Nach Hause telefonieren

Blumenstrauß5

Manchmal bin ich nett. Mindestens einmal im Jahr. Da denk ich an den Geburtstag meiner Schwester und schick ihr einen Strauß Blumen. Ich mach das nicht über’s Internet, nicht über Fleurop. Bisher ging das so: Ich nehme das Telefon und rufe ein paar Tage vorher bei der Gärtnerei in unserem Heimatstädtchen an. Ich nenne meinen Namen und den meiner Schwester und prompt kommt von der Gärtnerin die Frage: „Bess dau dem Jakobs Marie Seiner?“ Das Städtchen ist nicht groß, meine Mutter dort geboren und alle die Alten kennen sich untereinander. Dabei ist der Familienname egal. Als Eingeborener legitimiert man sich über die mütterliche Linie. Es herrscht das Matriarchat und der Dativ. Nachdem ich die Fragen nach dem Befinden der Frau Mutter und dem Verbleib sämtlicher Geschwister der Wahrheit gemäß beantwortet habe, ist das Geschäftliche eine reine Freude. Immer stärker ins heimische Platt und die rheinische Fröhlichkeit verfallend, besprechen wir die Details der Blumengabe (schön bunt) und der Lieferung. Der Rest ist Vertrauenssache.  Keine Vorauszahlung, kein Pay Pal-Gedöns. „Ich schick Ihnen dann die Rechnung.“ Das ist alles und das rührt mich jedes Mal. Der alte Ernst Moritz weht mich an „… wo Eide schwört der Druck der Hand, wo Treue hell vom Auge blitzt und Liebe warm im Herzen sitzt… Ich weiß, das war schon 1813 Propaganda, aber es ist trotzdem schön, das noch erleben  zu dürfen. Zumal es jetzt vorbei ist damit. Dieses Jahr war eine unbekannte Stimme am Telefon. Nachdem ich meinen Namen und meinen Wunsch vorgetragen hatte, kam statt der allfälligen Frage nach der Mutter ein barsches „Haben Sie ein Fax?“ Der Besitzer der Gärtnerei hatte gewechselt. Jetzt hat der kleine Severin wohl den Laden übernommen. „Ich brauche ja irgend etwas, das ich in der Hand habe,“ grummelte es auf der anderen Seite weiter. Ob er auch schon eine E-Mail-Adresse habe, fragte ich keck, ihm sein mangelndes Vertrauen mit einem Hinweis auf seine hinterwäldlerische Technikausstattung vergeltend. „Ja, hab ich“, kam es stolz zurück, „aber warten Sie mal, ich find sie gerade nicht“. Ein Ruf in die Weiten des Gewächshauses war im Telefon zu hören und ein „Nee, weiß ich auch nich,“ echote zurück. Inzwischen hatte ich die Adresse gegoogelt und nannte sie ihm. Er lachte erleichtert und klang gleich weniger geschäftsmäßig. „Man schickt sich ja so selten selber eine Mail.“ Dann konnten wir endlich über die Blumen reden und über meine Schwester, die er noch nicht kannte und es wurde wieder lustig. Zwei Tage später bekam ich eine Mail von Ihm: “ Ihre Schwester hat die bestellten Blumen persönlich hier abgeholt“. Eine Rechnung habe ich bis heute nicht bekommen. Severin hat seinen Laden wohl noch nicht im Griff. Ich werd mal wieder da anrufen, und an die Rechnung erinnern – soll ja sein Geld bekommen. Und vielleicht können wir beim nächsten Mal dann auf so neumodischen Kram verzichten. Wir kommen ja schließlich aus der gleichen Stadt.

 

 

