Hauptstadtprosa

Foto: Gerd Danigel aus der Ausstellung „40 Jahre Fotogalerie Friedrichshain“ https://fotogalerie.berlin/austellungen/aktuell

V: Wann ist der Elternabend?

M: Heute um 18 Uhr.

V: Dann bin ich halb sechs bei dir und passe auf die Jungs auf.

M: Wie kommst du?

V: Mit der S 8.

M: Die S 8 fährt bis Ende September nicht. Komm mit der S 1 direkt zur Schule. Dann kann ich dir die Autoschlüssel geben. Dann kannst du eine halbe Stunde chillen und dann die Jungs direkt vom Sport abholen. Schau aber nach ob die S-Bahn wirklich kommt. Mit der S1 bin ich gestern stecken geblieben. Hat drei Stunden gedauert. Stellwerkprobleme.

V: Die Jungs gehen zum Sport?

M: Ich bin mir nicht sicher, ob sie gehen oder wieder in ihren Zimmern rumgammeln. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen mit ihren Fahrrädern fahren.

V: Wenn die Jungs mit den Fahrrädern fahren, dann nehme ich auch das Fahrrad mit und komme zur Sporthalle, dann fahren wir zusammen zurück.

M: Bin mir gerade nicht sicher, ob sie die Räder nehmen. Nimm lieber das Auto.

V: Ich fahr nicht gern mit dem Auto. Und wie kommst du dann zurück?

M: Wird schon gehen, vielleicht mit dem Bus.

V: Fährt dann noch einer? Ich hab keine Lust, erst die Jungs und dann dich abholen zu fahren.

M: Du kannst auch mit der S-Bahn kommen und direkt zum Sport gehen und dann kommt ihr alle mit dem Bus.

V: Vielleicht will ja auch nur einer zum Sport. Dann komme ich mit dem Moped zur Sporthalle. Einen Sturzhelm hab ich für Hintendrauf.

M: Du kannst ja auch mit dem Moped zu mir kommen und ich nehme dich dann mit dem Auto mit zur Schule.

V: Und ich krieg die Schlüssel, hol die Jungs mit dem Auto ab und dann komm ich mit dem Moped zu dir zur Schule.

M: Auf das wacklige Ding steig ich nicht auf.

V: Ach komm! Wir haben doch schon ganz andere Touren miteinander erlebt.

M: Nein! Am besten kommst du mit dem Moped hierher und wir sehen weiter. Dann kommst du auch wieder zurück nach Berlin, wenn die S-Bahn nicht fährt.

V: Und wann? Ich brauche mindestens eine halbe Stunde zu euch.

M: Ich ruf dich noch mal an. Aber vergiss auf keinen Fall, drei Brötchen mitzubringen. Das ist unser Ritual nach dem Sport.

V: Mach ich ja nicht zum ersten Mal

M: Ich sag‘s ja nur…

Mein kleiner grüner Kaktus

War ein wildes Wochenende. Fing damit an, dass mein Sohn, jetzt 13, zum ersten Mal allein mit der S-Bahn zu mir gekommen ist. Na ja, fast. Eigentlich muss man drei Mal umsteigen, und bevor er mir dabei verloren geht, hab ich ihn beim ersten Umsteigebahnhof abgeholt. Aber immerhin. Ein erster Schritt. Für ihn und für mich. Und als wir am nächsten Tag von der Bibliothek kommen ist auf dem Sportplatz in unserem Viertel ein Fußballfest. Der 3. Africacup Berlin. Stand nirgendwo – außer bei Instagram, aber da bin ich nicht. Aber eine Menge los. Alles junge Leute mit afrikanischen Wurzeln. Und obwohl das Viertel in dem ich wohne das Afrikanische Viertel ist und an der Afrikanischen Straße liegt, habe ich noch nie so viele schwarze Menschen meinem Viertel gesehen. Und so gut gelaunt. Fußball war Nebensache (ist es sowieso), es war mehr Party und ein stolzes Zusammenkommen der Community. Damit das alle in meinem Viertel erfahren bin ich schnell nach Hause und hab meinen Fotoapparat geholt. Dann habe ich den Jungs am Eingang gesagt, dass ich von der Presse bin und wir haben VIP-Bändchen bekommen, in Gold, mit dem Buchstaben VIP drauf. Das hat meinem Sohn natürlich gefallen. Ich hab wild geknipst aber das Eigentliche hab ich mich nicht getraut: Die vielen unterschiedlichen Gesichter. Ich hätte fragen müssen, die Spieler und die Spielerfrauen, die Köche an Ständen mit den frittierten Kochbananen und den Fischen. Hab ich aber nicht. Aber ein bisschen Atmo kommt hoffentlich doch rüber.

