wenn der Regen fällt in der Stadt. Dann sind die Straßen leer. Die Touristen haben sich in die Shopping-Malls geflüchtet und du hast freie Bahn auf der Friedrichstraße von Nord nach Süd. Auch auf dem alten Tempelhofer Flughafen ist niemand, außer du und dein Freund. Im Sturm lauft ihr über das Rollfeld. Es ist wie ein Spaziergang auf dem Deich an der Nordsee. Ihr erzählt euch eure Krankheiten. Auf dem Hinweg werden die rechten Hosenbeine nass, auf den Rückweg die linken. Dazwischen sitzt ihr im Café 108, in dem sonst kein Platz zu finden ist, und putzt euch eure Brillen. Natürlich ist das ein Sommer, an dem die Mopeds Trauer tragen. Aber die Kastanien im Garten haben noch kräftig grüne Blätter wo im letzten Jahr nur noch brauner Mottenfraß war. Auch ich lebe auf. Neue Ideen sprießen.
Auf der Karte sah alles so einfach aus. Wein, Wasser, Sonne. Von Naumburg nach Nebra, den Unstrutradweg entlang. 25 Kilometer mit zwei Elfjährigen. Das müsste doch zu machen sein. Nein, sagten die Elfjährigen, nachdem wir eine flache Teststrecke an der Saale probiert hatten. Das sei zu anstrengend, die Leihräder zu schwer und überhaupt, warum wir nicht einfach noch eine Runde „Siedler von Catan“ im großen sozialistischen Speisesaal unserer Jugendherberge in Naumburg spielen wollten? Doch, entschied ich, Bewegung muss sein, Bildung auch und nachdem meine Söhne neugierig das Nietzsche-Haus erobert und dem Audio-Guide durch den Naumburger Dom gefolgt waren, sollte nun die Himmelsscheibe von Nebra das Highlight werden. Wie alles in diesem Urlaub wurde es ein Kompromiss: Mit dem Rad zum Bahnhof, Zwischenstation in der Eisdiele am Markt (die von Birgit Böllinger empfohlen worden war, und die der eigentliche Grund für unseren Aufenthalt war), weiter mit der Bahn. Als dann auf dem Weg zur Bahn bei mir die Kette absprang, unkte der Zwilling, für den das Glas immer halb leer ist, dass er doch recht gehabt hätte, und dass wir die ganze Geschichte lassen sollten. Das würde bestimmt nicht gut ausgehen. Natürlich sollte er nicht Recht behalten, aber das wollte er noch nicht einsehen. Wie hieß der Nieztsche-Spruch, neben dem mich meine Söhne fotografiert hatten? „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ Eben! Wenn die Aufklärung aller Geheimnisse des Sternenhimmels winkte, durfte kein Wagnis zu groß sein. Deshalb gab es ein Machtwort und wir fuhren los. Doch mehr noch als dem großen Denker ähnele ich Donald Duck, dem Comic-Helden meiner Söhne, dessen mit aufbrausendem Gemüt gefassten Basta-Beschlüsse meist im Chaos enden. Das Chaos begann mit einem Wort, das uns aus Berlin vertraut war: Schienenersatzverkehr. Irgendwo, weit vor Nebra, endete der Zug, den wir mit ukrainischen Familien mit riesigen Einkaufstüten teilten, Ersatzbusse warfen brummend ihre mächtigen Motoren an und wir schaukelten im Halbschlaf weiter an den verwaisten Bahnhöfen vorbei. Irgendwann hörte ich auf, sie zu zählen – und das war ein Fehler. Aus dem Augenwinkel sah ich noch das gelbe Schild mit dem roten Balken über dem Namen Nebra, als ich auch schon vorne beim Busfahrer stand und ihn fragte, wo er jetzt hinführe. „Ich Wangen“, antwortete er und ich verstand schnell, dass die Haltepunkte seiner Linie die wenigen Worte waren, die er auf Deutsch sagen konnte. Aber seine Gesten zeigten deutlich, dass er sich fragte „Ich hab doch alles richtig gemacht. Warum meckert wieder ein Deutscher an mir herum?“ Und dann tat er, was kein deutscher Busfahrer je gemacht hätte: Er hielt mitten auf der Strecke an. „Raus?“ fragte er. Raus! nickte ich und wanderte mit meinen Söhnen auf einer engen Straße zwischen engen Leitplanken eingeklemmt, von Autos gejagt zurück in die Stadt. Immerhin gab es wilde Mirabellen am Straßenrand. Wo es denn zur Himmelsscheibe gehe, fragte ich den einzig lebenden Menschen, der uns ohne Auto begegnete. Ach, sagte der, die sei gar nicht in Nebra, sondern in Wangen. Aber man könne dahin gut laufen, nur 4 Kilometer über den Radweg. „Weißt du überhaupt, in welche Richtung wir gehen müssen?“, fragten mich meine Söhne respektlos, als ich ihnen die Neuigkeit eröffnete. „Um ehrlich zu sein, nein.“, antwortete ich, „Aber ich würde sagen, in die Richtung, in die der Bus gefahren ist. Der wollte ja nach Wangen.