Der Auftrag

Frauenfußball-historisch

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Es ist Sonntagmorgen kurz vor Neun, draußen ist es kalt und es gießt es in Strömen. Eigentlich das richtige Wetter und die richtige Zeit, um sich im Bett noch einmal umzudrehen. Aber unser Jüngster muss raus, im Kinderwagen, damit er endlich schläft, mindestens eine Stunde. In der Woche ist das der Job seiner Mutter, am Wochenende ist der Vater dran. Ehrensache. Sorgfältig bereite ich die Expedition vor. Wichtig bei allen Fahrten ins Ungewisse ist die richtige Kleidung. Schweigend ziehe ich die klobigen Doc-Martens-Stiefel an, rüste mich mit der amerikanischen Arbeiterjacke und ziehe zum Schluss die wollene englische Schirmmütze auf den Kopf. Jetzt weiß ich, dass mir Wind und Wetter nichts anhaben können, egal was mich draußen erwischt. „Willst du dir nicht eine richtige Jacke anziehen, mit Kapuze, bei dem Regen?“, werde ich von unberufener Seite gefragt. Woher will  das Weib wissen, was man in der Wildnis braucht? Wie man in Würde der Witterung widersteht? In wenigen Minuten werden mein Sohn und ich auf dem Weg in den Rehberge-Park sein! Allein, auf uns gestellt. Ich werfe ihr einen stummen Blick grimmiger Entschlossenheit zu, schnappe meinen Sohn und gehe. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

Draußen toben die Elemente. Der Wind peitscht mir den Regen ins Gesicht und schüttelt die letzten Blätter von den Ästen. Der Junge liegt wohl behütet unter seiner Plastikplane im Wagen und schläft sofort ein. Erster Teil des Auftrags erfüllt. Noch eine Stunde. Ich schlage den Kragen meiner Jacke hoch, stecke mir ein Fishermans zwischen die Zähne und schiebe westwärts, wo die Bäume warten. Durch einsame Straßen stemmen wir uns dem Sturm entgegen, bis wir endlich die große Ebene des Parks erreichen. Die Wege haben sich in Schlamm und Wasser aufgelöst, der Wind peitscht die kahlen Bäume und ich halte Ausschau. Ein Jogger kommt uns mit athletisch keuchendem Atem entgegen, der Körper ist von der Anstrengung erhitzt,  die Regentropfen auf der gespannten Neopren-Haut scheinen zu verdampfen.  Ein Bild von Anmut und Stärke. Dann wieder Stille. Ich wate weiter durch die Wasserlöcher, kein Umweg, immer geradeaus. Meine Stiefel halten dicht. Alles läuft nach Plan. Aus der Ferne höre ich Kampfgeschrei. Gebrüllte Befehle, Ächzen, Jubel einer Menschenmenge und Seufzer der Enttäuschung. Ein Fußballspiel, bei diesem Wetter? Ungläubig schaue ich durch die Regentropfen auf meiner Brille Tatsächlich! Wackre Männer! Kraft der Jugend. Begeistert trete ich näher. Ja, wir Männer. Nur wir können uns so im Zweikampf vergessen, so die Witterung ignorieren, uns so unbesiegbar fühlen. Während das Weib am warmen Herde wirkt, wagt der Mann den Wettkampf mit dem Wetter. Ich hier mit meinem Sohn und drüben die Jungs auf dem Platz. Wir lassen uns nicht unterkriegen von so ein bisschen Regen und Wind. Begeistert nehme ich die Brille ab, um genauer schauen zu können. Ich blinzele, schaue nochmal und erkenne mehrere Spieler mit wippenden Pferdeschwänzen. Nochmal geschaut, und ich weiß, dass es zwei  Frauenfußballmannschaften sind, die dort ein Match austragen.

Nachdenklich  gehe ich weiter. Meine Jacke  ist nun endgültig durchweicht und ich sollte bald  zu Hause sein, sonst hole ich mir wieder eine Erkältung.

 

 

