Der Wedding wird gelb

 

 

Die Baugerüste fallen. Und wie frisch aus dem Ei gepellt leuchten die schicken 50er-Jahre-Häuser in neuem Glanz. Die ersten kräftigen Sonnenstrahlen lassen das satte Gelb strahlen wie einen freundlichen Frühlingsgruß aus der bisher sehr vernachlässigten Kongostraße. Noch vor einem halben Jahr war die Häuserzeile ein deprimierender Anblick. Grauer Dreck auf der ausgewaschenen grauen Fassade. Ein Wohnungsbrand vor zwei Jahren hatte schwarze Schlieren in den oberen Geschossen hinterlassen – zum davon laufen. Und jetzt? Neue Fenster, lustige Tiere auf den Wänden – eine freundliche Anspielung auf das Afrikanische Viertel, in dem die neuen Schmuckstücke stehen – und eine neue Kita im Erdgeschoss des Giraffenhauses. Erhebend und erfreulich. So muss es sich angefühlt haben, als die Häuser vor 60 Jahren auf dem Gelände, auf dem vorher die Buden von Schrott- und Kohlehändlern standen, hochgezogen wurden. Neue, helle Wohnungen für Familien, die bisher in Trümmern hausten. Ein Sportplatz gleich daneben, für die gebeutelte Nachkriegs-Jugend, auf dass sie eine bessere Zukunft habe. Auch jetzt wieder versprechen die Häuser Aufbruch. Da hat einer mal was getan für die Bewohner aus aller Herren Länder, die hier aus und einziehen. Auf dass sie sich wohl fühlen bei uns. Und auf dem Sportplatz nebenann finden jetzt Multi-Kulti Fußballturniere statt.

Wenn da nicht der Aushang im Treppenhaus wäre. Er stammt vom Hausbesitzer Vonovia. Vonovia? War da nicht mal was? Wikipedia sagt’s mir: Hieß mal Deutsche Annington und war eine der gierigsten Heuschrecken, die über den deutschen Wohnungsmarkt hergefallen ist. Börsennotiertes DAX-Unternehmen. Größter Anteilseigner: Blackrock… „Es zählt zu den Konzepten von Vonovia, Mietern oder anderen Interessenten den Erwerb von Wohnungseigentum anzubieten.“, sagt mir Wikipeda.  Na wunderbar, die jetzigen Bewohner werden sich die Wohnungen bestimmt nicht leisten können, zumal nicht nach der Renovierung. Nix mit Aufbruch. Im Gegenteil: Schluss mit Multi-Kulti. Und für die Bewohner: Perspektive Stadtrand.

Ich werde wohl bald neue Nachbarn bekommen.