
Arztbesuche eröffnen manchmal ungewohnte Aussichten: Das ist die Dankeskirche auf dem Weddingplatz in Berlin. Auf dem Boden stehend eine ziemlich hässliche Betonkirche. Aus der Praxis meines neuen Arztes im 4. Stock hat man den Überblick, ist man dem Himmel näher und erkennt das Große und Ganze in seiner aufstrebenden Schönheit. Und es keimt Hoffnung in mir auf, dass es doch noch was werden könnte mit dem Seelenfrieden. Was ich denn tun müsse, frage ich den Doktor, um trotz meiner müden Knochen irgendwann doch noch auf den Pilgerweg in Spanien gehen zu können? Sport soll ich machen, sagt der Doktor, Muskelaufbau. Ich? Sport? Soll ich im Alter anfangen, Dummheiten zu machen, die ich mein ganzes Leben vermieden habe? Oh Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen…
Das Beste an der Komposition ist das riesige XL an dem Monsterbauwerk. Da hatte jemand einen schönen Humor und gerade eine Sprühdose zur Hand.
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Humor beweisen vor allem die Christen der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde, deren Kirche das mittlerweile ist und die das Graffiti tolerieren. Vielleicht auch, weil das X ein altes Zeichen für Christus ist. 🤓
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Es ist nie zu spät für Dummheiten 😃
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…und eine Dummheit macht selbst der Klügste.
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Das gilt nur für manche Dummheiten, aber in Gemeinschaft geht es besser. Falls der Wille zum Sport einen Anschub benötigt, dann empfehle ich Parkrun. Ist überall sehr nett. Und jede Geschwindigkeit ist okay. Für Berliner Verhältnisse (sagt ein Nicht-Berliner) um die Ecke: https://www.parkrun.com.de/hasenheide/
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Die gesunde Variante von Sport heißt Bewegung.
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😉😎
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Dein Text hat diesen selten schönen Ton, in dem Beobachtung, Selbstironie und ein stilles Nachdenken ineinandergreifen. Nun, die „Dankeskirche“ gewinnt bei dir ja offenbar mit zunehmender Höhe nicht nur an architektonischer Würde, sondern auch an metaphysischer Qualität. Das ist eine sehr schöne Erinnerung daran, wie sehr Perspektive unsere Wirklichkeit mitgestaltet – manchmal genügt tatsächlich ein anderer Blickwinkel, um aus Beton eine Art Hoffnungsträger zu machen.
Und dein Arzt scheint ein feiner Taktgeber dieser kleinen Verschiebungen zu sein: erst der Blick nach oben, dann der dezente Hinweis auf die Schwerkraft der Realität in Form von Muskelaufbau. Vielleicht ist das gar kein Widerspruch, sondern genau die Balance, die du beschreibst – zwischen Aufbruch und Erdung.
Deine letzte Frage ist dabei besonders schön, weil sie so ehrlich ist: ob man im späteren Leben wirklich noch „Dummheiten“ anfangen soll, nur weil sie vernünftig wären. Vielleicht ist die klügste Antwort darauf, dass Bewegung ja nicht unbedingt Dummheit ist – sondern eher eine sehr behutsame Form von Verabredung mit der Zukunft.
Ich wünsche dir jedenfalls, dass dich weder die Höhen noch die Übungen allzu sehr erschrecken – und dass der Seelenfrieden weiterhin gute Aussicht hat, egal aus welchem Stockwerk man ihn betrachtet.
Herzliche Grüße
von Rosie
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Das erinnert mich an die Einladung meines türkischen Kollegen Can, der Mitglied dieser orthodoxen Gemeinde ist, einmal an einem Gottesdienst teilzunehmen. Nur dauern die Messen gern 4 Stunden und werden auf Aramäisch gehalten. Das hat mich bislang davo abgehalten.
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