“ Die Antwort war ein improvisierter Sitzsstreik auf dem menschenleeren Bahnhofsvorplatz von Nebra. Verzweifelte Anrufe ergaben, dass das einzige Taxi des Ortes gerade unterwegs war. Also blieb uns nichts anderes, als auf den nächsten Schienenersatzverkehr zu warten. Nach einer Stunde erschien der bekannte weiße Bus mir dem bekannten Fahrer. Erleichtert stiegen wir ein. Er würdigte uns keines Blickes, aber alles würde gut werden. Doch nachdem der Bus die Wendeschleife hinter dem Bahnhof gedreht hatte, fuhr er in die entgegengesetzte Richtung weiter -zurück nach Naumburg. „Halt, Halt!“, schrie ich nach vorne. Und wieder tat er, was kein deutscher Busfahrer getan hätte: Er hielt an. „Steht doch dran“, fluchte er, und verwies auf das kleine Schild in der Windschutzscheibe, das einen unbekannten Ort angab. Wahrscheinlich der, an dem wir aus dem Zug mussten. Aber er machte die Tür auf und wir standen wieder auf der Straße. Nur um zu sehen, dass der Bus in der richtigen Richtung gerade an uns vorbei fuhr. „Halt, Halt!“, schrie ich wieder und lief ihm mit winkenden Armen hinterher, Kinder und Anstand vergessend. Und wieder machte der Busfahrer, was kein deutsche Busfahrer getan hätte. Er hielt an, mitten auf der Brücke. „So geht das nicht!,“ knurrte er mich an, als ich außer Atem, mit meinen mir instinktiv hinterhergelaufenen Kindern den Bus betrat. Aber dann grinste er freundlich und hieß uns Platz zu nehmen. Als wir in Wangen ausstiegen, wollte ich ihm einen Fünfer in die Hand drücken, für seine Rettungsaktion. Freundlich lehnte er ab. Wo er herkomme, fragte ich ihn. „Aus Bulgarien“, antwortete er.
Meine Jungs waren ganz aufgekratzt und fröhlich. „Wenn wir mit Papa unterwegs sind, geht immer etwas schief.“, frohlockte der abenteuerlustigere unter den beiden. Zur „Arche Nebra“ mussten wir über eine Brücke, dann ging es dann noch mal einen Kilometer gut bergauf. Natürlich gab es in Wangen an der Busstation dazu kein Schild. Kein Mensch rechnete mit Besuchern, die mit dem Bus kommen. Aber wir sahen sie, das moderne goldene Gebäude, das über dem Dorf mitten auf einem Hügel thronte wie das himmlische Jerusalem. Dann sahen wir den großen Parkplatz und den Biergarten und den Rummel, der um die Himmelsscheibe gemacht wurde. Das war der einfachere Weg. Mit Auto und Navi. Das kann jeder. Wir aber waren auf dem rechten Weg, auf der Himmelsleiter, auf der der liebe Gott die Aufsteigenden ermuntert und den Ermattenden seine Hand reicht auf ihrem mühevollen Weg, der oft über Prüfungen und Umwege führt, sie dafür aber dann zielgenau in den Himmel bringt. Auch wenn man einen an der Scheibe hat.
Es wird mir langsam in meinen eigenen vier Wänden unheimlich. Ich dachte, ich hätte die Sache in den Griff gekriegt, aber die Verluste werden wieder größer. Es fing an mit dem Salzstreuer, der verlässlich jeden Morgen auf meinem Küchentisch stand. Jetzt nicht mehr. Keine Idee, wo er sein könnte. Auf der Spüle habe ich gesucht und im Kühlschrank. Vielleicht auch noch im Bad? Aber was soll ein Salzstreuer im Bad? Im Bad ist er nicht. Aber im Bad fehlt seit ein paar Wochen der Rasierapparat. Vielleicht ist er in der Küche? „Ein Haus verliert nichts.“, war eine der wenigen Weisheiten meiner Mutter, die mich beruhigten, wenn ich als Kind wieder was nicht finden konnte. Ja, alles was ich suche ist bestimmt noch da. Aber wo? Neulich suchte ich die Werkzeugtasche, die mir meine Schwester vor Jahren geschenkt hatte. Ich brauche sie selten und bewahrte sie immer in meiner Altpapierkiste auf, weil ich dann wusste, wo sie war. Aber da war sie nicht mehr, als ich an meinem Moped schrauben wollte. Schwach erinnerte ich mich, dass ich sie an einen neuen Ort geräumt hatte. Ordnung muss sein. Werkzeug in der Altpapierkiste. Wer macht denn sowas? Es war ein Ort, der mir einleuchtend erschien. Hinter dem alten Ölfass, das ich seit Studentenzeiten mit mir rumschleppe? Nein, da stand das Fotostativ. Auch gut zu wissen. Oder über der Speisekammer? Im Keller sogar, da wo das Werkzeug hingehört? Wenn ich die Tasche da hingeräumt habe, werde ich sie nie mehr finden, denn ich habe auch in drei kalten Corona-Wintern nicht geschafft, den Keller aufzuräumen. Oder habe ich sie doch mal mit nach draußen genommen, um auf dem Trottoir an meinem Fahrrad zu basteln und sie dann liegen lassen? Oder hab ich sie irgendwann doch in die Altpapiertonne im Hof gekippt? Langsam traue ich mir alles zu, und das ist schlimm.