Einfach mal nix essen

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Es könnte ein schöner Gemüseeintopf werden. Auf dem Herd köcheln Kartoffeln, Möhren, Sellerie und Lauch vor sich hin. Ich streue ein bisschen Petersilie und Musktat dazu. Der kräftige Duft steigt mir in die Nase, aber ich bleibe standhaft, nehme die Suppe, gieße sie über ein Sieb und werfe alles was im Sieb bleibt in den Mülleimer. Nur die dünne Brühe behalte ich. Sie ist das Einzige, was ich in der nächsten Woche „essen“ will. Dieses seltsame Ritual vollziehe ich jedes Jahr einmal: Ich bereite mich auf meine Fastenwoche vor. Nicht um mir Pfunde wegzuquälen faste ich, nicht um mich mit meinem Gott zu versöhnen, sondern um es mir gut gehen zu lassen. Ehrlich! Ich mache das schon seit zehn Jahren, und es hat fast immer geklappt. Fasten ist wie eine Woche Urlaub mit mir selbst, ohne dafür wegfahren zu müssen. Ich komme runter, werde gelassen, gehe früh ins Bett und tauche ein in eine andere Welt. Die Stadt und ihre damfpfenden Garküchen verschwinden aus meinem Bewusstsein. Ich, der ich sonst von jedem Dönerstand und jeder Pommebude angelockt werde, gehe unbeirrt meiner Wege. Mit etwas überheblichem Erstaunen schaue ich auf die Menschen, die sich gierig irgendetwas in den Mund stopfen und es scheint mir absurd, dass ich das auch mal gemacht habe. Nach einer Woche komme ich meist an den Punkt, an dem ich das Gefühl habe, dass ich ewig so weiter machen könnte. Dann kann ich sogar mit den Kollegen in die Kantine gehen, meinen verdünnten Gemüsesaft schlürfen und zu staunen, wie sie das hinkriegen: Ein Stück Fleisch zu zerteilen, es zu essen und gleichzeitig zu reden – und wie unappetitlich das aussieht. Irgendwann ist dann aber Schluss mit dem Ego-Trip. Nicht, weil ich Hunger spüre, sondern weil mein Gesicht im Spiegel aussieht, als hätte ich gerade einen harten Drogenentzug hinter mir und weil die Sinne rebellieren. Meine Zunge will  endlich wieder was anderes schmecken als fade Fastensuppe und Kräutertee. Ich stelle mir dann vor, was ich jetzt alles essen kann – fette Torten, Erdnussriegel und eine großen Falaffel vom Libanesen, am besten alles auf einmal. Doch zum Anfang des Fastenbrechens gibts nur ein Äpfelchen, gedünstet mit ein paar Rosinen. Eine Köstlichkeit!

Lies doch mal ein schlechtes Buch

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Eine Tüte englischer Chips, eine Flasche Bier, (alkoholfrei) und eine halbe Tafel Pfefferminzschokolade: Jetzt ist mir schlecht, und ich weiß immer noch nicht, worüber ich schreiben soll. Ist ja nicht so, dass mir nichts mehr auffallen oder einfallen würde. Ich kriegs nur nicht mehr auf den Punkt. Ich könnte ja erzählen, dass ich neulich mit einem Mitarbeiter des Grünflächenamtes gesprochen habe. War so ein Typ der mehr Bauch als Mann ist. Ich hab im gesagt, dass die Jungs, die immer in dem Gitterkäfig neben der Schule Basketball spielen und nachts auf den Spielplätzen abhängen, dass diese Jungs die Parkbank vom Spielplatz geklaut und in ihren Gitterkäfig gezerrt haben. Und dass der Bauch mit dem Mann geantwortet hat: „Dit is mir noch jar nicht ufjefalln.“ Und ich dachte: Den kannste vergessen. Der wird sich nie drum kümmern. Aber am nächsten Tag stand die Bank akkurat wieder auf dem Spielplatz. Mit einer Kette festgeschlossen, damit die Kiffer-Jungs nicht wieder auf dumme Gedanken kommen. Und plötzlich fühlte ich mich stolz und wohl in der großen Stadt, die ich ein bisschen zum Guten verändert hatte. Ich wollte auch immer mal schreiben, dass es an der Seestraße einen Laden gibt, der sich Amaras Shop nennt und  der seinen immer gleichen Schaufensterpuppen die immer

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gleichen, billigen Elasthan-Kleider überzieht. Allerdings wechselt er in einem strengen Rhytmus die Farben. Gerade ist die blaue Phase dran, davor war die schwarze und davor die rote. Ich bin mal reingegangen und wollte fragen, wer denn die Kleider kauft und die Schuhe mit Plateausohlen bis Größe 45. Aber dann kam ich mir blöd vor, weil ich natürlich wusste, dass das Männer sind. Nächsten Tag war der Laden dann zu. Im Schaufenster hing ein Schild: „Wir sind in Paris und wählen neue Modelle für Sie aus.“

