In mein Jarten

Bäume haben ganz unterschiedliche Stimmen. Als ich die Linde gieße, sagt eine junge Frauenstimme „Danke“, als ich vor dem Ahorn stehe höre ich eine blecherene Handwerkerstimme mit mindestens zwei Bier sagen: „Find ick jut, find ick dit.“ Waren natürlich nicht die Bäume, die das sagten, waren die Leute die vorbei kamen als ich mit meinem Bollerwagen, zwei Gießkannen und einem Eimer Wasser von der Straßenpumpe um die Ecke holte und auf die Baumscheiben der Straßenbäume vor meiner Tür schüttete. Aber hätte auch von den Bäumen kommen könnnen, finde ich. Also wenn ich ein Straßenbaum wäre, würde es mir gefallen statt Hundekacke und leeren Bierflaschen auch mal einen kräftigen Schluck Wasser vor die Füße zu kriegen. Grade so bei der Hitze heute. Früher bin ich nach der Arbeit joggen gegangen, aber die Füße machen nicht mehr mit, deswegen habe ich jetzt  ein neues Hobby. Hab ich mir bei den Laubenpiepern in der „Dauerkolonie Togo“ abgeguckt. Die gehen abendes immer „gießen“. Erst den Rasen und dann im Vereinsheim sich einen auf die Lampe. Ich hab aber keinen Garten und will auch keinen. Nach hintenraus haben wir einen schönen großen Hof mit alten Bäumen und ein paar Beeten. Aber da gießt ja schon die Nachbarin aus dem Parterre. Also geh ich nach vorneraus. Sechs Bäume hab ich in meinem Abschnitt. Drei Mal Linde, drei Mal Ahorn. Die Ahörner sehen am mickrigsten aus. Grade das vor meinem Fenster. Das hat schon verschrumpelte Blätter abgeworfen. Das Grünflächenamt sagt: Ein Mal pro Woche acht Eimer pro Baum. Acht! Ich glaub, ich spinne. Acht mal sechs sind 48 Eimer. Eine Fuhre sind drei Eimer, also wieviel sind das? Mehr auf jeden Fall, als ich auf einen Abend schaffe. Also fünf müssen reichen, hab ja auch noch was anderes zu tun. Aber was mir an meinem neuen Hobby gut gefällt, ist dass ich mich so gut fühle dabei. Nicht nur wegen meinem Körper, denn ich am wuchtigen Pumpenschlägel stähle. Nein, ich schau mich um und seh die andern Leute, wie sie um ihre Autos rumspringen, sehe die Flugzeuge von Tegel starten und denke mir: Du bis ganz schön bekloppt. Eine von den blöden Blechkisten, einer von den blöden Ferienfliegern bringt die Bäume mehr in Stress, als du mit deinen ollen Wassereimern wieder gut machen kannst. Aber ich mache gerne sinnlose Sachen. Nein, ich komm jetzt nicht mit dem Apfelbäumchen. Ich stelle mir nur vor, ich komm nach Berlin und sehe da einen Mann Ende Fünfzig in kurzen Hosen kurz vor Sonnenuntergang mit einem mit bunten Blumen umrankten Bollerwagen (das ist noch der Schmuck vom Herrentagsausflug mit meinen Jungs) der mit Elan den Pumpenschwengel schwingt und das Wasser dann vor die Bäume kippt. „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin… “ würd ich dann denken und würd hier bleiben wollen.

8 Gedanken zu “In mein Jarten

  1. Danke für dein Engagement, Rolf 🙂

    Ja, Pflanzen brauchen tatsächlich viel Wasser. 😉 Mein Vater hat früher im Garten immer den Schlauch an die Stämme gelegt und hat das Wasser laufen lassen. Es wäre also sinnvoll, draußen an die Häuser einen Wasserhahn zu bauen, der dann für die Bäume verwendet werden kann. Wir haben hier im Hof so ein Wasserhahn und gestern so gegen 22 Uhr hörte ich das beruhigende Geräusch von plätscherndem Wasser unten auf dem Hof. Ich bin froh, dass unten gegossen wird. 🙂 Vielleicht sollte ich als Dank mal ein paar winterharte Pflanzen unten einsetzen. 🙂
    Was mir sorgen macht, sind die Wasserreserven, die immer weniger werden.
    Der Mensch hat es also tatsächlich geschafft, mit dem Beginn der industriellen Revolution 1780 in England in 239 Jahren die Erde zugrunde zu richten!!!!!

    Trotz alldem einen schönen Tag, Susanne

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  2. Das mit den Wasserhähnen vor den Häusern ist ne gute Idee. Bei uns gibt es die Pumpen, gleich zwei in der Nachbarschaft. Das ist ja auch so was Ähnliches. Und ja, es ist beruhigend zu hören, wenn Wasser fließt und andere Menschen sich auch was überlegen. Vielleicht mache ich eine Nachbarschaftsgruppe auf „Wedding braucht Wasser“. 😉

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  3. Sisyphos mit Wassereimer. Na, ein Mann muss eben tun, was ein Mann tun — was dem Baum vorm Fenster hilft, nicht wahr? Tausche Wasser gegen Sauerstoff: vielleicht ein mühsamer Tausch, so bei rund um 40 Grad, aber ein fairer. Grüße aus der knochentrockenen Heide!

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    • Mann und Baum ist damit geholfen 😉 In Nürnberg verteilen sie jetzt schon Schlüssel für die Hydranten an die Bürger. Heute soll’s endlich regnen. Grüße in die Heide (gab’s da nicht auch mal Bäume?)

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      • (Bäume – das sind doch diese grün beblätterten Dinger, aus denen man Holz… Ja, hier gibt’s welche. Sogar kleine Waldstücke gibt es. Der Unterschied zu Zuhause besteht darin, dass ich mich hier an einzelne Bäume erinnere – abseits der Waldstücke sind sie hier nämlich tatsächlich deutlich rarer gesät. Dafür gibt es aber direkt um die Ecke die Göhrde, das „größte geschlossene Waldgebiet Norddeutschlands“. Da jagten die Kaiser einst ihr Muffelwild. Heute jagen da die Wölfe. (Mörder gab’s da auch.) Ich hoffe, wir müssen die Göhrde nicht auch irgendwann gießen.)

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  4. Wunderbar, Rolf.
    So bekommst du in kürzester Zeit, sechs neue Freunde, die sich bei dir mit kühlem Schatten bedanken, dazu mit einer extra-Portion Sauerstoff und die dir eine schöne, grünblättrge Aussicht aus deinem Fenster bescheren.
    Außerdem unterstützen sie dich dabei, so richtig fit, kräftig und agil zu werden, sowie ein Blickfang für vorbeigehende Passanten zu sein.
    Wie sagt man auf neudeutsch: das ist ganz klar eine Win-Win Situation.
    🙂
    Sommersonnengrüße aus dem Bergischen Land…
    von Rosie

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  5. Sechs Bäume hab ich in meinem Abschnitt. – Sechs Bäume hab ich in meinem AUSSCHNITT hab ich gelesen,
    Ich persönlich habe keine Probleme mit einem Mann Ende Fünfzig in kurzen Hosen kurz vor Sonnenuntergang mit einem mit bunten Blumen umrankten Bollerwagen (das ist noch der Schmuck vom Herrentagsausflug mit meinen Jungs) der mit Elan den Pumpenschwengel schwingt und das Wasser dann vor die Bäume kippt.
    Putzig, der Kerl. Sei toleranter, Rolf ;D

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