Dann hat es angefangen zu regnen und wir sind nach Hause gegangen. Ich hab den Artikel für unseren Kietz-Blog getippt und mein Sohn hat die Comics gelesen, die er aus der Bibliothek mitgebracht hat. Dann haben wir die Kochbanane gebraten, die wir uns mitgenommen hatten. Mein Sohn hat sie tapfer probiert und ich hab den Rest gegessen – mit Pflaumenmus, passt ganz gut mit den ganzen Nelken und dem Zimt dadrin. Nächsten Tag sind wir ins Kino gegangen in einen Zeichentrick über Außerirdische, die dicke Panzer anhaben aber darunter kleine Würmer sind. Im Kino lernt man was fürs Leben. Mein Sohn hat gelernt, dass er beim nächsten Mal nicht wieder einen ganzen Eimer salziges Popcorn bestellt, den hat er nämlich doch nicht geschafft. Ich hab ihn dann wieder in die S-Bahn gesetzt und bin zu meiner großen Tochter gefahren. Die wohnt in Neukölln, das ist am anderen Ende der Stadt, aber was macht man nicht alles. Sie hat gesagt, ihr Fahrrad sei kaputt. Also hab ich Werkzeug eingepackt. Aber als ich angekommen bin, ging es gar nicht um das Rad, sondern um die IKEA-Küche, die sich über eBay gebraucht gekauft hatte. Aber das war keine Küche sondern eine Ansammlung von weißen Würfeln aus Presspappe und Blech. Aber sie hat gewußt, wie das zusammengehört. Und obwohl ich noch nie eine Küche zusammengebaut habe, und obwohl wir uns erst mal bei der Nachbarin mit den zottligen rotgefärbten Haaren eine Wasserwaage leihen mussten (meine Tochter dachte, das geht auch mit dem iPhone, ging aber nicht) haben wir das in zwei Stunden so einigermaßen hingestellt. Wir waren richtig stolz auf uns. Das Fahrrad haben wir auch noch repariert und ich hab meiner Tochter die Luftpumpe dagelassen, denn Luft war das Einzige was fehlte. Dann bin ich noch zu meiner ehemaligen Kollegin nach Kreuzberg gefahren, das ist um die Ecke, die in der SPD ist. Wir haben eine Flasche Sekt geleert und uns überlegt, wie das weitergehen kann mit der SPD. Ich bin nicht in der SPD, aber wir haben viele Jahre zusammen politisch gearbeitet, und wenn man helfen kann… Wir sind aber auf keine Idee gekommen auf die nicht Frau Reichinek oder Frau Wagenknecht auch schon gekommen sind. Trotzdem bin ich nach Mitternacht ziemlich fröhlich zurückgeradelt. Auf der Friedrichstraße war die Polizei noch dabei, die letzten Herumtreiber von „Rave the Planet“ zusammen zu sammeln, die auf einem Baugerüst des ehemaligen Kaufhauses Lafayette turnten. Ich glaube, ich habe da nix verpasst.

Und warum kleiner grüner Kaktus? Weil ich, als mein Sohn auf dem Sofa seine „Brainrot“-Filmchen geguckt hat, einfach auf mein Balkon gegangen bin. Da steht ein Blumentopf in den ich ein Tütchen Wiesenblumen gesäht habe, die ich mal als Werbegeschenk vom Behindertenbeauftragten der Bundesregierung geschenkt bekommen habe – nicht persönlich natürlich, aber sein Logo und der Bundesadler waren auf der Verpackung. Nicht alles was die Regierung säht, gedeiht, aber die Blumen stehen mittlerweile in voller Blüte – immer eine Sorte nach der anderen. Und weil die Schönheit so vergänglich ist, habe ich meine Kamera genommen, das Objektiv verkehrt herum draufgeschraubt (so kriegt man ein improvisiertes Makro-Objektiv- hab ich bei You Tube gelernt) und bin ganz nah dran gegangen. Man muss sich ein bisschen konzentrieren und etwas Geduld haben, aber das ist ja das Entspannende. Ich mag es, wenn die Bilder etwas enthüllen, was mit bloßem Auge nicht zu sehen ist, eine eigene Welt und es gefällt mir auch, dass die Blüten, anders als die Smartphone-Fotos, ein bisschen unscharf werden, und wirken wie eigene Wesen. Na ja, schaut selbst.