Heute Morgen war auch noch meine Mütze da. Keine Schönheit, eine von Karstadt, aber ich hab sie neulich aus dem Schrank gekramt, als ich die teure Ballonmütze von Stetson nicht mehr finden konnte. Jetzt also auch sie. Jedes Jahr verliere ich eine Mütze, von Handschuhen nicht zu reden. Ist das zu glauben? Ich versuche mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Vielleicht schaue ich noch mal in den Fahrradpacktaschen. Ein zuverlässig gutes Versteck, für alles was das Licht scheut. Es wird sich schon alles wieder finden. Meine Taktik ist, erst gar nicht groß mit dem Suchen zu beginnen, sondern hinzunehmen, dass das Ding nicht da ist. Irgendwann taucht es wieder auf, ganz unvermutet und an einem Ort, an den ich nie gedacht hätte. Das ist schön. Ich bin ein Sachenfinder, kein Sachensucher. Mit einem zufriedenen Brummen stelle ich dann das verloren geglaubte Haushaltsmitglied an den Platz, an dem ich es zu finden erwarte. Alles noch mal gut gegangen. Aber die Suchliste wird immer länger. Vielleicht sollte ich den Vermisstendienst des Roten Kreuzes mal in meine Wohnung lassen oder berüchtigte schwarze Löcher wie das Kinderzimmer mal gründlicher unter die Lupe nehmen. Ach, was soll’s, spätestens wenn ich hier ausziehe, ist alles wieder da. Oder auch nicht. Aber bis dahin weiß ich wahrscheinlich nicht mehr, dass ich das Ding je gesucht habe. Das Alter hat auch sein Gutes.
Wolken machen mich froh. Da bewegt sich was am Himmel, das es gut mit uns meint. Wolken sind selten geworden. Meist haben wir hier diesen gnadenlos blauen Himmel, der einen verbrennt, der einen nach Schutz und Schatten suchen lässt. Lichtschutzfaktor 50 ist Pflicht. Ich habs lange nicht glauben wollen. Noch schöner ist’s wenns regnet, ins vertrocknete Gras, auf die klebrigen Pflastersteine und in die stinkenden Gullys. Dann hab ich für einen Moment das Gefühl, es wird alles wieder gut. Mit dem Klima, mit der Welt und dem Leben. Wenns so eine Sturzflut gibt wie heute kann man nichts machen, außer am Fenster stehen und staunen, und den Termin beim Optiker absagen, weil man nicht weiß wie lange das dauert und wann man wieder rausgehen kann. Früher hätte ich gewusst: in fünf Minuten ist das vorbei. Heute halte ich alles für möglich. Die Keller laufen wieder voll, bestimmt. Einfach nur regnen, das geht nicht mehr. War dann aber doch nach fünf Minuten vorbei und ich hab mich aufgemacht. Und weil ich keine Regenjacke hatte, obwohl für heute Gewitter angekündigt worden war, was ich aber nicht glaubte, weil es in den letzten Jahren fast nie geregnet hat, wenn Regen angesagt wurde, bin ich schnell in die U-Bahn. Die kam aber nicht. Witterungsbedingt. Also bin ich doch mit dem Rad gefahren. Der Regen war auch schon wieder vorbei und alles war dunstig und warm. Zu Hause sah ich, dass ich das Fenster aufgelassen hatte. Ist aber nichts in Zimmer reingekommen. Heute ist ein Glückstag. Denn wenn der Regen in die Wohnung gelaufen wäre, hätte ich viel Ärger bekommen.
