Gutes tun

Heute war ich bei Karstadt einkaufen. Karstadt im Wedding, am Leopoldplatz. Mach ich zwei Mal im Jahr. Eine Strickjacke, ein T-Shirt und ein Hemd mit Karos. Bei Karstadt einkaufen is wichtig, denn der Karstadt am Leopoldplatz soll ja bleibm. Wolltn ihn schon zumachen. Jetzt soll er noch drei Jahre weiter leben. „Nicht auszudenken, was mit dem Wedding passieren würde, wenn der Karstadt zumacht.“, hat der Bürgermeister gesagt. Wahrscheinlich dasselbe, was mit C&A passiert ist, als der zugemacht hat. Da ist dann „Bollu“ unten reingekommen, der türkische Obst- und Gemüsefritze, dens überall gibt. Und an der Ecke wo Bollu vorher war, da ist jetzt nüscht mehr. Leerstand. Das Haus gegenüber vom alten Bollu, da wo zuletzt nur noch „Humana“ mit seinen muffigen Second-Hand-Klamotten drinne war, hamse abgerissen. Da baut jetzt die AOK was neues Großes. Ja, die AOK, die hat richtig Konjunktur hier. Krank werden die Leute ja immer.

Ich versuch ja immer, mein Geld hier im Kietz auszugeben, damit nich so ville Geschäfte zumachen. Schaff ich aber nur, wenn ich früh genug von Arbeit komme. Jetze war ich ne Woche krank. Da hab ich sogar Zeit gehabt, bei „Belle et Triste“ vorbeizuschaun, dem einzigen Buchladen hier, der sich tapfer hält. Hat sich die Frau gefreut, als ich  den „Gesang der Fledermäuse“ abgeholt hab und drei Bukowskis (einer mit Geschichten über Katzen, für meine Schwester.  Zweie über seine Frauengeschichten, für mich) und noch das neue „Sei kein Mann“ für die feministischen Diskussionen mit meiner Tochter. Da hat sie Buchhändlerin mit dem Dutt und den grauen Haaren mir sogar noch ne dicke Lage Küchenkrepp zu gegeben, damit die Bücher in meiner Tasche, in die der Regen reingelaufen war, nich nass werden. Ja, das war nett. Aber als ich sonst so die Runde gemacht hab, wurd ich richtig traurig. Da wo ich früher was zu Trinken gekauft habe, in dem Getränkeladen vis a vis („80 internationale Biersorten“), ham se das Haus renoviert, tipp-topp mit Dachgeschosswohnung und allet. Da konnte so’n schäbiger Bier- und Selterslanden natürlich nich drinne bleiben. Da ist jetze ein Kindergarten drin, und da wo bis vor kurzem noch die Otavi-Apotheke war, heißts jetze auch „Kunterbuntes Kinderland“. Na ja, Apotheken ham wa wirklich genug hier. Wie jesacht: Krank werden die Leute immer. Aber wo krieg ich jetze was zu Trinken her?. Den Getränke-Lehmann („Ick koof bei Lehmann“) an der Luxemburger hamse vor paar Monaten abjerissen. Na ja, war kein Schaden, war mehr so ne Baracke auf ner Bombenlücke, wahrscheinlich von gleich nachm Krieg. Jetze wird da gebaut, bestimmt wat Schickes. Genau so wie auf dem runtergekommenen Innenhof vom Nachbarhaus. Statt dass se da n bisschen Grün rein machen und hübsch für die Kinder, kommt da jetzt ne Tiefgarage rein und ein Apartmenthaus ohmdrüber. Na, wer sich das da wohl leisten kann? Wie war das mitm Trinken?
Der „real“ im Schiller-Zentrum ist ja nu auch zugemacht. War ich ja nie gerne, aber so ab und zu „einmal rin, allet drin“. Wo gibt’s das noch? Na ja, vielleicht am S-Bahnhof. Da hamse auch ein paar alte Baracken plattgemacht. Einer wollte dadrin vorher noch einen Döner aufmachen. Der ist dann kurz nach der Eröffnung abgebrannt -da war das Baufeld dann frei. Jetzt steht da so ein Null-acht-fuffzehn-Turm, wie sie nu überall stehen. Unten kommt ein Edeka rein. Will hoffen, dass der Edeka Fromm bei mir um die Ecke das überlebt. Sonst muss ich für jedes Bier Einvierzich zahln, bei „Jahshims Tante Emma Laden“, meinem Lieblingsspäti. Der hat wirklich allet. Neulich, als ich mit meiner Tochter uffn Sonntach kochen wollte, und wir schon mitten drin waren, hatte ich die Kokosmilch vergessen. „Moment, sag ich, „bin gleich zurück.“ Und in Latschen rüber zu Jaschim mit seinem hennarot gefärbten Bart. Und als ich mit der Dose wieder in der Küche erscheine, sagt die Tochter: „Respekt, dit is Berlin.“ Ja, da sind wir uns mal einig, dass das trotz allem Klasse is hier. Aber jetzt hat sie ihren ersten Job – ausgerechnet in München.

p.s: Wenn sich einer über die Tippfehler wundert: Mit WordPress geht es auch den Bach runter. Seit es den neuen Block-Editor gibt, funktioniert bei mir das nachträgliche Bearbeiten nicht mehr. Kommt nur noch eine weiße Seite. Kennt das jemand? Vielleicht liegt das daran, dass ich mir, seit ich im Wedding wohne, keinen neuen Computer geleistet habe. Und das sind ja jetzt auch schon zehn Jahre. Ach ja…

 

19 Gedanken zu “Gutes tun

  1. Guten Morgen, Rolf,

    es scheint ja so, dass München unsere Kinder aufsaugt, so ein bißchen wie der Rattenfänger von Hameln. Alle gehen nach München. Was für ein Job ist es denn?