Der Mann mit dem Blauhelm

Am EDEKA an der Müllerstraße. Vorne hat die CDU einen Info-Stand aufgebaut. Vier Männer und eine Frau verteilen „Wir in Mitte“. Einer mit Backenbart isst ein Frikadellen-Brötchen vom Bäckereistrand und schaut genervt auf seine Armbanduhr. Es ist 11:30 Uhr. Drinnen schiebt eine dicke Frau im weiten Kattundruck-Kleid einen leeren Einkaufswagen vor sich und zieht einen Hackenporsche hinter sich durch den Gemüsestand. Sie redet mit einem jungen EDEKA-Mann mit hell gebleichten Haaren und Schnurrbart, der vor dem Regal kniet und irgend etwas umräumt. „Ich komm hier nicht durch.“, nölt sie. „Ich kann hier nicht weg, ich räume um, das sehn sie doch.“ blafft der zurück. Langsam trollt sich die Dame und läuft um das Regal herum. Ich verschwinde zwischen den Regalreihen und als ich wieder auf den Gang zurück komme, zucke ich zusammen. Vor mir steht ein Gespenst. Ein steinalter Mann ohne Zähne mit eingefallenem Gesicht. Auf dem Kopf hat er einen hellblauen Helm mit Motorradbrille und vor den Augen noch eine dunkle Sonnenbrille. Er sieht aus wie ein exhumierter UN-Blauhelmsoldat aus der Serie über den Jugoslawienkrieg, die ich gerade bei arte schaue. Mühsam und wackelig schiebt er seinen Einkaufswagen weiter. Ich warte an der Kasse auf ihn, aber er erscheint nicht mehr.

Dafür steht ein fröhlich lachender Mann vor mir, der sich für jeden Handschlag der Kassiererin bedankt. Er ist der einzige Mensch im Laden, der mehr spricht als nötig und trotzdem ist er der Inbegriff von cool. Schwarz, wache Augen mit dicker Hornbrille und einer dicken Uhr mit Metallarmband am Handgelenk. Er könnte in einem Jazz-Club am Klavier sitzen oder sonst was Cooles machen. „Sie sind aber höflich.“ sage ich zu ihm. „Ja“, strahlt er zurück, „Wenn man will, dass die Leute freundlich sind, muss ja auch selber so sein.“ Er packt zehn Dosen mit Makrelen und einen glänzenden frischen Fisch ein, den ich in der Kühltruhe noch nie gesehen habe. Da fällt mir ein, das ich im „Bantou Village“, dem afrikanischen Restaurant um die Ecke vor Jahren den besten Fisch meines Lebens gegessen habe. Danach hatte ich auch gute Laune. Jetzt bin ich an der Reihe und die junge Kassiererin rollt die Augen nach oben, als ob sie sagen wollte „Sprich mich jetzt nich auch noch an.“ Tu ich aber trotzdem. „Haben sie den Pfand-Bon gesehen, den ich aufs Band gelegt habe?“ „Ja, hab ich gleich zu Anfang eingescannt.“, kommt die knappe Antwort. Ich packe meine Sachen in die Fahrradtasche. Genug geredet für heute.

Ps: Das Foto ist ein Ausschnitt eines rekonstruierten Wandbilds aus der Ausstellung „Sonnensucher“ in Zwickau. Für die Restaurierung des Bildes werden Spenden gesammelt.

https://www.wismut-stiftung.de

Micky Maus im Wedding

Abends um sieben an einem warmen Sommertag an den klapprigen Tischen vor dem Eiscafé Kibo in der Transvaalstraße. Neben mir sitzen drei junge Pärchen an einem Tisch, die laut arabisch sprechen. Nebenan vor der Shisha-Bar kichern breitschultrige, kahlköpfige Männer bei einer Wasserpfeife über ihre eigenen Witze. An uns vorbei Richtung Müllerstraße ziehen Gruppen von gut gelaunten Leuten, die vom Rehberge-Park oder vom Baden im Plötzensee zurück kommen. Zwei junge Frauen haben ihre schwarzen Haare zu einem riesigen Afro-Look auftoupiert. Eine trägt ein eidottergelbes Sommerkleid, die andere hat oben auf der Frisur noch mal zwei schwarze Kugeln. Sieht aus wie eine Micky-Maus.

Ich schaue ihnen hinterher und lache. „Warum lachst du?“ kommt es halb neugierig, halb anklagend von der Frau neben mir, die ihr buntes Kopftuch mehr wie eine Wahrsagerin trägt, nicht wie eine strenge Muslimin. „Hast du gesehen?“, antworte ich und deute auf die Gruppe mit den zwei Frauen, die inzwischen schon hinter dem orangen Kiosk an der Togostraße verschwinden. „Sieht aus wie eine Micky-Maus.“

Meine Nachbarin schaut angestrengt in die Richtung und sagt fröhlich: „Stimmt. Warum hast du mir nicht früher Bescheid gesagt, dann hätte ich mehr sehen können.“

Unglaubliche Begegnung

Wenn man sich Zeit lässt, sieht man was. Ungesehenes, Unglaubliches manchmal. Damit meine ich nicht den Staatsbesuch mit Motorradeskorte, in den ich vor dem Brandenburger Tor hineingeraten bin. Das passiert mir oft, weil das Hotel Adlon auf meinem Arbeitsweg liegt. Aber als ich nach Hause komme, so vor mich hin trödelnd, gar nicht von der Straße weg wollend, noch ein Eis essend (Milch und Honig mit Majoran – hmm!) sehe ich an der Straßenecke einen Wagen von der BSR, der Berliner Stadtreinigung, in den zwei orange Männer herumstehende Einkaufswagen einladen. Das hab ich noch nie gesehen! Die Einkaufswagen vermehren sich in unserer Straße wie die Tauben auf dem Dach. Wer sie da hin stellt und warum, ist mir ein Rätsel, Ich hab auch noch nie jemand gesehen, der mit einem Wagen vom Aldi oder Kaufland um die Ecke zu uns gekommen wäre. Vielleicht ist es ein nächtlicher Sport, vielleicht frühmorgendliche Langeweile. Auf jeden Fall habe ich auch noch nie jemand gesehen, der sie wieder abholt – bis heute. Ob ich von dem einmaligen Ereignis ein Foto machen darf, frage ich die beiden Männer, die gerade mit ihrer Hebebühne nach oben fahren.