Drei Kilometer mit dem Rad musste ich heute fahren. Drei Kilometer in der Hoffnung, einen Laib Brot zu ergatterten. Drei Kilometer am Samstagmorgen mit knurrendem Magen. Und dann das! Eine lange Schlange vor dem Bäcker. Alte, Frauen, Kinder und viele junge Mützenträger mit Bart und junge Frauen mit Dutt warteten von der Bushaltestelle bis zum Ladeneingang geduldig im korrekten 1,5 Meter Coronaabstand (gelernt ist gelernt) vor der puritanisch schmucklosen „Hansi-Brot“-Bäckerei. Sollte ich mich anstellen? Was ist los in Berlin? Ist das Brot knapp? Haben die Russen wieder eine Blockade über die Stadt verhängt? Oder hat der Streik auf den Flughäfen und bei Bahn zur Lebensmittelknappheit geführt? Kommt das Brot für Berlin eigentlich noch mit Rosinenbombern? Ja, manchmal schon, wenn man ordentliches Brot haben will. Die Verkäuferin in der Filiale der Münchner Bäckerkette „Hofpfisterei“ in Berlin-Mitte verriet mir, dass die „Teiglinge“ für die rustikalen, bayerischen Bauernbrote täglich frisch mit dem Flieger von München nach Berlin kommen. Sie sagte das nicht mit schlechtem Gewissen, sondern mit Stolz über die bayerische Backkunst. Ist Berliner Bäckern zu misstrauen? Um ehrlich zu sein: Ja! „Was Berliner Bäcker backen, backen andere Bäcker besser“, stabreimte snobistisch der Berliner Schriftsteller Max Goldt als noch die Mauer stand und verlegte sich dann auf Knäckebrot. Was dann nach der Maueröffnung aus dem Osten dazu kam, kam aus Brotfabriken und war nicht viel besser. Obwohl auch ich der sagenumwobenen, kompakten „HO/Konsum/Ost-Schrippe“ nachtrauere. Lange Zeit waren dann die dunklen, schweren Kastenbrote aus Vollkornmehl, die in den Bio-Läden und Bio-Bäckereien im alternativ-grünen Kreuzberg entstanden waren, die einzige Alternative zu der geschmacklos- trockenen Massenware, die aus den Regalen der Billig-Backfilialen von Kamps bis Thoben zu Recht nach Feierabend den Schweinen vorgeworfen wurde. Doch dann kam Hansi.
Hansi, der eigentlich Johann heißt und eine gewisse Ähnlichkeit mit Prince Henry hat, brachte neues Leben in einen leerstehenden Eckladen, in dem sich viel zu lange ein trauriger, schmuddeliger Dönerladen mit Spielautomat gehalten hatte. Anwohner hatten an das leere Schaufenster geschrieben „Hier bitte nicht noch einen Hippster-Laden“, denn die Tegler Straße in der Nähe der Hochschule für Technik hat sich zu einer Kneipen- und Café-Meile im Wedding entwickelt. Hier gehe ich manchmal hin, wenn mir die Hektik und das Elend des Wedding zu viel wird, wenn ich mich fühlen will wie im schicken Prenzlauer Berg. Und um Brot zu kaufen. Denn Hansi hat sein Handwerk bei der Bio-Bäckerei „Beumer und Lutum“ gelernt, in deren kleinem Laden in der Kreuzberger Wrangelstraße, ich mich in den 90er-Jahren flüchtete, wenn mir die Ost-Tristesse in Alt-Treptow (Laubenpieper, Penny und Aldi) zu öde wurde. Und er hat daraus was Neues gemacht. Statt es wie seine Lehrmeisterin zu machen, die inzwischen ein kleines Berliner Bio-Backwaren-Imperium leitet, ist er zurück zu den Wurzeln: Ein Laden, vier, fünf Brotsorten in Handarbeit und ein bisschen Kleingebäck. Eins leckerer als das andere und keinen Kaffee in der Bäckerei. Und: Öffnungszeiten, die sich nicht an der Kundschaft orientieren. Offen ist nur an vier Tagen in der Woche und auch erst ab 9 Uhr. Die jungen Leute legen halt Wert auf eine gute Work-Life Balance. Unnötig zu sagen, dass nur so viel Brot gebacken wird, wie der Meister es für nötig hält und dass man als „Nine to five“-Büromensch deshalb auf dem Weg zur Arbeit vor verschlossenem Laden und abends auch mal vor leeren Regalen steht. „Willst du was gelten – mach dich selten.“ Das Konzept geht auf. Es weckt den Jagdinstinkt in mir. Eins von den Luftig-knusprigen Hansi-Broten zu ergattern, extra den Weg zur abgelegenen Bäckerei in seinen Tagesplan einzubauen, macht die Beute um so wertvoller. Und man hat lange was davon. Ein echtes Sauerteig-Brot hält sich eine Woche.
Aber heute ist mir das zu blöd. Es ist der erste Tag mit blauem Himmel seit Wochen und mir ist die Zeit zu schade, mich in eine Schlange zu stellen. Außerdem fühle ich mich ertappt. Mein Geheimtipp hat sich herumgesprochen. Ich bin umringt von Leuten, die wie ich 6,60 Euro für ein Kilo Brot ausgeben können. Ich gehöre zu den Snobs, zu den „Geschmäcklern“ wie ein Freund, selbst ein Schnösel, das mal nannte. Aber ich habe eine Alternative. Die einzige gute Alternative zu gutem Brot ist: kein Brot. Hatte ich nicht vor Ostern eine Low-Carb-Diät gemacht (und Spaß dabei)? Hatte ich dabei nicht erlebt, dass man auch ohne Brot frühstücken kann? Eiweiß ist das Brot des Reichen. Also zurück ins kleine türkische Café bei mir um die Ecke. Es bietet fünf verschiedene Sorten von Rührei. Das ist so was von Low-Carb. Aber heute ist bei den Muslimen Zuckerfest. Als ich durch die Tür komme, stürzt eine Horde glücklicher Kinder aus dem Laden, in beiden Händen was Süßes. Die Inhaberin hat einen kleinen Tisch aufgebaut, an dem die Kinder sich heute frei bedienen dürfen. Für meine Kinder, die hier morgens immer Brötchen kaufen, wenn sie bei mir sind, soll ich mir ruhig auch was einstecken, ermuntert sie mich. Ich lehne ab (die Kerle kriegen ja schon Süßes genug) und bestelle mein Frühstück. Ungefragt stellt sie mir zum Kaffee in der frühlingsbunten Tasse einen süßen Hefezopf dazu, damit ich auch was vom Zuckerfest habe. Aufbackware aus Polen und bestimmt kein Low-Cab, aber ich schmecke die Liebe.
