Oh wie schön ist Ravensburg!

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Es ist eine dieser tropischen Nächte. Eine Nacht, in denen das Leben sich selber feiert. Eine Nacht, wie es sie nur in Berlin geben kann. Alle Fenster stehen offen. Es ist heiß, bis weit nach Mitternacht und jede Lebensregung ist öffentlich. Bis in den zweiten Hinterhof klingen die ungehemmten Stimmen der Feiernden im Vorderhaus, im Nachbarhaus und wahrscheinlich sogar aus dem Altersheim am Ende der Straße. Es ist ein An- und Abschwellen in allen Sprachen dieser Welt, ein Klingen von Gläsern und Gelächter, natürlich: Gelächter. Ausgelassenes, lebensfrohes, extatisches Gelächter. Dann plötzlich eine Pause, und in die Stille hinein brüllt der nächste Düsenjet im Anflug auf den nahen Flughafen. Ja, das ist Großstadt, das ist Leben, das ist der Wedding! Deshalb bin ich hierher gezogen! Gegen alle Vorbehalte, gegen alle Warnungen. Allerdings hatte ich damals noch gute Nerven, keine kleinen Kinder, und das unerschütterliche Vertrauen, dass der Hauptstadtflughafen am anderen Ende der Stadt termingerecht fertig würde. Darauf warte ich seit Jahren. Jetzt wäre ich froh, wenn ich noch Träume hätte. Aber für Träume brauche ich Schlaf und für Schlaf brauche ich Ruhe. Ruhe! Meine übernächtigten Augen irren in der Wohnung umher, finden das Puzzle, das meine Söhne heute stolz gebastelt haben und mein schlaftrunkenes Hirn macht daraus ein Paradies: Ravensburg! Du Stadt der Stille, du Hort der ordentlichen und friedliebenden Menschen! Alles ist sauber und ordentlich. Frohe, unaufgeregte Menschen finden ihr ihre Seeligkeit darin, den Müll zu trennen und ein Schwätzchen mit dem Müllwerker zu halten. Hier braucht man keine Rauschdrogen um glücklich zu sein. Nur ganz hinten und ganz versteckt gibt es eine Trinkhalle. Aber in Ravensburg werden die Trinker wahrscheinlich abends mit dem Müllauto vor die Stadttore gefahren, oder mit der Kehrmaschine ausgefegt. Damit Ruhe herrscht, wundervolle, himmlische Ruhe…

Nach einem viel zu kurzen, unruhigen Schlaf gehe ich am nächsten Morgen an überfüllten Müllcontainern vorbei zum Backshop in meiner Straße. Ich ordere ein Schokobrötchen. Die Besitzerin taxiert mich  kurz und mitfühlend: „Da braucht wohl einer Nervennahrung.“  Sie kennt ihre Nachbarn.

Still leben

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„Was machst du denn heute Abend noch?“, fragt meine Schwiegermutter. „Och, ich werd noch eine Runde joggen.“ Das kling gut, das klingt nach „ich nutze den Tag, den du für mich frei geschaufelt hast.“ Für einen Moment glaube ich sogar selber daran. Aber ich weiß schon, dass ich den Abend in meiner Wohnung versacken werde. Ich habe ein freies Wochendende. Die Frauen kümmern sich um die Kinder. Ich könnte tun und lassen was ich will. „Hey“, sagt was in mir; „du bist in Berlin, es ist Sommer und überall ist was los. Komm! Geh wenigstens in den Park ins Freiluftkino. Das wolltest du doch schon immer.“ Ich schließe die Wohnungstür hinter mir zu, stelle die Einkäufe von heute Morgen in den Flur. Hier bin ich, my home is my castle. Kaum habe ich die Schuhe aus,  will ich was essen. Immer wenn ich in meine Wohnung komme will ich was essen. Ankommen. Der Kühlschrank gibt eine Dose Heringe her. Noch einen Moment denke ich „Jetzt könntest du noch raus gehen“. Doch schon ist die Dose offen und eine Bier neben mir auf dem Tisch, das Multi-Kulti Radio spielt dazu serbische Weisen. Eigentlich wollte ich heute auch noch was schreiben, in meinen Blog. Doch zu etwas Kreativem bin ich heute nicht mehr fähig. Mein Blick fällt auf meine Fensterbank. Von wegen zu nichts mehr fähig: Dort liegt ein perfektes Stilleben mit dem frisch gewaschenen Obst vom Türken. „Stilleben mit Radiator“- Cezanne wäre stolz auf mich. Ich hab doch noch etwas geschaffen heute. Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen. Nur meiner Schwiegermutter werde ich das zufriedene Gefühl nicht erklären können.