Ich könnte auch erzählen, dass ich etwas getan habe, was man nie tun sollte: Ich hab ein Buch von der Spiegel-Bestsellerliste gekauft. So’n dickes Ding, das die Leute in der U-Bahn lesen. „Spiel der Zeit“ heißt es. Ich bin jetzt halb durch und bin noch nicht einmal überrascht worden. Alle Personen sind edel, aufrecht und gut. Nur einer ist böse, reich und hinterhältig. Ich dachte ja, für 9 Euro 90 darf sich mein Kopf beim Lesen mal ausruhen und in Klischees versinken. Aber es macht keinen Spaß, die immer gleichen Phrasen zu entdecken. So, jetzt ist spät. Morgen fahr ich nach Leipzig, um eine Freundin zu treffen, die mich vor 25 Jahren dabei erwischt hat, wie ich die DDR retten wollte. Vielleicht wird das ja mal wieder eine ordentliche Geschichte. Ich wollte noch sagen, dass mich eure Kommentare immer sehr freuen und mich ein bisschen durch meinen Alltag schweben lassen. Danke für die Geduld, oder um es mit Murph von „Murph and the Magic Tones“ zu sagen: “ Sie sind ein wunderbares Publikum. Bleiben sie da, gehen sie nicht weg. Wir sind bald wieder für sie da!“

Still leben

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„Was machst du denn heute Abend noch?“, fragt meine Schwiegermutter. „Och, ich werd noch eine Runde joggen.“ Das kling gut, das klingt nach „ich nutze den Tag, den du für mich frei geschaufelt hast.“ Für einen Moment glaube ich sogar selber daran. Aber ich weiß schon, dass ich den Abend in meiner Wohnung versacken werde. Ich habe ein freies Wochendende. Die Frauen kümmern sich um die Kinder. Ich könnte tun und lassen was ich will. „Hey“, sagt was in mir; „du bist in Berlin, es ist Sommer und überall ist was los. Komm! Geh wenigstens in den Park ins Freiluftkino. Das wolltest du doch schon immer.“ Ich schließe die Wohnungstür hinter mir zu, stelle die Einkäufe von heute Morgen in den Flur. Hier bin ich, my home is my castle. Kaum habe ich die Schuhe aus,  will ich was essen. Immer wenn ich in meine Wohnung komme will ich was essen. Ankommen. Der Kühlschrank gibt eine Dose Heringe her. Noch einen Moment denke ich „Jetzt könntest du noch raus gehen“. Doch schon ist die Dose offen und eine Bier neben mir auf dem Tisch, das Multi-Kulti Radio spielt dazu serbische Weisen. Eigentlich wollte ich heute auch noch was schreiben, in meinen Blog. Doch zu etwas Kreativem bin ich heute nicht mehr fähig. Mein Blick fällt auf meine Fensterbank. Von wegen zu nichts mehr fähig: Dort liegt ein perfektes Stilleben mit dem frisch gewaschenen Obst vom Türken. „Stilleben mit Radiator“- Cezanne wäre stolz auf mich. Ich hab doch noch etwas geschaffen heute. Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen. Nur meiner Schwiegermutter werde ich das zufriedene Gefühl nicht erklären können.

Die Frau im Karton

Frau

Ich kann mir ja  nie vorstellen, dass etwas endgültig vorbei ist. Dass eine Liebe zugrunde gehen kann, dass Freunde sich trennen, oder dass Dinge einfach zu nichts mehr zu gebrauchen sind. Ich bin ein Altkrämer, der versucht alte Gefühle zu erhalten, und sich immer wieder freut, Gegenstände zu finden, die mich für einen Moment wieder zurück bringen in Zeiten, in denen die Gefühle groß und die Möglichkeiten unendlich waren. Ich kann mich von nichts trennen, an dem eine Erinnerung hängt: Kästen mit Postkarten, seltsame Fundstücke aus den Ramschläden Europas und dann dieser seltsame Apparat aus der Tschechoslowakei, der mal ein Geschenk für eine Frau werden sollte. Ernsthaft! Petra hieß sie. Sie war schön, groß, hatte lange Beine und einen Freund. Aber sie hatte auch was für mich übrig. Das merkte ich, wenn ich sie in dem Alte-Tanten-Café besuchte, in dem sie bediente. Ich wollte nichts von ihr, anfangs, ich wollte sie nur mal anschauen, wie sie aussieht in dem schwarzen Kellnerinnenkostüm, von dem sie mir erzählt hatte.  Das machte sie verlegen, besonders, als ich immer wieder kam. Aber ich wusste nicht so recht, was ich mit ihrer Schwäche für mich anfangen sollte. Ich war Ende 20, aber ich hatte wirklich keine Ahnung, wie ich einer Frau näher kommen konnte. Da ging zum Glück der Eiserne Vorhang auf, und ich musste weg. Die Grenze war offen, das Reich des Bösen lockte mich mit ungeahnten Abenteuern. Der Wagemut, der mir bei Petra fehlte – hier konnte ich ihn ausleben: Mit dem Rad auf  holprigen Pisten, in ranzigen Hotels und im Gestank riesiger Industrieanlagen. Aber Petra fuhr mit, wenn auch nur als Gedanke an ein tolles Geschenk, das ich ihr von meiner Reise mitbringen wollte. Nicht einfach in Ländern, in denen die Planwirtschaft Konsumgüter hervorgebracht hatte, die nur noch entfernt an ihre westlichen Gegenstücke erinnerten. Aber ich liebte es, in den kargen Kaufhallen Dinge zu finden, deren Funktion sich mir nicht auf den ersten Blick erschoss und bei denen ich lange rätseln musste, bis ich eine Ahnung bekam, wofür sie gut sein könnten. Das wars: Ein Rätsel würde ich ihr mitbringen, ein Rätsel, das ich ihr Stück für Stück erklären würde, bis klar würde, dass der unscheinbare Gegenstand tausend Gedanken an sie enthält.