Wir sitzen zusammen im Auto. Er hat den alten Kombi an die Seite gefahren. Der Motor schnurrt weiter, aber es wird still, denn er hat aufgehört zu erzählen. Er hat mich wie immer zum Bahnhof gebracht, aber ich habe noch nicht gemerkt, dass unsere gemeinsame Fahrt vorbei ist. Ich will, dass es weitergeht. Seit Stunden höre ich ihm zu. Und ich erwarte, dass er die letzte Geschichte zu Ende erzählt. Aber für ihn ist Schluss. „Und was habt ihr gemacht, als dann die Polizei kam?“, frage ich, wie ich seit Stunden immer wieder frage, um immer neue Geschichten aus ihm herauszulocken. Ich will mehr als seine Stammtischsprüche und die abgeschliffenen Worte, mit denen alte Männer die Heldentaten ihres Lebens erzählen. Aber jetzt kommt nichts mehr. Es muss was mit der Nachricht auf seinem Handy zu tun haben, auf die er jetzt gehetzt schaut. Von seiner Frau? Vor Verwirrung vergessen wir, uns mit einem kräftigen Handschlag zu verabschieden, wie wir es sonst tun. Ich stehe auf dem kalten Gehweg und er dreht den Wagen auf die öde Brandenburger Landstraße. Dabei waren wir eben noch in der Pizzeria im alten West-Berlin wo vor fast fünfzig Jahren sechs Rocker seine Freundin (Weeste, die sah verdammt jut aus, ne echte Puppe) blöd angemacht hatten. Und er und sein Kumpel sind, na klar, mit den Kerlen vor die Tür, und dann gab’s Schläge, bis dreie auf der Straße lagen. Na klar, ein Kerl wie Bernd lässt sich nicht verarschen. Und Bernd gewinnt immer.
Zu Bernd, der natürlich nicht Bernd heißt, fahre ich mindestens einmal im Jahr. Durch ganz Berlin bis in den Süden, irgendwo zwischen Autobahnkreuzen, zwischen dem Berliner Ring und dem neuen Flughafen, in den schäbigen Hallen der ehemaligen Motoren-Traktoren-Station hat er seine Werkstatt. Bernd ist mein Schrauber. Wer, wie ich, ein vierzig Jahre altes Motorrad am Laufen halten will, brauch jemand wie Bernd. Einen, der sich noch auskennt mit der alten Technik italienischer V-Motoren, der einen beruhigt, wenn man mal wieder leerer Batterie irgendwo liegengeblieben ist und der einem, wenn mitten in der Hochsaison, eine Woche vor der geplanten großen Tour nach Italien, Öl vom Zylinderfuß tropft, sagt, dass man sofort vorbeikommen kann. Aber Bernd ist auch eine Diva. Er entscheidet, was für mich und meine Maschine gut ist. Wenn ich einem neuen Drehzahlmesser will, bekomme ich gesagt: „Wer eine Guzzi fährt, braucht keinen Drehzahlmesser, der hört auf den Motor.“ Und wenn ich verchromte Blinker haben will, baut er schwarze dran, weil er die noch auf Lager hatte. Er ist der Meister, ich der Eierkopf. Aber ich weiß, dass ich bei ihm in guten Händen bin.
Aber auch ein Mann wie Bernd braucht Trost. Von Anfang an war seine Ansage: „Wenn de hier vorbei kommst, musste ooch Zeit mitbringen zum Quatschen.“ Und weil ich so bin wie ich bin, werden es bei uns keine „Benzin-Gespräche“ unter Motorradfahren, sondern habtherapeutische Beziehungsgespräche. Bernd will reden. Seit mehr als zehn Jahren klagt mir Bernd sein Leid. Zwei gescheiterte Ehen, eine schmutzige Scheidung, bei der er sein ganzes Vermögen verlor, der Sohn, der mit Mühe und der Unterstützung des Vaters gerade mal so die Ausbildung als Kfz-Schlosser geschafft hat und jetzt auf Abwegen im türkisch-arabischen Kiffer-Milieu von Kreuzberg herumlungert. „Kriegt nix Ordentliches auf die Reihe.“, sagt Bernd und ich weiß, dass ihm das halbseidene Herumgewurschtel seines Sohnes schwer zu schaffen macht. Aber auch meine Geschichten kennt Bernd: Die Zwillinge und ihre Mutter waren schon in seiner Werkstatt, als er noch die Motorradfahrer zum Saisonende zu seinen Feiern einlud, für die er seine Werkstatt liebevoll dekorierte. Er hat unseren Polo gekauft, als wir für die Jungs ein größeres Auto brauchten (er läuft heute noch) und er hat meine ganze Geschichte mit der Trennung und dem Umzug mit väterlichen Ratschlägen begleitet.
