Gestern hörte ich die Rede des neuen Präsidententen der USA und ich war sehr ergriffen. Ein Tränchen zerdrückte ich vor Rührung im Augenwinkel und von Herzen wünschte ich, dass ihm die Versöhnung seines gespaltenen Landes, die er mit großen Worten ankündigte, auch gelinge möge. Aber dann ging mir der Vorgänger nicht aus dem Kopf. Und bei aller Versöhnungsrethorik wünschte ich mir, dass sie es irgendwie schaffen, ihn aus dem Verkehr zu ziehen, ihn an den Arsch zu kriegen. Vielleicht endlich mal über seine Steuererklärung schauen oder seine Kredite kritisch prüfen. Egal wie: Grab this white male.
Also ick gloobe, die da beim Jobcenta in der Müllerstraße ham een an der Tanne. Schon seit Ewichkeiten darf da keener mehr rin. Und vor Weihnachten scheint ooch noch der Hausmeesta krank jeworden su sein. Uf jeden Fall macht da ahms keener mehr die Lichta aus. Dit Haus sieht aus wie een Weihnachtsbaum. Nu ist Weihnachten schon lange vorbei und die Bäume hat längst die Stadtreinijung jeholt. Aba die vom Jobcenta machen munta weita. Is ja ejal. Is ja nur unsa Jeld. Kann da nich mal jemand een Elektrika holn?
Wo wers jerade vom Jeld ham. Dit sieht hier zwar so aus wie Las Vegas, aba dit is jerade dem Jobcenta jejenüba. Dit is da, wo die Jungs sonst ihre Stütze vazocken, die se sich vom Amt jeholt ham. Aber mit dem jroßen Jeld is da ooch vorbei. Allet dicht. Und damits keener merkt, hamse die Lichta in Treppenhaus anjelassen.
Aba wenichstens Kaastad hat noch uff. Bis um achte ahms. Jeht ooch nich mehr lange, gloob ick. Aber der letzte macht dit Licht aus.
Trügerischer Wedding: Multi Kulti ist nur Fassade. Der Besitzer hat etwas zu verbergen und wollte, dass ich das Foto lösche.
Bunter Wedding. Und die Hausverwaltung tatsächlich schwer in Ordnung.
Babylonischer Wedding: Hier muss man alles mindestens zwei Mal erklären
Roter Wedding: Redaktion des links-autonomen Magazins „Plumpe“
Lebendiger Wedding: Statt Trauerfeirn gibt es jetzt türkisches Frühstück.
Moderner Wedding: Beton, es kommt drauf an, was man draus macht.
Grausamer Wedding
Es kracht und knallt. In meiner Nachbarschaft ist Zurückhaltung ein Fremdwort. Die Straße riecht nach Böllern und Benzin. Aber trotzdem muss ich raus. Einmal quer durch die Stadt mit zwei Flaschen Sekt zur zwei Personen-zwei Haushalte Sylvesterparty. Falls ich von diesem Trip nicht wiederkehren sollte, will ich euch schon jetzt zum Neuen Jahr die besten Wünsche senden und ein paar letzte bunte Bilder aus diesem verrückten Jahr. So schlecht war es gar nicht.
Steht die Zeit still, oder rast sie gerade? Ausgerechnet gegenüber der Charité, Berlins größtem Krankenhaus, ja das mit dem Christian Drosten, hängt diese Skulptur, diese „Franz Kafka Uhr“ (ohne Zeijer, mit Striche drop nur; BAP). Drinnen tobt das Virus auf der Intensivstation und draußen ist alles ruhig. Ich fahre durch fast leere Straßen, unter bleigrauem Himmel, immer nur zwischen zu Hause und meinem Büro. Aber da ist niemand. Fast alle Kollegen sind im Home Office, und auch ich komme nur ein paar Mal die Woche vorbei, um nachzusehen, ob es die Arbeit noch gibt. Ich bin nicht der Richtige, um ständig von zu Hause aus zu arbeiten. Ich hab so etwas, was die Piloten „Nachtflugkoller“ nennen. Wenn du nichts mehr um sich herum siehst, keinen Kontakt mehr hast, zweifelst du irgendwann, ob der Computer, den du beobachtest, noch die Wirklichkeit zeigt. Vielleicht bist du längst im Sturzflug, während der Höhenmesser Geradeausflug anzeigt. Videokonferenzen helfen da auch nicht mehr.