Mein schönstes Ferienerlebnis

Jänschwalde

Wir schauen beide träge aus dem Zugfenster in die brandenburgische Monotonie. Ich entdecke ein kleines, verfallenes Backsteinhaus. „Ich würde ja gerne in einem alten Bahnwärterhäuschen wohnen“, sage ich so daher. „Dann machs doch einfach“, erwiedert er tonlos, „das sagst du doch schon seit ich dich kenne.“ Da hat er Recht, und ich denke ernsthaft über seinen Vorschlag nach. Immerhin hat er in seinem Leben schon drei Häuser gekauft, und zwei wieder verloren, und ich hänge noch meinem alten Traum nach. Und er hat Recht: Wir kennen uns schon lange. Die 20 Jahre, die wir in Berlin leben. Unglaubliche Jahre. Oft bin ich bei ihm untergekrochen, wenn es mir mal wieder dreckig ging. Manchmal war er der Grund, weshalb es mir dreckig ging. Und neulich stand er bei mir vor der Tür und suchte Unterschlupf.

Unsere Frauen haben uns zusammen gebracht, damals zum Geburtsvorbereitungskurs im Frauenzentrum Frieda. Und später zu den gemeinsamen Urlauben mit den Kindern. Die Frauen sind nicht mehr unsere Frauen und die Kinder werden dieses Jahr ihren 20. Geburtstag feiern – ohne uns. Jetzt sitzen wir im Zug, um zusammen ein wenig durch den Spreewald zu radeln. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich hab wieder kleine Kinder zu Hause, er eine kranke Mutter in Hamburg. Aber die zwei Tage haben wir uns rausgeschnitten. Ich hole meine Stullenbüchse raus und er linst hinein. „Was du wieder für herrliche Sachen dabei hast“, begeistert er sich. Ich weiß, dass ich jetzt wieder meine Stullen los bin, und er wird sich darüber freuen wie ein Kind. Er hat mir schon oft den Kühlschrank leer gefressen und ich hab mich dabei gefreut, ihn so glücklich zu sehen.

Mit ihm kann ich so herrlich ins Blaue fahren, ohne nachzudenken. Er ist wie ein großer Bruder für mich. Mit Einsneunzig und kahlem Schädel ist er eine beeindruckende Erscheinung. Bei ihm fühle ich mich sicher, und er verlässt sich auf mich. Leider auch beim Kartenlesen. Deshalb sitzen wir jetzt bei pladderndem Regen auf der Terrasse eines verlassenen Cafés und wissen nicht, wo wir sind. Na, egal. Er packt seine Zeitung aus und wir machen es uns gemütlich. Wir werden schon irgendwo hin finden. Vor Jahren sind wir mal ohne Zelt zu einer mehrtägigen Tour aufgebrochen. Irgendwann wars dunkel und er fragte: „Was machen wir jetzt?“ Ich antwortete nur: „Wir legen uns ins Gras.“ „Und wenn`s regnet?“ „Dann werden wir naß“, erwiederte ich unbekümmert. Darauf hat er sich eingelassen. Und als uns morgens um fünf tatsächlich der Regen weckte, lud ich ihn zu einem Kaffee in die nächste Tanke ein, und die Reise konnte weiter gehen.