Das ist lange her. Heute erzählt nur noch Bernd. Und seit heute weiß ich Sachen über ihn, die ich lieber nicht wissen wollte. Oder doch? Dass Bernd in seiner Jugend selber Rennfahrer mit einem hochgezüchteten Rennboliden war, wusste ich. Aber bisher dachte ich, dass er sich diese teure Leidenschaft mit dem Reparieren und Frisieren anderer Sportwagen verdient hat. Dass seine Kunden Rechtsanwälte und Bordellbetreiber aus der West-Berliner Unterwelt waren, die sich die großen Geldscheine, die ihre Frauen für sie verdienten auf Tabletts servieren ließen, um sie dann achtlos unter das Bett zu werfen, wusste ich auch. Aber heute erzählte er mir, dass er nicht nur für „den dicken Hartmann“ gearbeitet hat, in dessen Puff sich Berliner Senatoren mit Baulöwen und Immobilienhaie trafen, sondern auch als Schläger für einen Spekulanten. Mit einem Grinsen im Gesicht erzählt er mir von einem Angriff auf ein besetztes Haus, das die Polizei nicht räumen durfte. Ein Schuss mit einer abgesägten Schrotflinte habe gereicht, um die Besetzer zu vertreiben. Und als die Polizei kam, von den Besetzern gerufen, habe man sie gemütlich begrüßt. Das Gewehr war natürlich nicht mehr zu finden. Bernd kann keener. Vor meinem Auge entsteht eine Welt von breitschultrigen Männern mit langen, fettigen Haaren und Schnurrbart, Kerle in Lederjacken und Cowboystiefeln. Die 70er-Jahre „Johnny Controletti“-Unterwelt von der Udo Lindenberg noch heute singt. Von Kurierfahrten nach England erzählt er, bei denen er auf der Rückfahrt im Lüftungskasten seines Lieferwagens Yorkshire-Terrierwelpen geschmuggelt habe. Ohne Papiere natürlich. Die habe ihm ein Tierarzt auf der Rennbahn Marienfelde besorgt, für den er einen Porsche Carrera aufgemotzt habe. Und die Hunde habe er für das Dreifache an die Mädchen im Puff vom dicken Hartmann verkauft. Kleine, bauernschlaue Geschäfte, schmutzige Tricks und plumpe Gewalt. Bernd gewinnt gegen den Rest der Welt. Und kein schlechtes Gewissen. Das was er heute ablegt ist keine Lebensbeichte, sondern klingt wie ein genüsslicher Monolog über große Taten und Jugendsünden. Er ist stolz auf all das, was ihn heute bei seinem Sohn zur Verzweiflung bringt.
Was fange ich an mit diesen Geschichten? Eigentlich ist es eine Groschenheftgeschichte, ein B-Movie aus den 70ern „Wilde Kerle, heiße Mädchen, schnelle Motoren“. Aber es ist eine halbwegs wahre Geschichte aus dem wirklichem Leben. Ich liebe solche Geschichten und ich glaube, Bernd wäre nicht abgeneigt, wenn ich ihm anbieten würde, sie aufzuschreiben. Aber ich will sein Ego nicht noch mehr pampern. Und ich weiß, dass Bernd mich bescheißt, so wie er alle bescheißt. Nicht nur bei den Reparaturen, wenn er teure Spezialteile ausbaut, und gegen Standardware tauscht, sondern auch bei den Geschichten. Ich fahre nicht mehr gerne zu Bernd, denn das Erzählen funktioniert nur, wenn ich mich selbst völlig zurücknehme. Nach den Erzählungen fühlt er sich groß und ich mich klein. Was habe ich schon zu erzählen, wenn ich den zu Wort käme? Was passiert, wenn ich ihm sage, dass ich ihm die Räuberpistolen nicht glaube? Ich mache mich abhängig von Bernd. Das Motorrad habe ich mir mal gekauft, um mit Männern wie ihm in Kontakt zu kommen. Von Kerlen wie ihm akzeptiert zu werden. Aber in dieser Welt gibt es zu viele Kerle mit zu großer Klappe, die denken, dass sie machen können, was sie wollen. Und sie suhlen sich in meiner Bewunderung. Aber ich mache auch mein Geschäft. Ich lasse zu, dass er sich wie ein Kietz-König fühlt, damit er einen Deal mit dem TÜV-Ingenieur macht, und ich meine Plakette kriege. Kleine, miese Geschäfte. Wird Zeit, dass ich das Motorrad verkaufe. Aber nicht an Bernd.
