Die leckerste Kirche von Vilnius

Irgendwo zwischen dem Künstlerviertel Uzupis und der auf Hochglanz polierten Altstadt von Vilnius, der Hauptstadt Litauens, fiel sie mir ins Auge. Vielleicht, weil man ihr ansah, dass sie schwere Zeiten hinter sich hatte, vielleicht weil ich Hunger hatte und mich die Speisekarte am Zaun anlockte. Von katholischen Kirchen bin ich dünne Oblaten gewohnt, die in Wein getunkt werden. Die hier lockte mit „pirmas blynas“ , also leckeren Pfannkuchen. Auch drinnen überzeugte mich das Angebot: Statt barockem Kitsch und vergoldeten Gipsfiguren herrschten hier nüchterner Beton und rostige Stahltüren vor, als hätten Berliner Architekten ein neues Café entworfen. Dabei war es, wie ich später las, ein Erbe der gottlosen Sowjetzeiten, als man sie die Kirche zum Getreidespeicher umfunktioniert hatte. Was sollte man auch machen, mit all den Kirchen, die im „Rom des Ostens“ plötzlich niemand mehr brauchte? Aus der Kathedrale wurde eine Gemäldegalerie. Auch schön.

Bedient und bekocht wurden mein Freund und ich von Kellnern und Köchen mit Behinderungen. Und es schmeckte großartig. Das Beste was wir bisher auf unserer Reise durch das Baltikum gefunden haben. Natürlich gabs noch was Süßes zum Dessert.

Aber nicht nur der Leib, auch der Geist braucht Nahrung. Und dafür mussten wir nur drei Treppen nach oben steigen. Dort, auf der dritten Etage des ehemaligen Speichers hat sich wieder eine christliche Gemeinde eingerichtet. Äüßerlich aufs Wesentliche beschränkt und ungefähr 10 Höhenmeter näher am lieben Gott.

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