du fährst nach Brandenburg.

Die Pforten des Himmels
Der dritte Versuch musste gelingen. Mit meinem Freund Jürgen machte ich einen Plan. Wir mussten zuerst das Schwarze Loch in der S-Bahnverbindung überwinden und dann so weit weg von Berlin kommen, dass wir beim Rücksturz über den Berlin-Kopenhagen- Radweg genug Energie hatten, den autoverseuchten Speckgürtel samt Autobahnring zu durchstoßen und direkt ins Zentrum der Hauptstadt zurückzukehren. Das Erste gelang uns mühelos, denn wir kannten ja inzwischen die Route neben den Gleisen. Dann schoß uns die Bahn bis nach Fürstenberg an der Havel. Von dort waren es nur ein paar Kilometer nach Himmelpfort. Das ist da wo der Weihnachtsmann seine Briefe schreibt. Eigentlich hatten wir unser Ziel erreicht und hätten zurückfahren können. Doch wir gerieten in den Sog eines neuen Gravitationsfeldes. Und das heißt Uckermark. Sanfte Hügel, dichte Wälder, tiefe Seen. Es zog uns weiter und weiter nach Osten. Irgendwann war klar, das wir hier würden übernachten müssen. Ja, wir wollten sogar. Und als wären wir mit dem Douglas Adam’schen Unwahrscheinlichkeitsgenerator unterwegs, tauchte vor uns das Schloss Boitzenburg auf, das auch noch zwei Zimmer für uns hatte. Und auch das Restaurant am Ende des Universums hatte noch offen für uns. Es heißt Grüner Baum und bietet das Feinste und Einfachste, was ich je nördlich von Berlin gegessen habe.
Nur die Vogonen hatten uns nicht vergessen. Sie hatten mittlerweile ihre riesigen Geländewagen und protzigen Ami-Schlitten hinter dem Schloss geparkt. Jetzt strömten sie in den Rittersaal, gerade unterhalb unserer Zimmer, um das zu feiern, was sie „Hochzeit“ nannten. Schrille Stimmen und wummernde Bässe, die den Boden unter meinen Füßen beben ließen. Als das dritte Abba-Lied nacheinander gedröhnt wurde, nahm ich eine Schlaftablette – nein zwei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In mein Jarten

Bäume haben ganz unterschiedliche Stimmen. Als ich die Linde gieße, sagt eine junge Frauenstimme „Danke“, als ich vor dem Ahorn stehe höre ich eine blecherene Handwerkerstimme mit mindestens zwei Bier sagen: „Find ick jut, find ick dit.“ Waren natürlich nicht die Bäume, die das sagten, waren die Leute die vorbei kamen als ich mit meinem Bollerwagen, zwei Gießkannen und einem Eimer Wasser von der Straßenpumpe um die Ecke holte und auf die Baumscheiben der Straßenbäume vor meiner Tür schüttete. Aber hätte auch von den Bäumen kommen könnnen, finde ich. Also wenn ich ein Straßenbaum wäre, würde es mir gefallen statt Hundekacke und leeren Bierflaschen auch mal einen kräftigen Schluck Wasser vor die Füße zu kriegen. Grade so bei der Hitze heute. Früher bin ich nach der Arbeit joggen gegangen, aber die Füße machen nicht mehr mit, deswegen habe ich jetzt  ein neues Hobby. Hab ich mir bei den Laubenpiepern in der „Dauerkolonie Togo“ abgeguckt. Die gehen abendes immer „gießen“. Erst den Rasen und dann im Vereinsheim sich einen auf die Lampe. Ich hab aber keinen Garten und will auch keinen. Nach hintenraus haben wir einen schönen großen Hof mit alten Bäumen und ein paar Beeten. Aber da gießt ja schon die Nachbarin aus dem Parterre. Also geh ich nach vorneraus. Sechs Bäume hab ich in meinem Abschnitt. Drei Mal Linde, drei Mal Ahorn. Die Ahörner sehen am mickrigsten aus. Grade das vor meinem Fenster. Das hat schon verschrumpelte Blätter abgeworfen. Das Grünflächenamt sagt: Ein Mal pro Woche acht Eimer pro Baum. Acht! Ich glaub, ich spinne. Acht mal sechs sind 48 Eimer. Eine Fuhre sind drei Eimer, also wieviel sind das? Mehr auf jeden Fall, als ich auf einen Abend schaffe. Also fünf müssen reichen, hab ja auch noch was anderes zu tun. Aber was mir an meinem neuen Hobby gut gefällt, ist dass ich mich so gut fühle dabei. Nicht nur wegen meinem Körper, denn ich am wuchtigen Pumpenschlägel stähle. Nein, ich schau mich um und seh die andern Leute, wie sie um ihre Autos rumspringen, sehe die Flugzeuge von Tegel starten und denke mir: Du bis ganz schön bekloppt. Eine von den blöden Blechkisten, einer von den blöden Ferienfliegern bringt die Bäume mehr in Stress, als du mit deinen ollen Wassereimern wieder gut machen kannst. Aber ich mache gerne sinnlose Sachen. Nein, ich komm jetzt nicht mit dem Apfelbäumchen. Ich stelle mir nur vor, ich komm nach Berlin und sehe da einen Mann Ende Fünfzig in kurzen Hosen kurz vor Sonnenuntergang mit einem mit bunten Blumen umrankten Bollerwagen (das ist noch der Schmuck vom Herrentagsausflug mit meinen Jungs) der mit Elan den Pumpenschwengel schwingt und das Wasser dann vor die Bäume kippt. „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin… “ würd ich dann denken und würd hier bleiben wollen.

