Vor der Sonnenfinsternis

Kurz nach Sechs schlüpfe ich durch die Tür der Metzgerei. Eigentlich hat sie bis halb Sieben offen. Der stiernackige Metzgersgeselle räumt schon die Fleischstücke aus der Theke. „Eigentlich haben wir schon zu!“, kommt es von der Verkäuferin. „Aber ich lass ihnen das heute noch mal durchgehen.“ Kein Augenzwinkern, kein Lächeln. Sie meint das ernst. „Aber sie ham doch bis halb Sieben.“ „Nee, seit dieser Woche nicht mehr. Aber das wissen noch nicht alle. Deswegen: Lass ich ihnen noch mal durchgehn. Was solls denn sein?“ Ich schnarre meine Bestellung runter und warte darauf, dass ich beim Schwarzwälder Schinken noch mal angeblafft werde, weil der ja fein geschnitten werden muss. Kommt aber nix mehr. Deshalb traue ich mir noch ein Stück fetten Speck extra zu ordern. „Ist der auch geräuchert?“, frage ich dreist. „Ja, ein bisschen.“, kommt es fachmännisch. Sie legt das dünne Messer an die solide Fettecke. „So?“. Ich nicke. Dann wir alles fest in graues Papier eingewickelt. Wie früher im Metzgerladen bei uns zu Hause. Deswegen komm ich ja hierher. „Gleich wirds dunkel!“, warne ich im Hinausgehen. Geselle und Verkäuferin schauen sich verständnislos an. „19:15 ist Sonnenfinsternis.“. Beide zucken mit den Achseln, als hätten sie das heute zum ersten Mal gehört. Draußen setze ich mich im nächsten Hinterhof auf eine Treppe, falte das Paket auf uns säbele mir ein Stück Speck ab. Er schmeckt immer noch so wie früher.