25 Jahre später ziehe ich eine schäbige Pappschachtel aus einem Karton im Keller. Die Verpackung zeigt eine elegante Dame im Stil der 50er Jahre und ein seltsames Gerät. Es hat einen klobigen Gummiballon und darauf einen filigranen Glasaufsatz- beste böhmische Glasbläserkunst. Ich weiß bis heute nicht, wofür es gut ist. Petra auch nicht. Als ich aus dem Osten wieder kam, war sie gerade dabei ihre Sachen zu  packen, um zu ihrem Freund zu ziehen. Sie hatte einen lindgrünen Minirock an und sah umwerfend aus. Ich hatte eine Pappschachtel in meiner Tasche und fühlte mich genau so schäbig und wertlos. Jetzt ist die Geschichte erzählt, und ich kann  das Ding endlich wegwerfen.

Here comes the rain again

Draußen vor der Tür macht sich der Frühling bemerkbar. Der Himmel ist himmelblau, die ersten Krokusse schießen aus der Erde und die Vögel kriegen sich gar nicht mehr ein vor Lebensfreude. Und ich sitze zu Hause – und träume vom Regen.

Heute Nacht bin ich aufgewacht , weil ich glaubte das sanfte Rauschen zu hören, mit dem sich ein satter Regenguss ankündigt. Ich ging erwartungsfroh zum Fenster und öffnete es. Doch draußen war es trocken und das Rauschen kam von den landenden Riesenvögeln am nahen Flughafen. Woher die Sehnsucht?

Vielleicht, weil in diesem Winter so wenig vom Himmel kam, kaum Schnee und auch kein richtiger Regen. Ein richtiger Regen ist laut, trommelt auf die Fensterbank und rauscht wie ein Wasserfall. Wenn ich einen solchen Guss zu Hause erleben darf, öffne ich die Fenster und genieße das an- und abschwellende Brausen. Ich kann mich dabei herrlich entspannen. Denn nichts kann ich tun, außer abzuwarten und mich dabei sicher und geborgen zu fühlen.

Wenn mich ein Wolkenbruch draußen erwischt, auf dem Fahrrad oder dem Motorrad, ist er für mich eine Herausforderung. Trotzig stemme ich mich gegen die Naturgewalt , genieße den Kampf und lasse mich nicht unterkriegen. Verächtlich schaue ich auf die Gore-Tex-Jünger am Straßenrand, die noch nicht mal ihrer Regenjacke vertrauen und sich ängstlich unter viel zu kurzen Vordächern verkriechen. Ich trage meine nassen Kleider wie eine Auszeichnung und lasse sie nach dem Gewitter vom Wind trocknen.

Jetzt kommt von irgendwo her ein Gruß aus dem Mutterland des Regens in meinen Kopf: „Here comes the rain again, falling on my head like a memory, falling on my head like a new emotion…“

A new emotion. Vielleicht ist es das, wonach ich mich sehne.

20. März

Also wenn WordPress die klugen Gedanken der Mützenfalterin nicht zum kommentieren frei gibt, setz ich sie hier einfach auf mein Blog, dann könnt ihr eure Gedanken dazu austauschen. Mal sehen wann das allmächtige System von WordPress das merkt 😉