Let the sunshine in

Schwein

Was gibt es Schöneres als sich an einem milden Sommerabend mit einem Freund am grünen Ufer der Spree ein mitgebrachtes Bier zu trinken? Auf dem Fluss wummern die Partyboote und die Bässe, Pärchen kuscheln sich auf der Wiese aneinander und junge Menschen in hautengen Anzügen gleiten stehend auf ihren Paddel-Brettern stadteinwärts, dem Sonnenuntergang entgegen. Wie alle Berliner, die an diesem Abend unterwegs sind haben wir also schon leicht einen sitzen, als wir im Biergarten Zenner ein Plastikbecherbier und die letzte Bockwurst erwischen und viele philosophische Gedanken später noch eins am mobilen Ausschank auf dem Platz. Doch da haben unsere Weltuntergangsgespräche (China, Afrika und die Frage, wie man jenseits der 50 im Job noch Begeisterung und Dynamik vortäuscht) jede Stringenz verloren und die dunklen Gedanken ballen sich zusammen wie die Gewitterwolken über unseren Köpfen. Von der Rückfahrt habe ich nur noch in Erinnerung wie mir der aufkommende Sturm auf dem S-Bahnhof die Fahrkarte aus der Hand gerissen hat und dass ich von einem betrunkenen Russen umarmt wurde, weil ich ihm die richtige Bahn nach Schöneweide aufgeschrieben habe. Zuhause angekommen, da gings mir wie Bolle. „Hab’s Fenster aufgerissen und tüchtig ventiliert und über den pladdernden Regen mich mächtig amüsiert.“

Aber dieses Geräusch in meinem Kopf ging nicht weg. Das Geräusch, das ich zuletzt vor 40 Jahren gehört habe, das metallische Ächzen, das klingt wie ein Schiffsrumpf, der mit voller Fahrt auf ein Riff läuft. Damals kam es vom Rahmen des Garagentors an dem ich mit frischem Führerschein den ralleyorangen Ford Escort meines Vaters entlangschrammte. Unsere Garagenauffahrt war so etwas wie die Nordkurve des Nürburgrings. Sie ging in einer scharfen Rechtsdrehung ein paar Meter aufwärts. Viele Abende hatte ich das elegante Kunstsstück meines Vaters beobachtet, wie er den kleinen Wagen mit einem kurzen Aufheulen des Motors genau ins Tor katapultierte. Jetzt war ich dran. Mein Vater nahm’s ruhig und versuchte erst gar nicht, mich dazu zu verdonnern, den meterlangen Kratzer aus dem Lack zu polieren. Das machte er lieber selber, weil sein Sohn mit der Brille und den wirren Ideen ja sowieso zwei linke Hände hatte. Aber vergessen war der Lackschaden nie. Wahrscheinlich blieb das Donnerwetter nur  deswegen aus, weil mein Vater eine neue Stelle als Fahrer bei den Kohlesäurewerken hatte: Chemietarifvertrag, 13. Monatsgehalt, Betriebsrente. Da war jetzt mehr drin. Der Katalog für den neuen Ford Taunus lag schon im Wohnzimmer. Erst viele Jahre später erteilte er mir Absolution. Als er nicht mehr fahren konnte und ich ihn mal wieder sehr dringend ins Krankenhaus bringen musste. „Du kannst ja richtig gut fahren.“, sagte er, halb erstaunt, halb um sich zu bedanken. Sein letztes, kleines Auto hat er mir vererbt.