Und schon haben die Jungs Lust, ein bisschen zu quatschen. Sonnengebräunt und kahlköpfig und mit schicker Brille der eine, rundlicher und schwarzhaarig der andere. Zeit für eine Zigarette. Ob die Supermärkte die Wagen denn wieder zurück haben wollen?, fange ich das Gespräch an. „Lidl schon, Kaufland auch, aber auch erst seit ein paar Jahren.“ „Die anderen kümmern sich nicht drum, da gehen die Wagen bei uns gleich in die Presse.“, ergänzt sein Kollege. Müll ist ein ergiebiges Thema: Ich höre von einem Haufen aus 250 Autorreifen in der dunklen Straße hinter dem Goethepark, die ein Händler dort abgekippt hat. Es geht weiter zu Asbestplatten am Großmarkt und Kühlschränken, die schneller auf die Straße gestellt werden, als die fleißigen Müllwerker sie abholen können. Manchmal sei der Wagen schon voll, bevor sie an ihren Einsatzort kämen. Ein mal die Woche kämen sie hier im Viertel durch und ich weiß, dass wir nun im Bereich der Sagen und Märchen angelangt sind. „Drei Monate hat es gedauert, bis der Kühlschrank vor unserem Haus abgeholt wurde, den ich dem Ordnungsamt gemeldet habe.“, versuche ich den Realitätscheck. Aber die Männer in Orange kann so schnell nichts aus ihrer „Kurz vor Feierabend-Gute-Laune“ bringen. „Ja im Winter, da müssen wir ja auch noch die Streufahrzeuge fahren.“, kommt es mit einem letzen Zug aus der Zigarette. Erst jetzt fällt mir auf, dass keiner der beiden berlinert hat. Die Kippe wirft der Kahlköpfige auch nicht auf den Boden. Er gibt sie seinem Kollegen, der sie in den Mülleimer auf der anderen Seite bringt. Ich mag Männer mit Manieren und Männer, die ihren Beruf ernst nehmen. Und bevor er sich zum Gehen umdreht, höre ich mich sagen: „Einen schönen Abend noch. Und ich möchte Ihnen einfach mal Danke sagen, für ihre Arbeit.“ Das Lob gefällt ihm. Er nickt und ist schon wieder halb in seinem Wagen verschwunden. Er muss weiter, ich auch. Vor dem Eingang des Nachbarhauses haben zwei Polizeiwagen mit Blaulicht gehalten. Zwei Frauen unterhalten sich mit den Männern in Schwarz. Noch eine Geschichte heute Abend?

Im Königreich Gardinestan

Manchmal möchte ich ja dem Motto meines Blogs wieder Ehre machen. Dann fasse mir ein Herz und gehe durch einer der Türen, die in unserm Viertel immer offen stehen. Und manchmal entdecke ich dabei ein verborgenes Märchenland: Gardinestan! Es hat einen geheimnisvollen Namen. Es liegt gleich neben Babylon und nicht weit weg von den Kabul Nights. Manchmal ist es schwer zu finden, doch nie war es ganz verschwunden. Jetzt ist es wieder in voller Pracht aufgetaucht: Nicht hinter den sieben Bergen, nicht im wilden Kurdistan, sondern wieder in der Müllerstraße im Wedding. Und um seine Bewohner und ihre Schätze zu entdecken, muss man nur durch die neue goldene Pforte treten. Und manchmal trifft man dabei eine orientalische Prinzessin, die keine sein will.

Es ist kein Reich voll Tüll, Taft und Teppichen, auch wenn der orientalische Name etwas anderes vermuten lässt. „Gardinestan“, egal wer sich diesen Namen ausgedacht hat, er hat einen Treffer gelandet. Der markante gold-blaue Schriftzug bevölkert schon lange die Blogs und Instagram-Profile über den Wedding. „Gardinestan“, das klingt wie ein fernes Land, das irgendwo zwischen Afghanistan und Usbekistan an der Seidenstraße liegen könnte, ein geheimes Königreich, aus dem legendäre handgeknüpfte Teppiche kommen. Und gleichzeitig könnte es eine selbstironische Anspielung sein auf das Multi-Kulti im Wedding, auf orientalische Teppichhändler und auf das, was hier wirklich verkauft wird: Schimmernde Fenstervorhänge und – na ja: Gardinen.

