Weddinger Jöhrn

Hier eine kleine Geschichte, die noch vom Sommer liegen geblieben ist. Ich hoffe sie wärmt euch ein bisschen, jetzt, wo es draußen so unwirtlich wird.

Abends um fünf. Feierabend. Sonnenschein. Ich biege um die Ecke auf dem Weg zum Eiscafé, da sehe ich sie. Drei Kinder, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt. Das ist ein ungewöhnlicher Anblick für meinen Kiez. Kinder alleine auf der Straße, ohne Eltern, ohne Fahrradhelm und Kinderrad. Und die andern, bei denen sich die Eltern nicht kümmern, haben den Hof. Die Häuser hier haben große Innenhöfe. Da können sie spielen.

Aber die hier sitzen vor dem Hauseingang auf der Stufe. Jeder knabbert an einem Schokoladeneis. Um sie herum Papier von Eistüten und leere Plastikhüllen von leergeschlecktem Wassereis. Einer hat einen kleinen weißen Hund mit Leine auf seinem Schoß. Nicht viel mehr als eine Handvoll. Im Vorbeigehen sehe ich, dass es zwei Jungs und ein Mädchen sind. Alle drei spindeldünn

Der Junge ruft mir hinterer: „Wollen Sie mal den Hund streicheln, für 50 Cent?“ Ich halte an und gehe zurück. Er hält mir den Hund hin. „Nee“, sag ich. „Wenn ihr wollt, dass ich den Hund streichele, mach ich das gerne. Aber nicht für Geld.“ 

Ich hocke mich vor sie hin und bekomme den Hund zum Kraulen. „Wie heißt er denn?“ „Sie heißt Jackie, es ist ein Mädchen“, sagt das Mädchen. „Ihr habt doch alle schon ein Eis“, sage ich altväterlich. „Wozu wollt ihr denn noch Geld?“ „Um noch mehr Süßigkeiten zu kaufen“, antwortet der Junge mit dem Hund kess. „Ist das dein Hund?“ „Ja“, sagt er stolz. „Er ist acht Jahre alt.“ „Also ist er älter als du“, schätze ich. Das bringt die Gruppe ins Überlegen. „Wie alt bist du denn?“, frage ich. „Na ja, schon acht“, kommt es von da unsicher. Der andere Junge zeigt es mir seinen Fingern. „Sechs?“, versuche ich zu übersetzen. Er zuckt schüchtern mit seinen Schultern. Das Mädchen sagt gar nichts. 

Ich gebe ihnen den Hund zurück, bedanke mich und wünsche einen schönen Tag. Als ich mit meinem Eis vom Eiscafé zurück komme, sind sie nicht mehr da.

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