Und Weihnachten? „Das glaubst du doch selber nicht, dass in paar Tagen Weihnachten sein soll.“, schreit mich mein Sohn auf dem leeren Hinterhof an. Meine Kinder sind zur Zeit, was soll ich sagen? Etwas unausgeglichen. Wer soll es ihnen verübeln? In der Schule saßen sie über Wochen mit Mundschutz. Und draußen ist es dreizehn Grad warm und trocken. Eher ein bewölkter Frühlingstag als „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, das ich mit ihnen tapfer für die Bescherung übe. Noch nicht mal Regen, von Schnee ganz zu schweigen. In der Schule sind die ganzen Adventssachen ausgefallen. Adventssingen, Adventsfeier, Adventsbasar. Noch nicht mal die Großmutter ist zu ihrem unausweichlichen Adventswochenende vorbei gekommen. Der innere Kalender der Kleinen ist durcheinander. Auf der letzten Fahrt von Berlin in den Brandenburger Speckgürtel sahen wir ganze fünf beleuchtete Weihnachtsmänner und nur drei leuchtende Schneemänner. Dafür spenden jetzt einsame Herrenhuther Sterne Licht in der Dunkelheit. Aber die Jungs, die den Dezember nur als sich steigernden Konsum- und Lichterrausch von Nikolaus über Geburtstag (die Zwillinge) bis Heiligabend kennen, merken so kleine Lichtlein gar nicht. Es ist schwer, in solchen Zeiten den Glauben an den Weihnachtsmann aufrecht zu erhalten. Und wenn die Frohe Botschaft für das Fest „Impfstoff“ heißt, kommt man mit den Liedern von dem Kindlein in der Krippe, das angeblich den Tod überwunden hat, auch nicht weit. Immerhin: Es ist eine beschauliche, ja fast besinnliche Vorweihnachtszeit. Etwas eintönig zwar, aber wenigstens ohne Schokoladen- Glühwein- und Weihnachtsfeierorgien. Mir gefällt das. Ich verziehe mich im Winter (ho ho ho) gerne in meine Höhle. Aber es macht mich irre, wenn ich sehe, dass immer mehr Menschen und die Welt, die ich bisher kannte, ganz leise sterben. Natürlich haben wir trotzdem ein Weihnachtsbäumchen gepflanzt – in mein Wohnzimmer. Mit Strohsternen und Kerzen. Als meinem Sohn eine Christbaumkugel runtergefallen ist, und ich schon Scherben sah, meinte er nüchtern: „Brauchst keine Angst zu haben, die sind aus Plastik.“
Ich wünsche euch trotz allem ein frohes Weihnachtsfest.
„Edward Hopper“, das sagen viele, die das Bild „Die Baude bei Nacht“ von Lena M. Olbrisch sehen, das es beim Kunstwettbewerb „Mein Wedding 2020“ unter die ersten 12 geschafft hat. Und sie meinen natürlich den Klassiker „Nighthawks“: Einsame Menschen, sitzen, vom kalten Neonlicht beschienen, in einem nächtlichen Restaurant. Traurige Gestalten, aber Gestalten, die gut aussehen. Mit ihren lässigen Anzügen, eleganten Kostümen, mit ihren coolen Hüten und harten Drinks könnten sie Schauspieler in einem Holywoodstreifen der schwarzen Serie sein. Selbst der Barmann ist adrett mit einem weißen Schiffchen auf dem Kopf. Das Bild, das in den 80ern in jedem billigen Bistro Westdeutschlands hing, hat ganz wesentlich zu meiner Sehnsucht beigetragen, als einsamer Wolf durch nächtliche Straßen in der großen Stadt zu ziehen. Es war diese Sehnsucht, die mich endlich nach Berlin brachte. Einen Trenchcoat hatte ich auch dabei.
Jetzt lebe ich seit 25 Jahren hier und hab mein Ziel erreicht. Ich bin nicht nur alleine – meinen Sohn habe ich gerade bei seiner Mutter abgegeben- sondern auch richtig einsam und voller Grimm, wie jedesmal nach diesen traurigen Treffen. Kein Zuhause nirgends. Aber die Stadt kennt auch Orte, die einen trösten.