„Vielleicht ist es auch nur eine Abkürzung von ‚Gardinenstange'“, vermutet der nüchterne Verkäufer, der mich durch den Laden führt. Er ist durch und durch Händler. „Schauen sie!“, wirbt er für seine Ware. „Das ist ein wirklich lichtdichtes Gewebe.“ Zum Beweis hält er seine Handy-Lampe unter eine Stoffprobe. Der Lichtfleck dringt nicht durch. Zum Vergleich zeigt er mir ein leichter gewebtes Stück: blickdicht, aber nicht lichtdicht. Einen Unterschied, den mir bei IKEA, wo ich bisher meine Vorhänge kaufte, keiner gezeigt hat. Und vielleicht ist diese Expertise und die Leidenschaft für den Stoff das wirklich Exotische an diesem Geschäft: „Gardinestan“ ist das letzte Gardinen-Fachgeschäft an der Müllerstraße. Erst vor Kurzem hat das „Ideal“-Gardinenhaus aufgegeben und die Gardinenabteilung von Karstadt am Leopoldplatz ist seit vergangenem Jahr Geschichte.

Aber um das Königreich hinter den seidigen Stores muss man sich keine Sorgen machen, auch wenn der markante Schriftzug für eine Weile von der Fassade verschwunden war – das Haus wurde renoviert. Denn die Kundschaft kommt nicht nur aus dem Wedding, sondern aus ganz Berlin und Brandenburg, verrät mir Fatih Genc, einer der Inhaber. Deshalb, und wegen des guten Online-Geschäfts, sei man durch die Veränderungen und die Geschäftsschließungen in der Müllerstraße auch nicht zu stark betroffen. Man habe Angebote zwischen 20 Euro und 300 Euro pro Meter Gardine. Damit sei man unter den etwa 60 Gardinenläden in Berlin noch nicht im obersten Preissegment, ergänzt sein Verkäufer eifrig. Im Schnitt werde im Wedding 100 Euro pro Meter ausgegeben. Für seine eigene Zwei-Zimmer-Wohnung habe er 1200 Euro für Gardinen und Vorhänge angelegt, verrät er mir. Teppiche habe man auch, aber eher Zusatzangebot und als Sonderangebot für die Laufkundschaft. Soviel zum Thema Wunschvorstellungen.

Im Hinausgehen versuche ich Aişe Genc, der Tochter von Mitgründer Cengiz Genc, zwischen edlen S-Linien-Gardinen und Lamellen-Rollos doch noch das Geheimnis des magischen Namens zu entlocken. 
Im Handelsregister eintragen ist die Firma als „Jung CFO GmbH“. Der Name sei eine Verbindung der Anfangsbuchstaben der drei Brüder Cengiz, Fatih und Oktay Genc, die das Geschäft gemeinsam führen und der deutschen Übersetzung ihres Nachnamens – Genc heißt jung, verrät Frau Genc. Ein Rätsel gelöst. Bleibt noch das Geheimnis um „Gardinestan“. „Er hat schon was mit Ländern wie Afghanistan zu tun,“, lächelt sie, „obwohl mein Vater und seine beiden Brüder aus der Türkei stammen.“ Ihr Vater habe die Idee gehabt. Mehr verrät sie nicht. Ob sie später mal das Geschäft übernehmen wolle, sozusagen als Kronprinzessin von Gardinestan, frage ich sie. „Nein“, lacht sie. „Ich studiere Bio-Informatik an der FU.“

Endlich: Wissenschaft entwickelt perfekte Hochzeit!

Was ist denn das?, frage ich mich, als die Baugerüste gefallen sind und ich das neue Gebäude der Berliner Hochschule für Technik, an dem ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit vorbeikomme, zum ersten Mal sehe. „Wedding Advanced Laboratories“, Fortgeschrittene Hochzeitslabore? Das kann doch nicht wahr sein. Nach den Gender Studies jetzt ein Studiengang für die Tradwifes? Ist es jetzt auch bei uns schon so weit gekommen? Die CDU-Familiensenatorin in Berlin ist doch erst seit zwei Jahren im Amt. Und warum ist das neue fünfstöckige Labor genau gegenüber dem Institut für Bauwesen? Und welche Technik soll da entwickelt werden? „Studiengänge für Biotechnologie, Lebensmitteltechnologie, Pharma- und Chemietechnik sowie Verfahrenstechnik“ sollen hier ihr Zuhause finden, säuselt die Website der Hochschule, die mal aus dem Zusammenschluss mehrerer Ingenieurakademien entstanden ist. 1200 Studierende sollen hier ab dem Wintersemester arbeiten. 1200 Studierende, die sich mit der Herstellung von Hochzeitstorten beschäftigen? Ist das unsere Zukunftsoffensive? Und braucht man hier tatsächlich eine Professur für Verpackungstechnik, um die Hochzeitsgeschenke professionell aufzuhübschen?
Ich beschließe der Sache auf den Grund zu gehen und lasse mich nicht ablenken von den Plakaten, die auf den Resten des Bauzauns drapiert sind und die mit offenen Fragen eine zärtliche und gefühlvolle Herangehensweise an das Forschungsthema Paarbeziehungen vorgaukeln:

