…öffnet eure Stübchen

 

Ich musste schnell mal vor die Tür gehen, um Luft zu holen. Nachdem meine große Tochter mit einem vorwurfsvollen „kein Bock auf Weihnachten“ ihre Tür hinter sich zugeknallt hat, nur weil sie wieder bei ihrer Mutter und ihren vier Halbgeschwistern unterm Christbaum sitzen muss, nachdem die Mutter meiner Söhne die Jungs samt Blautanne eingeladen hat und nachdem sie mich ermahnt hat, morgen pünktlich zu Mittag bei ihr zu sein, weil der einzige Weihnachtsmann, den sie in ihrem gottlosen Brandenburger Kaff, in dem sie jetzt wohnt, auftreiben konnte schon um zwei an der Türe klingelt. Also einfach die Kappe aufsetzen und lieber im Nieselregen durch leere Straßen laufen als sich von diesem fest von Frauenhand organisierten Fest erschlagen zu lassen.

Was ich fand, waren viele Türen, die Männern wie mir offen stehen. Sie strahlen heller als jeder Weihnachtsbaum und dahinter war es stiller als in jeder Kirche. Wer da hinein geht, spricht nicht viel und die moderen Spielautomaten sind leise. Aber warm bin ich mit dieser Welt dann doch nicht geworden. Lieber den Weihnachtswahnsinn in meiner Patchworkfamilie, als im Wedding zwischen Spielsalon und Sportsbar die stille Nacht zu verbringen.

Als ich nachhause komme, habe ich noch beim Späti eine Dose Kokosmilch gekauft. Meine Tochter hat schon das Gemüse geschnippelt. Wir kochen uns was, damit sie endlich mal was anderes isst, als die asiatische Tütensuppen, die sie sich sonst so reinzieht. Und wenn der Weihnachts-Wahnsinn vorbei ist, laufen wir zusammen eine Runde um den Schlachtensee. Wird bestimmt schön.

Euch allen wünsche ich ein mindestens genau so fröhliches Fest.

 

6 Gedanken zu “…öffnet eure Stübchen

  1. So eine Runde im Automatenkasino hätte Dir bestimmt gut getan. Da ist immer eine kafkaeske Stimmung. Das Bargeld hängt in Plastiktüten hinter der Türe im Kellerabgang. Nur für Eingeweihte, ach was morgen ist ja schon Weihnachten und ichwerde meinen üblichen Stadtspaziergang unternehmen. Grüße an Deine Frauen, tom.

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  2. Lieber Rolf,
    auch von mir einen so besinnlichen und gemütlichen 14 Uhr Heiligabend wie es eben möglich ist.
    Ich habe den Eindruck, Weihnachten entspricht bei den meisten Menschen einer hohen Schlagzahl an Kompromissen. Aber gehört das nicht irgendwie dazu? Wie würden wir Weihnachten organisieren, ohne diese Zwänge? Und ist es nicht genau das, worüber wir nachträglich lächeln, seufzen und denken „Weihnachten!“
    Liebe Grüße von Susanne

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  3. Ja, offene Türen gibt es selbst am 24. Dezember, doch trotz diverser farbenfroher Beleuchtung wirken sie nicht wirklich einladend, insofern verstehe ich, dass du lieber wieder nach Hause gegangen bist – ob pubertierende Tochter oder nicht. Weihnachten ist eben oft kein Zuckerschlecken, trotz der vielen Süßigkeiten. Ich hoffe trotzdem, du hast es gut überstanden.

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  4. Hallo Rolf,
    schöner Bericht über Weihnachten und Männer…ich habe es überlebt trotz Verwandtenbesuch und Festessen …solange der Sohn noch nicht flügge ist wird das wohl so bleiben…musste daher unter dem Fitnessvorwand etwas häufiger durch den Stadtpark schlendern…dafür werde ich jetzt gleich mal eine Runde durch meinen Hamburger Kiez machen…bevor dann akustisch der dritte Weltkrieg ausbricht …Wünsche dir also schon mal einen guten Rutsch und ein entspanntes angenehmes Jahr 2019 ! Lieber Gruss, Jürgen

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