Kalt weht der Herbstwind durch meine dünne Schimanski-Jacke, als ich im fahlen Licht der untergehenden Herbstsonne auf die Curry-Baude am Bahnhof Gesundbrunnen zusteuere, dem Treffpunkt aller Nachteulen, die hier in Berlins irrester Ecke gestrandet sind. Ein mageres schwarzes Mädchen in einem dünnen Kleidchen kommt mir auf dem Bahnhofsvorplatz entgegen, geschmeidig tanzend, selig lächelnd. In ihrer Hand verbirgt sie etwas, etwas Glänzendes, wahrscheinlich das Zeug, das sie gerade glücklich macht. Ich lächle zurück, denn auch ich verstecke etwas, das glücklich machen soll. Die Baude ist hell erleuchtet, wie auf dem Foto. Doch im kalten Neonlicht (s.o.) hinter dem Tresen steht eine alte gebeugte Frau, die schon zu lange da steht. Zu viele Jahre und zu viele Stunden heute. Sie ist die Chefin, oder sie war es mal, das macht ihr Gesicht klar. Aber was macht die alte Chefin Sonntagabend um 8 noch im im Lokal? Mit der Hand stützt sie sich am Tisch ab, als sie meine „Curry Spezial mit Paprika und Mais“ zurecht schnippelt. Nichts erwartend als die nächste Bestellung. Hinter ihr gießt eine aus der Form geratene junge Frau mit struppigen, farblosen Haaren altes Frittenfett einen Eimer. Jetzt oder nie. Als ich die zwofuffzich für die Wurst auf die Glasschale zähle, ziehe ich mit der Linken etwas aus meiner Tasche. Keinen geladenen Colt, wie es Humphrey Bogart gemacht hätte, keinen Briefumschlag mit Dollarnoten. Nein, es sind die Postkarten mit den Bildern der Wettbewerbsgewinner, die wir nun im Wedding verteilen. „Hier“, sage ich, „wollte ich ihnen geben. Das Foto von Ihrer Baude hat einen Kunstpreis gewonnen.“ Kurz meine ich, dass sie ärgerlich wird, weil ich sie in ihrer Routine unterbrochen habe, die sie mit Mühe aufrecht erhält. Dann ruft sie nach hinten einen Männernamen: „Da ist jemand mit dem Foto, das die Kundin neulich gemacht hat.“ Ein hagerer Endvierziger kommt aus dem Lagerraum und wischt sich die Hände ab, bevor er die Karten nimmt. Ich sage mein Sprüchlein noch mal. „Danke“, sagt er, „dass Sie an uns gedacht haben.“ Das Foto gefällt ihm. Freundlich zeigt er die Karten seiner grauen Helferin. Die werkelt immer noch am Boden, dreht kurz den Kopf und verzieht das Gesicht. Die alte Dame ist schon bei der nächsten „Zwee ma ohne Darm mit Pommes.“
Ist also Kunst doch für was gut? Na ja, auf jeden Fall hat sie mich zu der schärfsten und besten Currywurst in Berlin geführt (vergesst Konopke und Curry 36 gleich mit). Und mit der Curry intus habe ich sogar den Rückweg mit der U6 überlebt. Als am Leopoldplatz nicht nur die üblichen vier betrunkenen Polen (heute waren es nur drei, ich mach mir Sorgen) säuerlich nach Bier und Erbrochenem riechend in den Wagen torkelten, sondern auch noch ein Mann mit einem Seppelhut, der einen Rollstuhl mit einer Bierflasche drin vor sich herschob, sich mit den Fußsstützen in der Festhaltestange verhakte und so die ganze Tür blockierte. Und als der endlich durch war, noch zwei Jungs reinkamen (einer tatsächlich mit umgedrehter Basecap und goldener Gliederkette um den Hals), die noch irgendeinem Mädchen auf dem Bahnsteig imponieren wollten und ihre Hacken zwischen die zugehende Tür klemmten. Was aber auch wieder nichts mehr ausmachte, weil der ganze Zug außerplanmäßig noch fünf Minuten im Bahnhof stehen blieb, was uns der Fahrer über knarzende und hallende Lautsprecher lakonisch zubrüllte. War alles zu ertragen, selbst mit Maske vorm Gesicht.
Wir halten also fest: Wer Kunst so nah an sich ran lässt, dass er sie für Wirklichkeit hält, der läuft sein Leben lang falschen Vorbildern nach. („Ich kenne das Leben, ich bin im Kino gewesen“ (Fehlfarben)). Wer aber Kunst nicht an sich ran lässt, verpasst die besten Orte, die erstaunlichsten Menschen und bleibt ewig in einem Vorortbistro mit einer schlechten Kopie von den „Nighthawks“ hängen.