Ich spüre, dass das nicht alles sein kann, dass ich tiefer graben muss. Ganz tief. Ich muss rein in das Labor. Da ich ab und zu in der gegenüberliegenden Mensa zu Gast bin, und eine „Mensa Card“ vorweisen kann, schöpft keiner der Wachleute Verdacht. Kein Wunder: mit meiner abgetragenen englischen Barbour-Jacke und dem grauen Bartstoppeln sehe ich aus wie ein typischer deutscher Gelehrter. Der Weg ist frei! In den oberen Etagen schaue ich nur kurz vorbei: Helle Räume, noch halbe Rohbauten. Hier ist nichts zu holen, also runter in den Keller. Ja, ich habe schon Hochzeiten erlebt, die im Keller gefeiert wurden. Haben nicht lange gehalten, die Ehen, die da geschlossen wurden – wenn man schon so tief anfängt. Überhaupt haben die Ehen meist nicht das gehalten, was Hochzeiten versprachen. Ob sie nun im Heidelberger Schloss gefeiert wurden in einem Brandenburger Gutshaus oder im Stadtteiltreff in Berlin-Wedding. Gut, dass ich immer nur zu Gast war.
Aber ist es nicht das, was Wissenschaft den Menschen verspricht? Dass sie in der Lage ist, die Unzulänglichkeiten des Menschen zu überwinden und die Menschheit zu einem besseren Morgen zu befähigen? Wie beschränkt war unser Wissen vor Erfindung des Internets, wie orientierungslos waren wir vor der Einführung der Mobiltelefone und Navis? Und wenn jetzt noch die Roboter und die Künstliche Intelligenz…? Ein Schauder überfällt mich. Noch bevor ich die Tür mit der Aufschrift: „Weddingstyle“ öffne, weiß ich, woran sie in dieser geheimen Kammer arbeiten:

Hochzeits-Avatare! Das erste Grausen, das mich nach dem schauerlichen und trostlosen Anblick der leblosen Maschinenmenschen überfällt, legt sich rasch. Ja, wäre es nicht sogar besser, schießt es durch mein aufgewühltes Hirn, wenn man/frau die Hochzeit von intelligenten Kopien erledigen lassen würde? Nie wieder stressige Jungesellenabschiede, kein Auffegen von zerschlagenem Porzellan am Polterabend vor der Trauung, keine Nervenzusammenbrüche überforderter Mütter, keine Ausfälligkeiten betrunkener Väter, keine nöligen Kinder in zu engen und zu feinen Kleidchen, keine unzufrieden meckernden Tanten und Onkels und keine peinlichen Power-Point-Shows überengagierter Freunde. Und die Hochzeitsfotos ohne verlaufenes Make Up und rote, alkoholgedunsene Köpfe wären auch perfekt. Heinrich Böll hat das automatisierte Feiern durch Stellvertreter für das Weihnachtsfest schon in den 1950er Jahren in seiner Geschichte „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ literarisch vorweggenommen. Jetzt sind wir also nach der Mondlandung in den 1970ern endlich in der Lage, auch diesen Menschheitstraum technisch umzusetzen. Leise, ehrfürchtig und beglückt schließe ich die Tür hinter mir. Meine Tochter wird bald 30, ein gefährliches Alter. Bald könnte ich eine Einladungskarte erhalten. Ich hoffe, dass diese Forschung schnell Serienreife erlangt.

The Good, the Mad and the Ugly

Es ist mitten in der Fastenzeit, aber das türkische Café ist rappelvoll. Die Sonne hat die deutschen Nachbarn ans Licht geholt, schließlich ist Sonntagnachmittag, da geht man Kaffee trinken. Man sieht ihnen an, dass sie den Winter in ihrer Wohnung verbracht haben. Die Sonne scheint auf bleiche schlaffe Haut, zigarettengelbe Hände, ausgewachsene Dauerwellen und ausgewaschene T-Shirts mit Totenkopf. Manche kommen im E-Rollstuhl, manche mit kurzen Turnhosen, manche mit verschossenen altrosa Leggings. Es wird Frühling in Berlin.