Gestern nachmittag war das Geräusch wieder da. In meinem Ein-Drittel-Auto, das ich noch zusammen mit der Mutter zur Geburt unseres Jüngsten gekauft habe, weil das alte für drei Kinder zu klein war. Denn wenn man ein Kind erwartet, sich aber nichts mehr zu sagen hat, dann kauft man zusammen ein Auto, damit man was tut für das neue Kind und damit man über nichts anderes reden muss. Sie behauptet ja, sie habe das Auto allein gekauft und ich sage, dass ich mein ganzes Elterngeld da rein gesteckt habe, und dass deshalb ein Drittel davon mir gehört. Dafür habe ich aber keine Belege, weil sie das Auto und alles was dazugehört mit in ihr neues Haus genommen hat. So ein Auto ist das.

Und mit dem Geräusch war alles weg, was ich und meine Jungs die letzten zwei Wochen zusammen erlebt hatten. Die von mir nach uralten Erinnerungen gebauten Flitzebogen, die Ninja-Ritter-Wanderung durch den kleinen Wald hinter dem Ferienlager in der Uckermark, der für die Kinder zum magischen „Wald der Harmonie“ wurde (Wer sich bei Lego-Ninjago auskennt, weiß wovon ich rede.), die Tretbootfahrt mit den Seemannsliedern und dem Knäckebrot als Schiffszwieback, der ewige Streit darüber wer wann von wem was gekriegt hat und der Streit mit der weißhaarigen Nachbarin im Ferien-Bungalow weil die Kinder morgens zu laut waren.
Wir waren auf dem Heimweg. Die Kinder waren frisch gebadet, das Auto frisch geputzt und alle Sachen, die uns die Mutter eingepackt hatte, haben wir auch wieder in den Kofferraum geräumt (plus ganz wichtige Zweige, Äste und Feuersteine, die Schwerter, Dreizacks oder Pfeile sind und minus einiger einzelner Socken, Badehosen und sowas). Es waren noch 27 Kilometer über die Autobahn zurück zur Mutter. Auf der Rücksitzbank war beste Laune. Ich hatte eine Runde Prinzen-Rolle ausgegeben, die harte Währung unseres Urlaubs. Die Sonne schien. Stadtautobahn, linke Spur, 60 Km/h. Von hinten kommt die Meldung: „In meiner Flasche ist kein Wasser.“ „Warte,“ sag ich automatisch, „ich geb dir meine.“ Greife auf die Beifahrerseite, musste mich ein bisschen strecken, und dann war es da, das Geräusch.
Rostige Leitplanke an makellosem Lack. Ganz kurz, dann waren wir wieder auf Spur. „Das war nicht gut,“ kommt es sachlich von hinten. Wahrscheinlich der Sohn, der sich im Urlaub den Titel „kleiner Polizist“ erworben hat. Ich möchte im Fahrersitz versinken, will ganz kurz nicht da sein, und dann soll alles weiter gehen. Und nichts soll gewesen sein. So wie Herbert Gröhnemeyer in „Das Boot“, der sich einfach hinlegt, als das U-Boot getroffen wird und alle um ihn herum schreien, und als er wieder aufwacht ist alles ruhig. Die Männer haben das Boot wieder zum Schwimmen gebracht und flüstern sich routiniert Befehle zu.
Das Leben ist kein Film, aber auch kein untergehendes Boot. Ich komme wieder zu mir und merke: Keiner verletzt, Auto fährt. Alles gut! Nur viel Ärger, Pulsschlag bis zum Hals und Geld, das weg ist für nix. Und so sieht das auch die Mutter. „Soll ich jetzt mit dir schimpfen?“, fragt sie matt, als sie die Schleifspur von Front bis Heck anschaut. Ja, sag ich, bitte.

