Zwei Mal Kommunion, mit Scharf

Es war ein Sonntag vor ziemlich genau fünfzig Jahren. Ein Sonntag, den man bei uns "Weißer Sonntag nannte". Da lief ich im schwarzen Anzug mit einer dicken Kerze hinter unserem Pfarrer und neben meinen Mitschülerinnen in Weiß durch die Dorfstraße. Hinter uns lagen Monate des priesterlichen Kathechismusunterrichts und viele Testläufe, wie wir einer nach dem … Zwei Mal Kommunion, mit Scharf weiterlesen

Durch die wilden Sofas

Auf meinem Sofa liegt ein sauber zusammengefaltetes Laken. Meine Tochter war am Wochenende da. Und wenn sie bei mir übernachtet, dann mache ich ihr mein rotes Sofa zurecht. Inzwischen ist sie so nett, dass sie das ganze Bettzeug wieder zusammenlegt, wenn sie geht. Sie ist oft unterwegs bei Freunden in der ganzen Welt und weiß … Durch die wilden Sofas weiterlesen

Nappo

Breuer schob den Vorhang zur Seite und öffnete das Aluminiumfenster einen Spalt zum morgengrauen Innenhof.  Er spürte den feuchten Morgendunst, der sich auf seinem Weg in den schmucklosen Vernehmungsraum zuerst auf seine weit nach hinten gelichtete Stirn legte und dann weiter zog in die hintersten Ecken voller abgestandener Luft. Ein leichten Schauer lief über Breuers … Nappo weiterlesen

75

Dieses Jahr werden in Berlin eine Menge Dinge 75 Jahre alt. Zum Beispiel der sowjetische Panzer am Ehrenmal vor dem Brandenburger Tor (natürlich ein T 34, soviel Zeit muss sein), der angeblich als erster die Stadtgrenze von Berlin überfuhr. Vor 25 Jahren hat mich ein seelenruhiger Wachtmeister von dem Panzer runtergeholt als ich meinte, sein … 75 weiterlesen

Am Fenster

Das Feuerwerk ist vorbei, der Sekt verkippt und der Walzer getanzt. Der Rausch macht eine Pause. Wir stehen am großen Fenster im vierten Stock und schauen wie aus einem Raumschiff über die strahlende Stadt und das neue Jahrzehnt. Der grauhaarige DJ scannt seine Playlists durch und startet mit zarten Geigenklängen einen zaghaften Versuch die erschöpften … Am Fenster weiterlesen

Früher

Wäre ich nur 500 Meter weiter gegangen, hätte ich es über die Grenze geschafft. Dort wo die Straße den Berg hoch geht - den Prenzlauer Berg. Dort, wo sich die Baristas hinter U-Boot großen Espressomaschinen verschanzen und wo die Luft erfüllt ist von diabolischem Zischen. Dort hätte ich einen Kaffee nach meinen Wünschen bekommen. Aber … Früher weiterlesen

Berliner Poesie

Julius Meinl ist eine österreichische Kaffeerösterei, die seit ein paar Jahren versucht, über die billige Berliner Bäckerkette Thürmann in der Hauptstadt Fuß zu fassen. Wie wichtig den KuK-Poeten der Kaffee war wird aus dem Zitat von Franz Kafka deutlich: "Kaffee dehydriert (entwässert) den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub." Und was fällt dem Berliner ein zu dem inspirierenden … Berliner Poesie weiterlesen