Ich finde einen Platz an einem Tisch in der Sonne, neben einem drahtigen schwarzen Mann und seiner etwas helleren Tochter, die an einer Limonade im Tetrapack nuckelt. In einfachem Deutsch erklärt er ihr, warum es wichtig ist, aufs Gymnasium zu gehen. „Da sind gute Menschen“. Dann fängt er an ihr die Immobilienpreise zu erklären. Er ist ein Checker. Das Mädchen holt sein Handy raus, er rechnet weiter: „Für das was du für ein Haus in Brandenburg bekommst, bekommst du in Berlin eine Eigentumswohnung, und die wird immer mehr wert…“ Sie schaut auf sein altes Handy auf deren Rückseite zwei Bilder lockenköpfiger Kinder kleben. „Wann kriegst du endlich ein neues Handy?“, fragt die Kleine. Eine Nachbarin kommt vorbei, lacht und knuddelt das Mädchen. „Was macht Jonas jetzt?, fragt sie. „Ach der geht jetzt zur Bundeswehr.“ „Ja die Bundeswehr gibt ihm einen Halt.“, doziert der Vater. „Besser ist es, eine Ausbildung zu machen. Aber wenn man keine Ausbildung macht, ist die Bundeswehr gut für Männer.“ Aus einem Rohr an der Wand pladdert Wasser auf den Gehweg und das Mädchen verzieht angeekelt sein Gesicht. „Das ist nicht aus der Toilette.“, beruhigt der Vater sie, das schüttet man in Europa nicht auf die Straße, das kommt vom Dach.“, sagte er und schaut mich Bestätigung wünschend an. Ich verfolge das Rohr bis zum ersten Balkon. „Das ist Blumenwasser.“, sage ich beschwichtigend. „Da gießt jemand seine Blumen auf dem Balkon. Es ist Frühling.“ „Ja, Blumenwasser!, lacht mein Tischnachbar befreit und das Gesicht des Mädchens entspannt sich. Ich muss weiter: Milch kaufen bei Jashims Tante Emma Laden. Gestern war Frauentag in Berlin, da waren die Geschäfte zu. Aber das habe ich zu spät gemerkt. Jashim ist immer da. Mit seinem roten, hennagefärbtem Bart und und seien immer etwas müde blickenden Augen, seiner Frau und den drei Kindern, die im Laden rumhängen. Aber heute ist Jashim weg. Stattdessen ist ein junger Mann hinter der Theke. „Jashim hat Urlaub.“, sagt er mir auf meine Frage. „Und wo ist er hin? „Nach Mekka!“ „Auf die Hadsch?“ Der Verkäufer nickt anerkennend. „Darf man das denn im Ramadan?“ „Das wird sogar doppelt belohnt.“, belehrt er mich eifrig. Ich frag nicht nach, worin die Belohnung bestehen soll. Aber das Jashim zum Glauben gefunden hat, merkte ich schon, als er vor zwei Jahren aufhörte, Bier zu verkaufen. Seitdem ist sein Laden ziemlich oft leer. Der Fußballverein, dessen Bilder und Pokale die Wände zierten, hat sich wohl ein neues Vereinslokal gesucht und die Alkis, die immer auf der Zeitungskiste vor dem Laden ihr Bier tranken, sind in die „Gemütliche Ecke“ gegenüber gewechselt. Dafür gibt es jetzt Bio-Milch für 2,40 Euro und natürlich Hafermilch. Da wo die Bierkästen standen, steht jetzt eine Kühltruhe mit Eis am Stiel. Der Sommer kann kommen.