Also dieser Sommer…. Wind, dramatische Wolken und Sturzregen: wunderbar. Als Fan der Regensucherin gibt es für mich kein schöneres Geräusch als das Tanzen der Regentropfen auf dem Fensterbrett und das Rauschen der Bäume vor dem Gewitter.
Das gibt mir das Gefühl: Es ist alles wieder gut. Klimawandel war einmal. Die Wiese bleibt grün. Die Kastanie im Hinterhof hat die Motten, aber auch damit kommt sie in so einem regenreichen Sommer besser klar. Und was es heute regnet, das füllt den Grundwasserspiegel für die nächsten Jahre, hoffe ich . Mit meinen Söhnen habe ich kein Apfelbäumchen gepflanzt, sondern Astern in drei kleinen Blumentöpfen. Und die brauchen sie gar nicht zu gießen – nur in den Garten stellen. Wächst von selber.
„Wäre schön, stimmt aber alles nicht.“, sagt der schlacksige Kerl, der neben mir durch die Wiesen des Naturschutzgebiets Klapperberge stapft. „Der Regen kommt viel zu spät, den hätten wir im April gebraucht. Die Bäume hier lassen die Blätter hängen, weil es damals zu trocken war. Jetzt schwemmt der Starkregen nur die Erde weg. Unten an den Wurzeln kommt nichts an.“ Ach dieser Kerl – verdient sein Geld mit Dachbegrünungen. Da muss er den Leuten ja so was erzählen. Und bei einer Sache muss er mir sogar Recht geben. Auf den Wiesen hier in der Uckermark haben seit Jahren nicht mehr so viele Blumen geblüht . Ich schau in meine Pflanzen-App: Alles Unkräuter. Na Gottseidank sprießt das wieder.
Wir haben gekocht. Sitzen am Küchentisch und stochern im Spargelsalat mit Linsen. Meine Idee. „Linsen hatte ich heute schon“, mäkelt die Tochter. Sie hatte sich auf Spargel gefreut. Aber es sind nur ein paar Stangen in der Schüssel. Ich habe mich an das Rezept gehalten. Na ja, einen Versuch war’s wert. Ich versuche das Gute an dem Abend zu sehen: Schön, dass sie da ist. Schön zu hören, dass sie sich wieder um ihre Masterarbeit kümmert. Um das Thema zu wechslen, zeige ihr auf meiner Kamera die Blümchenbilder, die ich im Garten gemacht habe und auf die ich so stolz bin. „Hübsch“, sagt sie. Die Stimmung war schon einmal ausgelassener.
Da fällt mir die kleine Flasche Ouzo ein, den sie mir aus ihrem letzten Griechenlandurlaub mitgebracht hat. Ich trink ja sonst nix, ehrlich, steht schon ein Jahr bei mir rum, aber auf einmal habe ich große Lust auf Schnaps. Ich wedele die Flasche vor ihrer Nase rum. „Willst du einen?“ „Warum nicht?“, kommt es erstaunt zurück. Darf ich die Jugend zum Trinken verführen? Muss ich als Vater nicht Vorbild sein? Wir trinken den Schnaps aus Eierbechern. Was anderes hab ich nicht. Das Zeug ist süß und lecker und ungekühlt. Läuft so rein.
Nach dem zweiten Becher zeige ich ihr den Trick mit dem umgedrehten Objektiv. Sie hatte sich im letzten Jahr eine alte Kamera gekauft und ein paar Schwarzweißfilme verschossen. So richtig ernst gemeint war es wohl nicht. Eher so ein Trend. Als ich ihr zum Geburtstag einen Belichtungsmesser schenkte, hat sie ihn angeschaut, als wäre es ein Faustkeil. Aber der Trick gefällt ihr. Objektiv abschrauben, umdrehen und vor die Kamera halten – und schon kann man winzige Details ganz groß machen. Unter den Augen meiner Tochter verwandelt sich mein Küchentisch. Abstrakte Formen, zerkratzte Details, wie aus einer alten Fabrik. Die Fotos, die sie knipst könnte man als Deko in ein Vorstadtcafé hängen, oder in einen Club, finde ich und sage es ihr auch. Meine Euphorie ist echt. Sie hat wirklich ein gutes Auge und ich bin beim vierten Eierbecher angelangt. Sie ist auch ganz begeistert, als sie sieht, wie aus der Spülbürste ein Strahlenkranz wird. Wir sind Künstler – für einen Abend. Sie tippt auf ihrem iPhone rum und überträgt sich die Bilder. „Noch einen Becher?“, frage ich. „Nee, ich bin noch verabredet. War aber trotzdem schön.“
Zwei Tage später sind wir mit Freunden nach Brandenburg gefahren – zum Spargelessen. Diesmal richtig.