Wie ein Fisch im Wasser und trotzdem nach Luft japsend, so komme ich mir gerade vor. Das Foto hat mein Jüngster gemacht, mit dem ich heute im Zoo war. War wunderbar und wahnsinnig zugleich. Aquarien können eine wunderbare Ruhe ausstrahlen, die Balsam für die Nerven ist. Aber wieso treffen sich alle Berliner und Brandenburger Familien am Samstag um 14 Uhr im Aquarium des Zoos? Und warum dürfen sie Kinder in Fahrradanhängern (den doppelt breiten) mit in das Haus bringen? Warum nicht gleich ganze Lastenräder? Und warum gehen sie nicht raus, wenn die Kinder in den Anhängern aufwachen und in der Dunkelheit anfangen zu schreien? Können Fische hören? Leiden sie so wie ich? Ich fühle mich ihnen sehr nahe. Mit weit aufgerissenen Augen alles sehen, aber nichts sagen können.
In der Cafeteria wird der Klangteppich noch durch eine Stereoanlage übertönt. „Muss das sein?“, schreie ich den kinnlosen Mann hinter der Theke an. „Manche beschweren sich, weil es nicht laut genug ist.“, blafft er zurück. Für einen Euro im Trinkgeldbecher schaltet er die Höllenmaschine aus, solange mein Sohn an seiner Laugenbrezel knabbert. Ich weiß nicht, wie wir von den Fischen auf die Goldringe seiner Großmutter kommen, aber Gold scheint ihn zu beschäftigen. Und die Großmutter hat es auf drei Eheringe gebracht. Wer denn die Goldringe kauft, will er wissen. Na der Mann, der die Frau heiratet. Und was bringt die Frau mit, fragt er. Na sich selbst und die Aussteuer. Das ist nicht mehr ganz uptodate. Aber was soll ich machen? Bei 100 Dezibel Schalldruck gehen die Feinheiten etwas unter. Was Aussteuer ist? Na, so Sachen, die man für den Haushalt braucht. Was, empört sich mein Sohn. Ich muss einen Ring kaufen und kriege einen Staubsauger dafür? Es ist nicht einfach heutzutage, den Kindern die Wunder der Liebe zu erklären und sowieso alles einfach etwas viel zur Zeit. Nirgendwo kommt man zur Ruhe. Drei Tage hatte ich mich über den Frauentag nach Leipzig gerettet. Leipzig, mon amour. Wie viele beglückende Tage und Nächte habe ich hier verbracht? Aber bei meinem Freund rausche ich in das Abschiedsfest der ukrainischen Familie, die er vor ein paar Monaten aufgenommen hat. Sehr rührend, aber eher sehr schwierig mit der Unterhaltung. Das Deutsch ist noch nicht gut, mein Russisch tabu und es ist nicht die Stimmung für Small Talk. Am Abend danach läd mich mein Freund zu etwas ein, das er als „lustige Show“ verkauft, was aber, es ist Frauentag, ausnahmsweise eine Lesung einer lesbischen Autorin ist, die sich mit ihrem Orientierungsschwierigkeiten in der queeren Szene literarisch auseinander setzt. Die Stimmung ist heiter und wir sind auch nicht die einzigen Männer, aber wirklich entspannend ist der Abend nicht. Denn wir sitzen in der ersten Reihe. Hier sollte ich als alter weißer Mann besser nicht an der falschen Stelle lachen. Aber was will ich klagen? Wir finden sogar anderntags noch ein paar Stunden in denen der Schneeregen nicht waagrecht durch die Straßen pfeift und wir mit unseren Rädern dem störrischen Winter eine Exkursion durch unbekannte Orte in den Saaleauen abtrotzen. Waren Sie schon mal in Bad Dürrenberg? Ganz in der Nähe kommen wir an einer verlassenen Kirche vorbei, auf deren Kirchhof man sich jetzt in einer mystischen nordischen Steinspirale beisetzen lassen kann. Ich merke mir das. Es scheint ein ruhiger Ort zu sein.