Und so auch jetzt. Die Wolken verziehn sich, wir finden auf den Weg zurück und gönnen uns abends in Cottbus das beste Schnitzel der Stadt, und er sagt, dass es das beste Schnitzel seines Lebens gewesen sei. Und ich freu mich wieder für uns.

Ach ja: Eigentlich wollten wir gar nicht in den Spreewald, sondern nach Istanbul. Aber drei Tage vorher stellten wir fest, dass sich keiner von uns sich um einen Flug gekümmert hatte. Egal, so wars auch schön.

Halt durch

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Halt durch, tapferer alter Wetterladen!

Schon bald werden Sonnenschein und Hitze nur noch eine Erinnerung sein.

Dann werden feine Niesel fallen und schwer die Morgennebel aus den Flüssen steigen.

Verschwunden sind dann die leicht Bekleideten von den Ufern der Seen.

Eingehüllt in deine Öljacken werden wir schweigend am Wasser stehen:

Missmutig wie immer, aber endlich wieder in unserem Element.

Herr, schmeiß Geist vom Himmel !

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Ich werde Pfingsten ja nie verstehen. Ausschüttung des Heiligen Geistes, flammende Zungen, Reden in fremden Sprachen. Es bleibt mir ein Rätsel, was da eigentlich gefeiert wird. Und das Schlimmste ist: ich bin an meiner Dummheit selber schuld.

Sich schuldig zu fühlen ist ja für einen Katholiken eigentlich ein guter Anfang. In meiner schwer religiösen Phase, so von 10 bis 12, lief ich jede Woche zur Beichte, um dem Pfarrer im dunkel gebeizten Beichtstuhl meine Vergehen zu gestehen, aber es gab keine. Die Zehn Gebote hatte ich treu eingehalten, Vater und Mutter geehrt und auch sonst konnte ich nirgends in meinem blauen Beichtheftchen ein Kreuz machen. Ich war ein braver Junge. Aber um den Herrn Pfarrer nicht zu enttäuschen, oder noch schlimmer, misstrauisch zu machen, erfand ich jede Woche neue, bußwürdige Taten, die der arme Mann mit der müden Stimme mir dann, in Gottes Namen, gegen zehn Vaterunser oder fünf „Gegrüßet seist du Maria“ wieder abnahm. Wenn ich durchgehalten hätte,  hätte ich mit 13 oder 14 beim Firmunterricht einen Einblick in die Bibel, die Mysterien des Glaubens, die Sakramente und eben den hl. Geist bekommen. Doch damals wurden mir andere Sachen wichtiger und ich hatte wirklich keine Lust, Nachmittage  bei einem missmutigen, pensionierten Bundeswehroffizier zu verbringen, der uns den Kathechismus einpauken sollte, währen draußen meine Freunde mit ihren Mopeds die Welt erkundeten. Meine Mutter, die bei meiner Taufe immerhin gelobt hatte, mich im Glauben zu erziehen, nahm meine pubertäre Verweigerungshaltung ohne großen Widerstand zur Kenntnis. Ihr Vertrauen in  die hl. Mutter Kirche war stark erschüttert, seit sie, nach der Geburt ihres dritten Kindes, versucht hatte, mit dem Pfarrer ein direktes Gespräch über erlaubte Verhütungsmethoden zu führen. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich den Verlauf des Gespräches und die hochrroten Ohren des zölibatären Gottesmannes vorzustellen. Verbürgt ist der  zornesrote Kopf meiner Mutter, nachdem er ihr geraten hatte, diese Frage doch in Gottes Hand zu legen. Eine Kirche hat sie seither nur noch zu Beerdigungen betreten.Wo waren wir? Ach ja, bei Pfingsten.