Eigentlich wollte ich in meinem Leben einmal den Dschungel sehen, richtigen Regenwald mit riesigen Bäumen, Pflanzen mit fetten Blättern und üppigen exotischen Blüten. So wie im Dschungelbuch, so stelle ich mir das vor. Costa Rica wurde mir von Freunden als Land genannt, wo es das alles zu sehen gibt – und noch ein paar Vulkane dazu. Jetzt sieht es so aus, als würde es ein Wettrennen gegen die Zeit geben, denn der Regenwald verschwindet so schnell, dass es vielleicht keinen mehr gibt, bevor wieder Flugzeuge oder Schiffe in das Land meiner Sehnsucht fahren.
Es bleibt mir also nur, das Fernrohr umzudrehen und ganz nah ranzugehen an das, was ich hier jeden Tag sehen kann. Dann zeigt sich, dass auch unser Hinterhof Blüten und Farben in in Hülle und Fülle zu bieten hat. Fehlen nur noch die Affen.
Auch im Hinterhof wacht die Polizei. Aber die hat einen Vogel.
Was das mal wird, weiß ich auch nicht. Aber wer weiß das schon heutzutage?
Schon wieder blau, aber wie sie heißt, will sie mir nicht sagen.
Diese blassen Blümchen werden stiefmütterlich behandelt.
Tief ins Gras geduckt, finde ich ein blaues Bümelein. Aber es heißt nicht Erika.
In den Schillerpark um die Ecke dürfen wir nicht mehr. Aber bei uns im Hof schillerts auch ganz schön.
Da ist einiges im Busche bei uns. Licht vor allem.
Die Kastanie hat schon ganz rote Köpfchen. Die platzt gleich
Und die Wäsche in Nachbars Garten strahlt mit den Blumen um die Wette.
Der Himmel über Berlin. Da kiekste, wa?
„Wo ihrer drei beisammen stehen, da soll man auseinandergehen…“ Wer denkt, mit Polizeiverordnungen wie aus Krähwinkels Schreckenstagen wäre das Leben in Berlin zum Stillstand gekommen, der hat wohl keine Augen im Kopf. Zwar heißt es heute wieder fast wie bei Heine vor 150 Jahren: Auf den Straßen und den Gassen soll man sich nicht sehen lassen. Aber es bleibt einem in Berlin ja immer noch der Hinterhof. Und da platzt das Leben aus allen Nähten. Und das Licht. „Ich habe das Licht gesehen!“ (Nicht Heine, sondern Jake Blues von den Blues Brothers).
Ich wünsche euch helle Frühlingstage und bleibt gesund!
Berlin Wedding ist grau und trist? Keineswegs! Der Mittelstreifen der Müllerstraße im Wedding wird sich vom 15. August bis zum 4. Oktober 2020 durch 12 Kunstwerke wieder in eine Freiluftgalerie verwandeln. Das war schon in den vergangenen sechs Jahren so, aber dann fand sich keiner mehr, dies oder ders machen wollte. Also hat Susanne Haun, die Bloggerin und Künstlerin aus dem Wedding ein paar Mitstreiter um sich geschart – und schon kommt im Sommer wieder Farbe auf den „Kurfürstendamm des Berliner Nordens“.
Das Schöne ist: Alle können etwas dazu beitragen, denn die Grundlage der Ausstellung ist ein Kunstwettbewerb. Künstlerinnen, Künstler, Kitas, Schulen oder interessierte Freizeitmalerinnen und -maler sowie Fotografinnen und Fotografen aus Berlin rufen wir auf, Kunstwerke zu gestalten, die sich mit dem Stadtteil Wedding auseinandersetzen und Typisches aus dem Wedding aufgreifen. Die besten 12 Beiträge werden von einer Jury für die Ausstellung ausgewählt. Für die ersten drei Plätze gibt es ein Preisgeld.
Preisgeld
1. Platz 200 Euro und als Standort vor der Bibliothek
2. Platz 100 Euro und als Standort vor dem Rathaus
3. Platz 50 Euro und als Standort vor dem Alhambra
Wer mitmachen will, der schaue sich die Website des Wettbewerbs an.