Zweite Lesung

Samstagmittag. Wir sitzen beim Döner. Meine zwei Jungs, ihr Freund und ich. Sie haben sich in der Bibliothek einen Harry-Potter Film und zwei Kilo Donald Duck-Hefte ausgeliehen und sie haben sich bei mir einen Filmnachmittag herausverhandelt. Die Stimmung ist aufgekratzt. Aber erstmal gibt es was Ordentliches zu essen und zu lesen. „Papa, du hast doch die Geschichte mit dem ICE geschrieben. Kannst du die mal vorlesen?“, heißt es, kaum dass wir am Tisch sitzen. Die Jungs sind der festen Überzeugung, dass ich meinen Blog nur schreibe, um meine Erlebnisse mit ihnen und ihrem Bruder für die Nachwelt zu erhalten, was nicht ganz falsch ist. Manchmal lese ich ihnen nach einem gemeinsamen Abenteuer vor, was ich getippt habe. „Ich würd dich instant liken“, sagte der eine mal abends, als ich wieder eines unserer alltäglichen Dramen in Worte gegossen hatte. Und ich denke, das ist ein Lob. Aber das hier ist ist jetzt was anderes. Das ist in der Öffentlichkeit. Der Freund ist dabei, die zwei Döner-Männer hinter der Theke und ein Pärchen in unserem Rücken, das sich nebenan einen Lamachun geholt hat, weil das billiger ist als ein Döner. Wenn ich jetzt die Geschiche vorlese ist das eine öffentliche Lesung! Vor Publikum! Natürlich drängt es jeden Autor dazu, seine Werke der Welt anzuvertrauen, und bisher habe ich erst einmal die Gelegenheit dazu gehabt, bei einem mäßig besuchten Leseabend an meiner Arbeitsstelle. Es war schnell vorbei, gab eine Flasche Sekt zur Belohnung und zwei Monate später die Überraschung bei einer Arbeitssitzung mit einer anderen Abteilung, als eine Kollegin sagte: „Sie sind doch der, der vorgelesen hat. Ich hab sie an ihrer Stimme erkannt.“ Da schmiedet man stundenlang ein Schmuckstück aus Worten, und sowas bleibt also in in Erinnerung. Mein heutiges Publikum kennt meine Stimme zur genüge in allen Lagen und Lautstärken. Aber sie wollen mit meiner Hilfe ihren Freund beeindrucken. „Fang doch jetzt endlich an mit der Geschichte.“, drängt mich mein Sohn, während ich noch an meinem Adana Dürum kaue – und sie ihren Döner in Lichtgeschwindigkeit abgenagt haben. Auf dem Tisch und darunter sieht es aus wie nach einem Wirbelsturm. Aber ein wahrer Künstler muss der richtigen Stimmung sein, um sein bestes zu geben. Also bestelle ich mir noch einen Tee und ziehe langsam das Handy aus der Tasche. „Die Stimmung war gut…“ beginne ich mit der epischen Einleitung. Der Freund kommt neugierig auf meine Seite, aber die Jungs drängeln: „Muss das sein? Lass das doch weg. Kommt das auch mit der U-Bahn?“. Kunstbanausen. Hatten sie sich nicht neulich beschwert, dass ich sie in ihrer Jugend betrogen hätte, weil ich bei den ewigen Wickie der Wikinger-Geschichten beim Vorlesen ganze Absätze unterschlagen hätte? Also müssen sie sich jetzt gedulden. Genüsslich komme ich zum ersten Cliffhanger: „Was ich nicht wusste: Sie hatte sich neue Verbündete gesucht…“ Der Döner-Wirt kommt mit mürrischem Gesicht und versucht die Ordnung auf unserem Tisch wieder herzustellen. Das Pärchen hinter uns kaut unbeeindruckt an seinen Teigrollen. Am Glückspielautomaten im Hinterzimmer ist jetzt ein Biertrinker zu Gange. Der Laden füllt sich. Wahre Kunst findet immer ihr Publikum. Aber nicht immer ein dankbares. Ständig spoilern meine Jungs vor lauter Aufregung kichernd die Pointen. „Das stimmt doch gar nicht.“ Wir hätten noch mehr Cola aus dem Bisto holen können“. „Sind wir wirklich schwarz gefahren in der U-Bahn?“ Dem Freund wird langweilig und mein Schlussatz geht unter, weil die drei schon wieder bei einem anderen Thema sind. Wahrscheinlich ob sie zum Film lieber Popcorn oder Chips bei Edeka kaufen sollen. Ich drücke ihnen einen Zehner in die Hand und scheuche sie zum Supermarkt. Der Künstler bleibt sitzen und genießt den kurzen Ruhm. Nach zehn Jahren Bloggerei endlich der ersehnte Erfolg. Eine treue, wenn auch bestechliche Anhängerschaft und einen Platz in der Ewigkeit. Hatte mein Älterer nicht eben an der Ampel gesagt: „Irgendwann schreib ich ein Buch über dich“?

Friedenspflicht

“Morgen ist Feiertag.“, sagt mein Friseur. „Deutsche Einheit“. „Deswegen bin ich hier.“ , sag ich, erstaunt über so viel staatsbürgerliche Bildung in einem arabischen Laden. „ Morgen muss ich schick sein, ich geh auf die Demo.“ „Ah, Demo, prima. Was für eine?“ „ Gegen Raketen in Deutschland und gegen mehr Waffen für die Ukraine“ „Alles klar!“, grinst mein Figaro und geht mit seinem freien Arm einmal über die Köpfe seiner vier Kollegen, der Männer auf den Frisierstühlen und des Lehrjungen. „Wir kommen alle mit.“ Er hat gute Laune und spinnt die Sache weiter: „Ist das mit Auto?“ „Nee“, sag ich. „Zu Fuß“. „Ah, das ist mir zu anstrengend, da bleib ich lieber im Bett.“ „Kannst auch mit dem Fahrrad kommen.“ „Da muss ich mir erst mal ein Fahrrad kaufen. Ich komm mit E-Roller. Ist das ok?“ Er ist jetzt fertig mit meinem Haaren. Jetzt sind die Ohren dran. „Soll ich die versengen?“ Ich zucke kurz, wegen der Wortwahl, weiß dann aber was er meint und nicke. „Feuer!“, ruft er durch den Laden und der schüchterne Lehrjunge bringt ihm ein Einmalfeurzeug. Es klickt ein paar mal. Viele kurze Flammen lecken in meine Ohrmuschel. Dann kommt er mit einem Gerät, das aussieht wie eine gläserne Laserpistole. Vorne leuchtet sie blau. Der Friseur drückt ab. Doch statt eines tödlichen Laserstrahls trifft mich eine Wolke von Aftershave und nebelt mich ein. „Ist auch ne Waffe.“, lacht er. Für die Demo bin ich jetzt gut gerüstet.