Ich komme nun in das Alter, in dem ich meine Jugendsünden bereue. Wegen des versäumen Unterrichts muss ich versuchen mir selber aus der Bibel einen Reim darauf zu machen, ob es Gott gibt, und ob er mich in all meiner Schwäche  annimmt, ohne dabei auf das Jahrtausende alte Wissen der katholischen Kirche zurück greifen zu können. Um es vorweg zu sagen: Es klappt nicht. Das neue Testament ist eine eher amüsante Lektüre für jeden, der sich schon mal kritisch mit Texten auseinander gesetzt hat. Ich bekam den Eindruck, dass der arme Jesus hauptsächlich damit beschäftigt war, die Mängel des israelitischen Gesundheitssystems auszumerzen. Blutfluss, Fallsucht, Besessenheit heilt er am laufenden Band. Hätte er nicht höheres im Sinn gehabt, er hätte eine gut gehende Praxis in Jerusalem eröffnen können. Diese Fähigkeiten hat er, und nun komme ich langsam zum Punkt, auch auf seine zwölf Gefolgsleute übertragen. Im  Markusevangelium heißt es ganz am Ende: „Diese Zeichen aber werden denen folgen, die an mich glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben …und wenn sie Tödliches trinken wird es ihnen nicht schaden.“ Das scheinen die Jünger nach dem Tod Jesu an Pfingsten gleich mal ausprobiert zu haben – mit hochprozentigem Heiligen Geist. In der Apostelgeschichte heißt es zu Pfingsten: „Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ Einige der Umstehenden scheinen das, da ist die Bibel ehrlich, gut eingeschätzt  zu haben. „Andere aber sagten spottend: Sie sind voll süßen Weines.“ Das einzige, was Paulus als Ausrede dazu einfällt ist: „Diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, denn es ist die dritte Stunde des Tages.“ Als wäre es etwas Besonderes, nach einer Party noch drei Stunden nach Sonnenaufgang gut drauf zu sein. War also Pfingsten nichts anderes als eine überzogene Party der zwölf Freunde Jesu,  und der heilige Geist einer, der aus der Flasche kam? Wenn dem so wäre, hätte ich diese Frage doch zu gerne dem Bischof gestellt, bevor er mir als eifrigem Firmling sanft die Wange getätschelt hätte. Wahrscheinlich hätte er mir eine runtergehauen.

Das Tier in mir

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Mein Freund Jan entblößt seinen muskulösen Oberarm. Vergangenes Wochenende war er bei einem Medizinmann und hat mit ihm eine schamanische Krafttierreise gemacht. In einer Art Trance haben sie das Tier gesucht, das ihn auf seinem Lebensweg begleitet und stärkt. Die Indianer haben da einiges im Angebot: Wölfe, Bären, Adler, Schlangen und einiges, was überrascht, so wie Jans Totemtier (Zuerst verstehe ich Totestier, aber es heißt Totemtier, wie der Totempfahl bei Winnetou). Glatt und elegant schlängelt sich das Tatoo eines Feuersalamanders auf seinem Bizeps in Richtung Schulter. „Er steht für Veränderung, für die Verbindung zwischen Feuer und Erde“, klärt mich Jan auf. „Aha“, sage ich verständnisvoll und denke neidisch: Will ich auch haben! Das muss doch bei mir auch funktionieren (und so gut aussehen). Doch so einfach ist das nicht, erfahre ich. Jeder hat ein eigenes Tier, das zur Lebenssituation passen muss. Ich muss also erst meine Situation erkennen und dann das richtige Tier für mich finden. Denn Jan ist Jan und ich bin – ja was denn?

Ich gehe in meinen Kraftraum, also zu meinem Bücherregal, und setze mich hin. Wer, wenn nicht meine Bücher, die mich über mein Leben begleitet haben, können mir sagen wer ich bin und was mir Stärke gibt? Das passende Tier dazu wird sich schon finden.