    Der Gutenbergeditor macht allen zu schaffen. Grauselig. Ich habe ein Plugin zum Classic Editor installiert, das geht tatsächlich nur, wenn du die Business Version von WordPress besitzt und die ist sehr teuer. Puzzleblume hat herausgefunden, wie du mit allen Versionen wieder zum Classic Editor kommst. Ich sende dir den Link im nächsten Kommentar, dann ich weiss nicht, ob du Links in deinen Kommentaren zulässt und ich möchte nicht im Spam landen.

    Es ist traurig, wieviele Geschäfte zumachen. Hier bei mir um den Osramkiez / Müller von der Seestraße bis zum Leo geht es noch so gerade.

    Einen schönen Tagesbeginn, Susanne

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      • Ja, Rolf, ein Besuch in München ist tatsächlich immer gut, ich schaue mir neben Berlin jetzt auch immer das Münchener Ausstellungs- und Museumsprogramm an, um zu erfahren, was läuft. Ich habe auch Mitte Dezember eine Ausstellung und einen kleinen Workshop in München. Wenn das überhaupt stattfinden kann. Naja, ich nehme an, dass erfahre ich erst kurz vor Veranstaltungsbeginn. Die Hygieneregeln wechseln ja wie ich meine Socken.
        Einen schönen Sonntag von Susanne

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  2. Und du kannst, wenn einen Beitrag nachträglich ändern willst, deine „Beiträge“-Seite aufrufen und dann bei deinem Beitrag nicht einfach auf „Bearbeiten“ klicken, sondern auf „Klassischer Editor“. Dann hast du den da auch wieder.
    Morgenkaffeegruß gen Hauptstadt 😁☁️☕🥐👍

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  3. So ist es überall, Rolf.
    Hier auch.
    Es gab z.B. in meiner Straße einen „Eisenwarenhändler“, bei dem man u.a. Schrauben einzeln kaufen konnte.
    Und zwar JEDE. Egal, womit ich kam, er hatte mit einem Griff ein entsprechendes Ersatzteil in seinen deckenhohen, historischen Regalen und Fächern.
    Mit 82 Jahren schloß er seinen Laden, weil er keinen Nachfolger gefunden hatte und seine Frau ihm auf den Füßen stand, damit er sich endlich mehr um sie kümmere.

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    • Ja, so einen gab es bei mir, direkt an der Ecke, bis vor ein paar Jahren auch. Die Regale waren schon durchgebogen, aber mit einem Griff hatte er das passende Schloss für meinen DDR-Schrank, Baujahr 1950. Ich glaube, auch bei ihm war es die Frau, die das Krämerleben satt hatte – und die Bauhaus-Filiale zwei Kilometer entfernt, die ihn zum Aufgeben brachte.

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  4. Hach, ich war zuletzt vor 13 Jahren in Berlin und würde die Stadt sicher nicht wiedererkennen. Damals hatte ich für zwei Monate die Wohung einer Fotografin in Charlottenburg (Dernburger Straße) gemietetund mochte den „alten“ Charme dort, besonders am Stuttgarter Platz. Fast wäre ich geblieben in der Stadt, weil sie mir – und die Menschen, ja! – so gut gefielen, aber ich habe mich dann doch anders entscheiden. Was ich öfter bedauert habe, angesichts der Entwicklung in der Hauptstadt dann aber mittlerweile doch nicht mehr. Ich hoffe, du findest trotz des Umbaus der Stadt noch deine kleinen Fluchten!

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  5. Hallo Rolf,
    dann wünsche ich mal deiner Berlinerin viel Erfolg in München ! Ich mag die Stadt, vor allem den Stadtkern obwohl ich immer das gefühl habe das man da sehr viel Geld haben muss, noch mehr als in Hamburg, um sich dort wohnen leisten zu können…Karstadt Sponsoring ist hier auch schwer angesagt, sie haben direkt 2 gegenüberliegende Häuser zugemacht , jetzt ist die Einfahrt in die Einkaufsmeile so leicht Detroitmässig…alles sehr dunkel, verrammelt und merkwürdige Menschen in den ehemlaigen Eingängen…egal, wer braucht heute noch eine Innenstadt wo es alles online gibt…aber um die Späti beneide ich Hamburger euch Berliner….sowas fehlt hier völlig ! Lieber Gruss, Jürgen

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