Am nächsten Morgen ist das Geräusch wieder in meinem Kopf. Trotz Bier und Absolution. Ich bin unruhig, möchte etwas tun, damit der Unfall ungeschehen wird. Aber es ist Sonntag. Keine Versicherung und keine Werkstatt zu erreichen. Bewegung! Ich brauch Bewegung. Muss was tun. Soll ich Yoga machen? Sonnengruß, Atemübungen, Mantras singen? Aber dazu müsste ich erst mal Raum schaffen, den Bodenbelag aus durcheinandergewirbelten Rittern, Rennwagen und Wikingerschiffen wegräumen. Sonnenstrahlen mühen sich durch die staubblinden Scheiben des Kinderzimmers und ich weiß was ich zu tun habe. Ich reiße die alten Doppelkastenfenster auf, hole Wasser und Fensterwischer und mache mich ans Werk. Von innen nach außen, von außen nach innen. Als ich in meinem Elan auch noch die Fensterbretter wische, sehe ich die Nachbarinnen, die wie jeden Morgen ihr altes Schwein Gassi führen. Jeder sollte ein bisschen Schwein haben, finde ich und wische auch noch die Fußböden.

 

 

Heißa!

Nee, heißa wird nich. 37 Grad sind schon genug für hier in Berlin. Das Blut pulst, die Schuhe drücken. Na, mit dem Herz is ja auch nicht mehr so bei mir. Meine Kolleginnen ham schon alle die Schuhe ausgezogen und schweben wie barfüßige Göttinnen über die blaue Auslegeware. Selbst die Kollegin, die früher mal ein Kollege war überrascht heute im luftigen Sommerkleid. Na, wer’s tragen kann. Und dann die ständige Diskussion: Fensta uff oda Fensta zu? Natürlich zu! Aber sach das mal die Kollegen. Nee saren die, der Luftzuch, das erfrischt doch und so. Für dit bisschen Luftzuch lassen sie den heißen Saharawind int Haus. Verbrennt einem fast die Haut. Aba ich kann ja nich meckern.  Ich hab ja einen neuen Ventilator, und die nich. He!  Ja, so einen neuen, mit ohne Propeller. Früher hat ich so einen Kleinen runden, noch vom VEB irgendwas, wahscheinlich Typ Taigasturm. War vom Polenmarkt, aber einwandfrei. Aber da is die Haustechnik hinterher gewesen. Aufkleba druff: Bitte entsorgen. Sach ich: Wie soll ich denn denken, wennet heiß wird? Schreiben die: „Wir werden zu gegebener Zeit eine Messung durchführen.“ Affen! Sind aber tatsechlich jekommen mit so nem schwarzen Kasten, morjens halb elfe. „26 Grad“, sacht der Kollege, „reicht nich. Müssen 27 Grad sein.“ Und ich sach: „Und nu?“. „Na,“ sacht er, weil wir uns ja morjens imma nett grüßen: „Vielleicht hab ich nich richtig geguckt, waren doch 28 Grad, oder?“ Malt ne schöne Acht auf seinen Zettel und keine Woche später kommt er mit so een weißet Ding. Sieht aus wie een großet Nadelöhr, Betriebsanleitung wie ein Telefonbuch. Aber klappt! Pustet mal nach links, mal nach rechts. Reicht doch.
Un Arbeit? Bei die Hitze? Aber muss ja. Hab was geschrieben, so ohne viel Nachdenken und an die Kollegin geschickt. Schreibt sie, is jut jeworden und bedankt sich. Na, so jenau wird se wohl auch nicht geguckt ham, heute bei die Hitze. Hat ja noch nich mal een Ventilator im Büro.

Heuteahmd geh ich ins Kino. Kino International, Zombies gucken. Aber nur weil ich gelesen hab, dass das International schon seit 1963 eine Klimaanlage hat. Hoffentlich funsioniert die noch.

Schönen Tach wünsch ich Ihnen auch.