Ich fange oben an mit den Russen (der Bär!). Eigentlich sind es ja die Sowjets, denn die Begeisterung fing Mitte der Achziger an, als ich das erste Mal Gorbatschow sprechen hörte. Dieser weiche, tiefe Klang des Russischen, diese abgeschottete Welt, dem wollte ich näher kommen. Also las ich alles von den Klassikern über sozialistischen Realismus bis zu Bulgakow und zu den Samsidat-Autoren. Zettel von Lesungen, Filmen und Zeitungsausschnitte stecken in den verstaubten Büchern. Dann die Sprachreise 1993 nach St. Petersburg. Die harte Seite Russlands. Blanke Not und Gewalt und das Leiden der stolzen, liebenswerten Menschen. Ich versuchte es danach noch mal mit Humor und Alkohol, las die „Reise nach Petuschki“, aber dann kam Putin und dann war Schluss mit Lustig.

Ein Regalbrett tiefer wartet die nächste Leidenschaft: Die Briten (die Bulldogge!), Praktikum in Manchester, Mitte der Neunziger. Ich liebte alles, die zerfallenden Backsteinbauten, die schrulligen Damen in den Teestuben und den knallharten Kapitalismus in der Law Firm. Danach war ich so fit, dass ich einiges im Original lesen konnte: Orwell, Nick Hornby, Joyce und auch für ein paar Klassiker wie Dracula und Frankenstein in herrlich umständlichem viktorianischen Britisch hat es gereicht. Doch nach und nach vergaß ich den Witz in der Sprache, meine Briefe an meinen englischen Freund wurden kürzer und holpriger. Das Schlusslicht bildeten drei Bände Harry Potter und er Besuch des Freundes, der, ganz unenglisch, direkt zur Sache kam: Er wolle sein Geld in Wohnungen in Berlin anlegen, ob ich gute Plätze wüsste..? Nicht mit mir, mein Freund.

Immerhin kam ich durch Orwell zu den Spaniern (der Stier!), oder war es umgekehrt? Genauer hingesehen ging es um den Spanischen Bürgerkrieg. Ein Regalbrett mit Hoffnungen europäischer Schriftsteller, die Revolution zu machen, den Faschismus zu besiegen. Auch wieder eine Sprachreise, wieder Ernüchterung: Die Spanier hatten wirklich anderes zu tun, als an die anarchistischen Aufstände von 1936 anzuknüpfen. Wenigstens war das Meer warm und die Paella gut.

Um mich von meinen revolutionären Schwärmereien endgültig zu befreien, besuchte ich die Überreste des Sozialismus in Osteuropa. Die Broschüre „Reiseland DDR“ prangt mir in den unteren Regalfächern entgegen. Leider hat es ja der Sozialismus nicht zu einem Wappentier gebracht. (Vielleicht hätte es geholfen?) Nur Ochs und Esel sind in Erinnerung geblieben. Wie weiter?

Ratlos stehe ich vor meinem Regal. Fast verlegen blättere ich in Romanen, die mit vielen Ausrufezeichen versehen sind, in Broschüren aus dem Osten, die ich für witzig hielt und merke, dass sich aus dem Ganzen beim besten Willen nichts Stärkendes ableiten lässt. Alles mal angeschaut, nichts festgehalten, eifrig gesammelt und wieder abgebrochen und manchmal mächtig an der Wirklichkeit vorbeigelaufen. Auf meinen Oberarm kann ich mir wohl eine Null tätowieren.

Da raschelt es in meinem Kopf. Ein kleines, emsiges Tierchen macht sich in meinen Gedanken breit. Es sammelt. Es sammelt hier ein paar Nüsse, da ein paar Eicheln und dort ein paar Samen, die es noch nicht kennt. Es trägt sie zusammen, legt kleine Nester an und vergräbt seine Schätze. Einige harte Nüsse nimmt es sich mit in sein kuschliges Nest, um sie genüsslich zu knacken. Es ist ein bisschen vergesslich, das gute Tier. Manchmal macht es sich auf die Suche nach seinen vergrabenen Schätzen und findet sie nicht mehr. Daraus wachsen dann die Bäume, auf das es später klettern kann. Und manchmal findet es ein längst vergessenes Versteck und ist glücklich und erstaunt, wie anders die Nüsse von damals heute schmecken.