So langsam bastele ich mir mein Jahr zusammen. Klötzchen für Klötzchen stapele ich aufeinander und schaue zu, wie der schöne Bau jedesmal wieder in sich zusammenfällt. Dann baue ich ihn wieder auf und kann sicher sein, dass wieder was Neues kommt, was die Sache zum Wackeln bringt. Ganz sicher war ich mir, dass ich mit meinen Jungs diesen Sommer ins Yoga-Ferienlager in die Uckermark fahre, wie wir das die vergangenen drei Jahre gemacht haben. Jetzt haben wir die Winterferien zusammen verbracht, und wir waren alle nach einer Woche froh, dass es vorbei war. Nie wieder mit drei Grundschülern bei Dauerregen eine Woche in einem geschlossen Raum (auch wenn der Raum ein großzügiges Ferienhaus war). Ich vergesse manchmal, dass meine Nerven in den letzten Jahren ziemlich dünn geworden sind. Zum Glück habe ich nicht nur Söhne, sondern auch Ärzte, die mich daran erinnern, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Nach dem Besuch bei der Orthopädin war auch der Plan, im Herbst eine lange Wanderung zu mir selbst zu machen gestrichen. Und statt meine bekannten Malaisen zu heilen, fand sie gleich eine neue. Vielleicht sollte ich mich an betreutes Reisen gewöhnen. Zumindest einen, der meinen Rucksack mit dem Auto voran fährt, sollte ich mir leisten.
Kann man in meinem Alter überhaupt noch Pläne machen? Nein, aber ich will dieses Jahr etwas anders machen als all die Jahre davor. Mich nicht von den Ereignissen treiben lassen. Ich höre die Uhr ticken: Noch 10 gute Jahre. Irgendwas muss ich anders machen. Ein neuer Versuch, wieder ein Klötzchen. Gespräch mit der Personalabteilung. Raus aus der Tretmühle. „Das können Sie sich selber ausrechnen.“, sagt die Kollegin. „Ab 63 und mit 15 Prozent Abzug“. Da brauche ich nicht lange zu rechnen. Meine Miete ist an die Inflation gekoppelt. 10 Prozent mehr sind es ab diesem Monat. Und die Jungs wollen alle ein Handy. Neidvoll verabschiede ich am gleichen Tag eine Kollegin in den Vorruhestand. „Freistellungsphase der Altersteilzeit“ nennt sich das. Sie ist der letzte Jahrgang, der diesen „goldenen Handschlag“ bei uns bekommen kann. Aber vielleicht kommt es ja ganz anders. Vielleicht werde ich ja unverhofft reich. Als Kind glaubte ich immer daran, einen reichen Onkel in Amerika zu haben, der mir mal sein Geld schenken würde. Und ein bisschen so war es, als ich mitten in der Tristesse des Brandenburger Ferienhauses eine großartige Nachricht bekam. Eine Zeitung hatte Interesse an einem Beitrag, den ich für unser Kiez-Magazin geschrieben hatte. Die Honorartabellen waren berauschend. 15 Cent pro Zeichen. Es brauchte eine Weile, bis ich mit meinen Jungs stolz ausgerechnet hatte, dass das fast 50 Euro sein könnten. 50 Euro für nix. Gleich lud ich sie großzügig in das Restaurant der Ferienanlage ein. Endlich Schluss mit den selbstgekochten Nudeln mit Pesto. Ein doppeltes Schnitzel für den Vater, Hähnchenbrust mit Pommes für die Kinder. 80 Euro stand am Ende auf der Rechnung. Ich hatte die Inflation vergessen und kam mir ein wenig vor wie Donald Duck, der Held der „Lustigen Taschenbücher“, die meine Kinder pfundweise verschlingen. Der verprasst das Geld auch immer, bevor er es verdient hat. Und am Ende muss er bei Onkel Dagobert wieder Schulden abarbeiten. Seit einer Woche bin ich wieder brav im Büro. Aber ich mache weiter Pläne.
Panzer haben was Beruhigendes. Wie alle Deutschen bin ich Panzerexperte. Ich kenne sie alle von Kindsbeinen an. Die Tiger; Panther und Leoparden. Es gab auch einen, der hieß „Maus“. Der war der Größte von allen. Es gibt ein Bild von mir unter dem Tannenbaum, da habe ich einen Panzer aus Blech in der Hand. Das war `65. Dann las ich viele „Landser“-Heftchen, die die Taten der deutschen Soldaten verklärten und erfuhr, wie man einen Russenpanzer mit einem Bündel Handgranaten „knackt“. Natürlich nur die Russenpanzer, die deutschen waren per se unverwundbar. Jetzt höre ich einem der vielen Ex-Bundeswehr-Generäle bei YouTube zu und schlafe dabei fast ein. Alles klingt so wohlvertraut. Bis der Satz kommt, auf den ich gewartet habe: „Es stimmt einen schon bedenklich, dass 60 Tonnen Stahl heute durch eine einzige Drohne in einen Haufen Schrott verwandelt werden kann.“ Sind die Leoparden also doch keine Wunderwaffen? Ist das alles nur ein Kinderglaube? Sind sie nur aus der Zeit gefallene Kolosse, die für ihre ukrainischen Besatzungen zum „ehernen Grab“ werden? (Panzerlied der Bundeswehr, Original von 1935, gesungen bis 2017).
Egal. Scholz hat was ins Rollen gebracht. Einen Tag nach den Panzern reden die Ukrainer schon über Kampfflugzeuge. Flugzeugexperte bin ich übrigens auch. Von der Messerschmitt bis zum Eurofighter.
Aber vielleicht schlafen wir noch mal eine Nacht drüber.