Mach mal Pause

Bastler

Jetzt habe ich mir das halbe Wochenende (Berliner Frauentag inklusive- schönen Dank) Gedanken gemacht, wie ich den unglaublichen Umstand, dass ich mein Fahrrad selbst repariert habe, wie oft ich dafür in den Keller gehen musste und wie stolz ich jetzt auf mich bin, inklusive zwei Zitaten aus meinem Lieblingsbuch „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ und der Frage, was das alles mit meinem Vater zu tun hat zu einem kunstvollen Text zusammenschraube. Das hat mich eine schlaflose Nacht und einen aufgeregten Tag gekostet. Da als Alternative auch noch eine einfühlsame Beschreibung von Manne, meinem Motorrad-Schrauber, der mir, statt meine Moto Guzzi aufmerksam zu pflegen lieber noch mal sein gesamtes Leben, inklusive seiner Karriere als Rennfahrer und seine zwei gescheiterten Ehen mitsamt der leider sämtlich undankbaren und mißratenen Kinder erzählte, in meinem Kopf rumschwebte, (die Geschichte wäre gut ausgegangen, weil Manne vor ein paar Jahren seine Jugendliebe über den Weg gelaufen ist, die jetzt den roten Overall von Locke angezogen hat, Mannes Werkstatt-Kumpel, der vor kurzem an Lungenkrebs gestorben ist, was Manne bis heute nicht verkraftet hat, ohne das natürlich zugeben zu können), ist es jetzt mal Zeit die Reißleine zu ziehen und für eine Weile ohne Blog zu leben.

„Lebe deinen Traum“ fordert mich mein Teebeutel auf.  Und auch wenn es Hanf-Tee ist, den ich mir da gebraut habe, (Bad Heilbrunner, gibt’s jetzt bei EDEKA) bin ich noch nicht so weit, dass ich mir von einem feuchten Häufchen Gras sagen lasse, was ich zu tun habe.

Danke für die geschätze und mitfühlende Aufmerksamkeit.

Bis bald

eimaeckel

Denn man sieht nur die im Lichte …

An Schlaf war nicht zu denken. Wir mussten raus auf die Straße, denn wir hatten nur noch diese Nacht. Wie Diebe strichen wir durch die dunklen Winkel unseres Viertels. Lichtscheu duckten wir uns mit unserer Last in die Schatten, die vom schwefelgelben Licht der Gaslaternen nicht vertrieben wurden. Was wir nicht wußten: Wir waren nicht allein.

Als wir unser schmutziges Werk vollendet hatten, graute der Morgen. Was wir getan hatten, würde nicht lange unentdeckt bleiben, deshalb beschlossen wir, uns zu trennen. Ein halbes Jahr hatten wir zusammen gehaust, diskutiert, gekocht, gestritten. Meine Wohnung glich mehr und mehr einer Räuberhöhle. Meine Komplizin war auf ihren Beutezügen erfolgreich. Es gab im Umkreis von zehn Kilometern sicher keine Drogerie, kein Kosmetikgeschäft und keinen Modeladen, den sie nicht geplündert hätte. Das Wertvollste hatte sie in zwei Koffer gestopft, die jetzt bis zum Platzen gefüllt zwischen uns auf dem morgenkalten Bahnsteig standen. Den Rest würde sie holen, versprach sie, wenn wir uns wiedersehen würden – in einem halben Jahr vielleicht, vielleicht schon vorher, versprach sie. Ich wußte, dass sie mich anlog, dass sie sich schon in wenigen Tagen an nichts mehr erinnern würde und sagte ihr trotzdem, dass ich sie liebe. Ich hoffte, dass sie es unentdeckt über die Grenze schaffen würde. Dort würde sie einen neuen Unterschlupf, ein neues Opfer finden und sich dann bald wieder bei Nacht und Nebel aus dem Staub machen. Ich gab ihr bis zum Herbst. Dann würde ich wieder ihre Mutter anrufen müssen, um zu erfahren, wohin sie verschwunden war.
Ein flüchtiger Kuss, ein strahlendes Lächeln, dann schloss sich die Waggontür vor ihr und der Zug nahm sie mit nach Westen – einem neuen Leben entgegen. Mir würden ihre Briefe bleiben, ihre Bücher, die leeren Kleiderbügel.

Es nieselte leicht aus dem grauen Morgenhimmel, als ich den Bahnhof verließ. Ich zog den Schal fester um den Hals und duckte mich in meinen Mantelkragen. Es war ein trostloser Morgen für mich und die Berliner Straßen machten mich nicht fröhlicher. Zertretene Fahrräder an Laternenmasten, weiße, im Regen aufgequollene Matratzen, an Straßenbäume gelehnt, halbe Schlafzimmereinrichtungen, in Teile zerlegt, waren schon immer ein Sinnbild für die Gleichgültigkeit der Bewohner meines heruntergekommenen Viertels. Allein seit gestern Nacht waren wieder drei neue Matratzen dazu gekommen – und diese hässliche Holzpalette, drei Blocks neben meiner Wohnung, die meine Tochter und ich im letzten Herbst mit diebischer Freude von einer Baustelle gefischt hatten und die für die Zeit, in der sie bei mir wohnte ihr Bett war.

Jetzt ist Frühling und etwas Neues fängt an.